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Streit um den "Koh-i-noor": Südasiaten wollen britisches Kronjuwel zurück

Wem gehört der Diamant?

In der Krone der Queen steckt ein besonders großer Diamant, der legendäre "Koh-i-noor". Die Kolonialherren haben ihn vor mehr als 150 Jahren aus Asien mitgenommen. Jetzt will ihn ein Pakistaner zurückholen.

12.02.2016
  • DOREEN FIEDLER, DPA

Islamabad. Er ist einer der berühmtesten Edelsteine der Welt und unschätzbar wertvoll: der "Koh-i-noor", ein 109 Karat großer Diamant. Seit 1937 sitzt er als zentrales Stück in der Krone der verstorbenen englischen Königin Elizabeth - Queen Mum - und wird als Teil ihrer Kronjuwelen im Tower ausgestellt. Sein Platz in der Krone ist im unteren Maltesischen Kreuz über einem Band, das viele weitere Edelsteine enthält.

Aber das ist nur der kürzeste Teil einer langen Geschichte voller Mogul-Herrscher, orientalischer Prinzen und Kriegsherren. Viel wichtiger sei, dass die Briten den Stein aus Pakistan gestohlen hätten, sagt der pakistanische Künstler und Anwalt, Javed Iqbal Jaffry. Deshalb soll der Stein nun zurück. Jaffry reichte eine Petition beim Höchsten Gericht der Provinz Punjab im ostpakistanischen Lahore ein. Entgegen vieler Erwartungen ließ das Gericht eine Anhörung zu. Titel: "Sayyed Mohammad Jawaid Iqbal Jafree gegen ihre Majestät Königin Elizabeth".

Das Ergebnis von gestern: Die Saga geht weiter. In zwei Wochen gibt es eine neue Anhörung. Dann sollen Pakistans Generalstaatsanwalt und der Generalanwalt der Provinz sagen, ob ein offizielles Verfahren gegen die britische Königin Elizabeth eröffnet werden kann.

Der 77-jährige Javed Iqbal Jaffry - oder Iqbal Geoffrey, wie er in Kunstkatalogen genannt wird - ist einer der schillerndsten Gestalten Pakistans. Er arbeitet als Anwalt ohne Bezahlung und hatte als Künstler Ausstellungen in der ganzen Welt. Seit Jahrzehnten kämpfe er für die Rückkehr des Diamanten, erzählt er. Er liebe England, aber die Rückgabe gestohlener Kunst und Kulturgegenstände sei eine moralische Pflicht.

Der Stein sei dem 14-jährigen Maharadscha Daleep Singh in Lahore, heute in Pakistan, um 1849 von Mitgliedern der britischen Ost-Indischen Handelsgesellschaft weggenommen worden. Die britische Britannica-Enzyklopädie nennt das "erlangt" (acquired). Allerdings, schränkt Geoffrey ein, solle der Diamant erst nach dem Tod von Elizabeth II. aus ihrer Krone entfernt werden. Jedes Mal habe sie auf seine Briefe zum "Koh-i-Noor" geantwortet. "Eine höchste würdevolle und schöne Dame", nennt er sie.

Aber nicht nur Pakistaner wollen den Diamanten, auch eine Gruppe Inder meint: Der Stein gehört uns. Denn der "Koh-i-noor" soll vor vielen Jahrhunderten auf heutigem indischen Boden gefunden worden sein. Wo genau, darüber streiten Historiker. Vielleicht besaßen ihn die Herrscher von Malwa über Generationen, ehe Sultan Ala ud-Din Khalji ihn 1304 wegnahm.

Möglicherweise ging er 1526 an Babur, den Gründer der Mogul-Herrschaft. Auf jeden Fall ging der Stein dann in Delhi durch zahlreiche Hände, ehe er beim Maharadscha von Punjab landete.

Die indische Gruppe, die den Stein per Gerichtsverfahren in London einfordern will, nennt sich "Mountain of Light", also Berg des Lichts. Das ist die Übersetzung des persischen Koh-i-noor. Zu ihnen gehört der Besitzer von Restaurants und Nachtclubs in Goa, David de Souza. "Die Herrschaft der Briten hat die Psyche der Menschen auf dem Subkontinent zerstört und viel Armut hinterlassen", sagt er. Die Regierungen in London, Islamabad und Neu Delhi sollten endlich erkennen, welche Auswirkungen die Kolonialherrschaft habe.

Der Diamant ist tatsächlich nur die glitzernde Spitze eines riesigen Berges an Kultur- und Kunstschätzen, die die Kolonialherren aus dem Subkontinent davonschleppten. Britische Historiker wie Andrew Roberts verweisen gerne darauf, dass dies gerechtfertigt gewesen sei, schließlich habe das Königreich im Gegenzug über Jahrhunderte Südasien modernisiert, entwickelt, beschützt und demokratisiert.

In Indien und Pakistan hingegen wird die Kolonialherrschaft als eine Zeit der Unterdrückung und Ausbeutung wahrgenommen. Der indische Parlamentsabgeordnete Shashi Tharoor sagte bei einer Debatte der Oxford Union im vergangenen Jahr: "Es ist ein bisschen viel, erst 200 Jahre lang zu versklaven, zu töten, zu foltern, zu verstümmeln, und dann die Tatsache zu feiern, dass am Ende Demokratie herauskam." Großbritannien habe Indiens Reichtum abgesaugt, um die industrielle Revolution Europas anzutreiben. Deswegen müsse es endlich Reparationszahlungen tätigen - auch um zu sagen: Es tut uns leid.

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12.02.2016, 08:30 Uhr
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