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Wasen

Wenn Handys vom Himmel fallen

Was im Volksfestgetümmel verloren geht, landet über die Polizei oder den Sicherheitsdienst im Fundbüro. Mit etwas Glück findet man seine Wertsachen in dem Container bei Rosemarie Güldner wieder.

12.10.2018

Von PATRICK VETTER

Rosemarie Güldner ist die gute Seele des Fundbüros auf dem Cannstatter Wasen. Seit vielen Jahren kümmert sie sich um die gefundenen Gegenstände. Foto: Ferdinando Iannone©

Die Kombination aus Bier und schnellen Fahrgeschäften, in denen man auch mal über Kopf hängt, sorgt auf dem Wasen jedes Jahr dafür, dass etliche Handys, Geldbeutel, Schlüssel, Jacken und vieles mehr verloren gehen. Gerät ein ehrlicher Finder an die verlorenen Wertgegenstände, landen sie bei Rosemarie Güldner im Wasen-Fundbüro. Sie sitzt in einem Container zusammen mit etlichen Taschen und Koffern, die dort zur Aufbewahrung abgegeben werden, und wacht über die gefundenen Schätze.

„Ich mache das schon viele Jahre beim Frühlingsfest und auch jetzt im Herbst“, erzählt die Stuttgarterin. Immer wieder wurden skurrile Fundsachen bei ihr abgegeben. „Einmal wurde ein ganzes Gebiss gefunden, das vermutlich einem Gast der Fahrgeschäfte aus dem Mund gefallen ist“, erinnert sich Güldner. Auch ein Paar Ski war schon mal dabei. Bisher gab es noch keine Überraschungen: Eine Box mit Handys, eine Schachtel mit Geldbeuteln, ein Brett an der Wand mit vielen Schlüsseln, Taschen, Tüten und Jacken und das war es auch schon.

Geldbeutel sind oft schon leer

Nur die wenigsten dieser Dinge werden von den Volksfestbesuchern abgegeben. Das Meiste bringen die Polizei, der Sicherheitsdienst oder die Betreiber der Fahrgeschäfte und der Bierzelte bei Güldner vorbei. „Wenn die Geldbeutel bei mir ankommen, sind sie meistens schon bis auf die Karten leergeräumt“, weiß die Verwalterin der Fundsachen. Von manchen ehrlichen Findern werdeb Name und Anschrift genommen, sodass die Besitzer sich bei ihnen bedanken können.

Alle gefundenen Taschen werden von Güldner einmal durchgeschaut und der Inhalt aufgenommen. Wenn es sich um einen hohen Geldbetrag handle oder um besonders Wertvolles, wird es an die Polizei weitergegeben und dort nochmal genau protokolliert, bevor es zurück ins Wasen-Fundbüro kommt. Wer seine Wertsachen dort wiederbekommen möchte, der muss sich ausweisen können.

Güldner gleicht die Personalien mit denen aus den Geldbeuteln ab oder lässt die Besitzer ihre Smartphones selbst entsperren. Fundstücke, die sich nicht zuordnen lassen, behält sie erst mal bei sich. „Bei Autoschlüsseln bestelle ich eine Streife des Sicherheitsdienstes, die dann mit dem Besitzer zum Auto laufen und prüfen, ob es sich um die richtige Person handelt“, erklärt Güldner.

Alles, was bis zum Ende des Volksfestes bei ihr liegen bleibt, gehe dann an das Stuttgarter Fundbüro und kann dort abgeholt werden. Sechs Monate werden die Fundstücke aufbewahrt und danach versteigert. Oft hat die Frau in dem Fundsachen-Container auf dem Wasen auch mit unzufriedenen Leuten zu tun, die sich aufregen, weil sie bezahlen müssen, um ihren Rucksack zu deponieren oder ihre Wertsachen nicht wiederfinden. „Links rein, rechts raus. Mit sowas muss man umgehen können“, sagt Güldner.

Während sie ihren Job beschreibt, kommt ein weiterer Müllsack voll Fundsachen an. Heraus kommen Kleidungsstücke, ein Beutel und eine Tasche. Auch die Taschen der Kleidungsstücke müssen geleert werden: Tabletten, Geldbeutel, Taschentücher und ein Handy kommen heraus. Güldner nimmt alles zu Protokoll und legt es zu den anderen Fundsachen.

Bis zum Ende des Cannstatter Volksfestes wird ihre Box mit den Handys vermutlich voll sein. Die meisten Displays darin sind nach einem Sturz aus einer Achterbahn oder dem Free-Fall-Tower zersplittert. Ob sie abgeholt werden, weiß sie erst nach dem letzten Wasentag.

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Erstellt:
12. Oktober 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Oktober 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Oktober 2018, 06:00 Uhr

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