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Bildung

Wenn der Fahrscheinautomat zur Herausforderung wird

Die Zahl der Analphabeten ist in den vergangenen Jahren um mehr als eine Million zurückgegangen. Noch immer können aber viel zu viele nicht richtig lesen und schreiben – das hat Folgen.

08.05.2019

Von MATHIAS PUDDIG

Wer nicht lesen kann, hat Probleme im Alltag zum Beispiel, wenn es um den Fahrkartenkauf am Automaten geht. Foto: Armin Weigel/dpa

Berlin. Pflaster oder Flaster? Urlaup oder Urlaub? Mehr als zehn Millionen Erwachsene in Deutschland haben mit diesen oder ähnlichen Fragen Probleme. Sie können selbst alltägliche Worte nicht richtig schreiben. Mehr als sechs Millionen von ihnen können außerdem nicht gut genug lesen und schreiben, um am öffentlichen Leben teilzuhaben. Das geht aus der Leo-Studie, einer Untersuchung der Universität Hamburg, hervor, für die fast 7200 Menschen befragt wurden. Doch es gibt auch eine gute Nachricht: Die Zahl der Betroffenen ist in den vergangenen acht Jahren deutlich geschrumpft: Noch 2010 galten 7,5 Millionen als „gering literalisiert“, also als funktionale Analphabeten – 1,3 Millionen mehr als 2018.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) lobte dann auch, „dass wir den richtigen Weg eingeschlagen haben, um das Grundbildungsniveau von Erwachsenen zu erhöhen“. Sie meint damit, die sogenannte Alpha-Dekade. Seit 2016 arbeiten Bund, Länder und gesellschaftliche Partner wie Gewerkschaften verstärkt zusammen, um die Analphabetenrate gezielt zu senken. Der Bund stellt 180 Millionen zur Verfügung. „Damit wird mehr Menschen eine bessere Teilhabe ermöglicht“, so Karliczek.

Das ist auch nötig, denn die Leo-Studie zeigt auch, inwiefern Menschen mit Mühe beim Lesen und Schreiben im Alltag auf Probleme stoßen. So nutzen sie seltener Apps und Automaten, um Fahrscheine zu kaufen und schauen bei Medikamenten seltener nach, wie diese zu dosieren sind. Anke Grotlüschen, Erziehungswissenschaftlerin und Ko-Autorin der Studie, ergänzt, dass nur 50 Prozent aus dieser Gruppe sich zutrauen, den Telefonanbieter zu wechseln. „Zwei Drittel haben zudem große Schwierigkeiten, politische Fragen zu verstehen.“

Schulabschluss keine Garantie

Grotlüschen fordert, dass Bildungsangebote an solchen alltäglichen Fragen ansetzen sollen. Bildungspolitiker aus der Opposition verlangen zudem, das Problem schon früh anzugehen. „Wir müssen die Lehrer darin unterstützen, individuelle Förderung von Schülern zu sichern“, sagte Linken-Bildungsexpertin Birke Bull-Bischoff dieser Zeitung. Margit Stumpp (Grüne) warb für eine „Stärkung der Sprachbildung von Anfang an, also bereits in der Kita“. Oliver Kaczmarek (SPD) kündigte an, sich in Haushaltsberatungen „wieder für das Thema Grundbildung“ stark zu machen.

Tatsächlich geht aus der Leo-Studie hervor, dass ein Schulabschluss diese Grundbildung nicht immer garantiert: So hat jeder Dritte der 6,2 Millionen funktionalen Analphabeten im Land die Schule mit einem hohen oder mittleren Abschluss verlassen. Mathias Puddig

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Erstellt:
8. Mai 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. Mai 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. Mai 2019, 06:00 Uhr

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