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Verkehr

Weniger Auto wagen

Eine Studie zur Zukunft der Mobilität im Land fordert ein Umdenken bei Industrie, Bürgern und Politik – und übt Kritik an der „Privilegierung des Pkw“.

14.11.2017
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. Um die internationalen Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele zu erreichen, müssen die Landespolitik, die heimische Automobilindustrie und auch die Bürger grundsätzlich umdenken. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren einer vom BUND initiierten und von der Landesstiftung Baden-Württemberg in Auftrag gegebenen Studie. „Bisher gehen die Zeichen im Verkehr alle in die falsche Richtung. Unsere Mobilitätskultur ist alles andere als nachhaltig“, sagte BUND-Landeschefin Brigitte Dahlbender am Montag in Stuttgart bei der Vorstellung des 285 Seiten umfassenden Abschlussberichts „Mobiles Baden-Württemberg“. Nicht nur die Automobilindustrie müsse sich ändern, „es muss sich auch unser Verhalten ändern“, forderte Dahlbender.

Ungewohnte Töne im Autoland

Das heutige Verkehrssystem ist nach Ansicht der Autoren der vom Öko-Institut in Zusammenarbeit mit anderen renommierten Forschungsinstituten erstellten Studie nicht nachhaltig, schon gar nicht in Baden-Württemberg. So sei der Verkehrssektor mit einem Anteil von 32 Prozent der größte CO2-Emittent im Land und deutlich höher als im Bundesschnitt.

Mit Blick auf das Jahr 2050 haben die Wissenschaftler drei Szenarien durchgespielt. Unterm Strich erfüllt allerdings nur eines die untersuchten ökologischen und sozialen Kriterien – vom Nettoflächen- und Endenergieverbrauch bis hin zur Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum. Danach müsste der Rad- und Fußverkehr stark an Bedeutung gewinnen, der öffentliche Verkehr – elektrifiziert und vernetzt – wäre das Maß der Dinge. Dagegen müssten die Autofahrten und der Pkw-Bestand drastisch zurückgehen – letzterer um 30 Prozent bis 2030 und um 85 Prozent bis 2050. Der Umstieg aufs E-Auto allein reicht demnach nicht, um die hohen Umweltziele zu erreichen. „Der Pkw-Besitz spielt nur noch eine geringe Rolle. Es findet eine breite Flächenumwidmung zugunsten von Aufenthaltsqualität und aktiver Mobilität statt“, heißt es in der Beschreibung des Szenarios.

Um die Ziele zu erreichen, seien einerseits Verbesserungen beim Angebot an umweltfreundlichen Mobilitätsformen notwendig, schreiben die Autoren. Hier könne die Landesregierung Einfluss nehmen. Zugleich seien „klare rechtliche Rahmenbedingungen“ notwendig, da könne das Land beim Bund entsprechend Druck machen. So seien „starke Preissignale in Form von Pkw-Maut und Parkraumbewirtschaftung notwendig, um einen Rückgang der Pkw-Verkehrsleistung zu unterstützen“. Und weiter: „Die historisch gewachsene Privilegierung des Pkw ist nicht mehr zeitgemäß.“

Das sind im Autoland Baden-Württemberg, Heimat von Daimler, Porsche, Bosch und Co., ungewohnte und politisch heikle Töne. Als Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) noch vor Beginn seiner ersten Amtszeit den Satz, weniger Autos seien besser als mehr, ausgesprochen hatte, bekam er prompt heftigen Gegenwind von der heimischen Autoindustrie. Seither bemüht er sich um ein gedeihliches Miteinander. Dahlbender forderte, dass die Studie nun nicht in der Schublade verschwinden dürfe. Wiebke Zimmer vom Öko-Institut will sie vielmehr als eine Art „Nachschlagwerk“ für den Strategiedialog der Landesregierung mit der Automobilindustrie verstanden wissen.

Für die Politik ist die Studie schwere Kost. Denn bei dem Szenario, das die ökologischen und sozialen Anforderungen erfüllt, drohen im Gegenzug Arbeitsplatz- und Umsatzverluste in der „Mobilitätswirtschaft“. Seine Sorge sei eher, dass der Südwesten von anderen Ländern überholt werden könnte, „wenn wir jetzt nicht loslegen“, sagte Andreas Schwarz, Grünen-Landtagsfraktionschef. „Das Ziel ist klar: Das E-Auto der Zukunft soll nicht aus China, sondern aus Baden-Württemberg kommen.“ CDU-Fraktionschef Wolfgang Reinhart mahnte, beim Weg hin zu einer nachhaltigen Mobilität mit „Maß und Mitte“ vorzugehen und dabei die 250 000 Arbeitsplätze in der baden-württembergischen Automobilindustrie nicht außer Acht zu lassen.

Der Strukturwandel stelle Baden-Württemberg vor große Herausforderungen, „er bietet aber auch Chancen“, sagte der Geschäftsführer der Landesstiftung, Christoph Dahl. Je erfolgreicher sich heimische Hersteller und Dienstleister auf den künftigen Mobilitätsmarkt vorbereiteten, desto geringer seien die möglichen negativen Folgen.

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14.11.2017, 06:00 Uhr
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