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Weniger Pleiten, aber große Risiken
Tiefstand bei Firmeninsolvenzen - Experten: Ziehen die Zinsen an, wendet sich das Blatt

Weniger Pleiten, aber große Risiken

Rekordbeschäftigung, höhere Einkommen und günstige Kredite: 2015 sind so wenige Privatleute und Firmen in die Pleite gerutscht wie seit Jahren nicht. Doch Experten warnen: Die Lage kann schnell kippen.

09.12.2015
  • HARALD SCHMIDT & JÖRG BENDE, BEIDE DPA

Frankfurt. Deutschlands Insolvenzverwalter hatten schon mal mehr zu tun. Dank Rekordbeschäftigung, stabiler Konjunktur und niedriger Zinsen ist 2015 die Zahl der Pleiten klar zurückgegangen. Nur 23 230 Unternehmen mussten den Gang zum Amtsgericht antreten, teilet gestern die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit. Das waren 3,3 Prozent weniger als 2014 und sogar so wenige wie nie seit Einführung der Insolvenzordnung 1999.

Trotzdem müssen Tausende Mitarbeiter um ihren Job und Zehntausende Gläubiger um ihr Geld bangen. Und: Die Talfahrt der Pleiten dürfte an Tempo verlieren, sagt der Wirtschaftsforscher von Creditreform, Michael Bretz, voraus. Er rechnet im nächsten Jahr mit ähnlich vielen Firmeninsolvenzen wie 2015. Hauptgeschäftsführer Volker Ulbricht warnt: Schon kleine Änderungen etwa beim Zinsniveau könnten die Lage verschärfen. Viele Firmen seien finanziell schmal aufgestellt, viele Menschen überschuldet.

Ulbricht schätzt die Bonität von knapp 311 000 Firmen als schwach ein. "Das ist eine bedenkliche Größe. Bezogen auf rund 3,3 Millionen wirtschaftsaktive deutsche Unternehmen sind dies 9,4 Prozent - bei 0,7 Prozent Insolvenzen." Sollte die Konjunktur schwächeln oder die Finanzierung etwa von Investitionen erschwert werden, drohten schnell mehr Firmenpleiten.

Auch die Wirtschaftsauskunftei Bürgel warnte: "Immer mehr Firmen in Deutschland haben finanzielle Probleme." Das gelte vor allem für Betriebe aus dem Gastgewerbe und der Logistik. Jedoch sind Zinserhöhungen vorerst nicht in Sicht. Die Europäische Zentralbank (EZB) wird das Geld noch mindestens bis 2017 billig halten.

Für die 6,7 Mio. Menschen, die ihre Rechnungen schon heute nicht begleichen können, gilt: Wer seinen Job verliert, rutscht oft schnell in die Privatinsolvenz. 2015 ging die Zahl der Verbraucherinsolvenzen aber klar um 8,6 Prozent auf 79 030 auf den niedrigsten Stand seit 2005 zurück. Da am Arbeitsmarkt 2016 noch keine Rückschläge zu erwarten sind, rechnet Bretz vorerst mit einem weiteren Rückgang der Verbraucherinsolvenzen auf etwa 76 500. Tatsächlich sind die Aussichten am Arbeitsmarkt gut, betont die Deutsche Bundesbank in ihrem Konjunkturausblick.

Insgesamt dominieren bei den Firmenpleiten Kleinstinsolvenzen. Vier von fünf Firmen, die 2015 Insolvenz angemeldet haben, hatten höchstens fünf Mitarbeiter. So sank der mögliche Schaden aus Firmenzusammenbrüchen für die Gläubiger von 26,1 Mrd. EUR im Vorjahr auf 19,6 Mrd. EUR. Mit 225 000 Arbeitnehmern müssen auch 14,8 Prozent weniger wegen der Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers einen Jobverlust fürchten.

Die größte Firmenpleite des Jahres gab es im Umfeld des Berliner Pannenflughafens: Der Gebäudeausrüster Imtech - am BER zuständig unter anderem für Elektro-, Sanitär- und Lüftungsarbeiten - meldete Anfang August Insolvenz an. 3500 Arbeitsplätze sind in Gefahr. Die Hamburger Firma war schon 2012 durch Missmanagement in Turbulenzen geraten und wird mit Korruption, überhöhten Forderungen, unerlaubten Absprachen und undurchsichtigen Transaktionen in Verbindung gebracht. Mehrere Staatsanwaltschaften ermitteln.

Auch manches Traditionsunternehmen kränkelte. Der Kettcar-Hersteller Kettler musste ebenso die Notbremse ziehen wie die Modellbahn-Bauer Fleischmann. Von einer ruhmreichen Firmen-Vergangenheit allein lässt sich nur schwer leben - das mussten auch schon die Göppinger Firma Märklin oder der Hersteller der Carrera-Autorennbahnen bitter erfahren.

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09.12.2015, 08:30 Uhr
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