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Mit Tempo 50 durch den Hütchenparcours

Weltmeisterschaft im Slalom-Skateboarden: Robert Thiele organisiert das Spektakel

Mit Tempo 50 durch den Hütchenparcours: In Stuttgart wird morgen der Weltmeister im Slalom-Skateboarden ermittelt. Der mehrfache Europameister Robert Thiele organisiert das Spektakel.

28.07.2012

Von SWP

Stuttgart Die Slalompunkte sind eng gesteckt. Das Gefälle ist so saftig, dass man auf jeden Fall lieber bergab als bergauf unterwegs sein möchte. Eine Rampe tut ihr Übriges, um die Abfahrt zu beschleunigen. Also rauf auf die Bretter und los. Aber nicht mit Ski oder Snowboard im alpinen Gletschergebiet, sondern auf Skateboards über den harten Asphalt von Stuttgart. Morgen wird hier der Weltmeister im Slalom-Skateboarden gekürt.

Die Slalom-Skateboard-WM findet im jährlichen Wechsel in Europa und Nordamerika statt - in Deutschland gastierte sie noch nie. Der dreifache Europameister und Weltranglisten-Fünfte in dieser Sportart, Robert Thiele, hat die WM nach Stuttgart geholt - nachdem das französische Grenoble als Austragungsort im März kurzfristig abgesagt hatte. "Ich bin sehr froh, meine Sportart endlich einmal in diesem Rahmen hier vorstellen zu können." Thiele hat eigens einen Verein gegründet, um das Sportereignis zu organisieren.

Obwohl der Slalom zur Ursprungs-Disziplin im Skateboarden gehört und mehr als 50 Jahre alt ist, kennt die Sportart kaum jemand. "Wenn uns Leute beim Training zuschauen, bleiben nicht selten die Münder offen", erzählt Thiele. Das liegt vermutlich an der wahnsinnigen Geschwindigkeit, mit der die Sportler auf ihren Skateboards um die orangefarbenen Slalom-Hütchen sausen. Fünf davon schaffen sie in einer Sekunde. Und je nach Gefälle werden sie dabei bis zu 50 Stundenkilometer schnell.

Slalom-Akrobatik im Zeitraffer, ganz ohne Blut und Stürze - das erhoffen sich die Organisatoren. Rund 125 Slalom-Skateboarder aus 16 Ländern starten bei der WM von den Rampen - entweder im direkten Zweier-Vergleich gegeneinander. Oder alleine gegen die Zeit. Seit gestern werden in Ostfildern die Wettkämpfe im eng gesteckten Tight Slalom und beim Mix aus kurzen und weiten Abständen im Hybrid Slalom ausgetragen. Der Gesamt-Weltmeister wird morgen am Bopser in Stuttgart gekürt - in der Königsklasse, dem Giant Slalom, der auf der eigens dafür gesperrten Etzelstraße durchgeführt wird. Auf ihrer Fahrt in den Kessel hinab müssen die Skateboarder in Sekundenschnelle etwa 45 Hindernishütchen umfahren. Zu den Favoriten gehört der deutsche Dominik Kowalski, der als Stuntman für die Fernsehserie "Alarm für Cobra 11" arbeitet. Aber auch Robert Thiele hat gute Chancen, unter die Top Ten zu kommen. Trotz seiner 44 Jahre. "Beim Slalom-Skateboarden gibt es keine Sprünge oder abrupte Bewegungen. Das ist viel gelenkschonender als Skifahren." Und die Kondition des gebürtigen Tschechen, der seit Jahren in Stuttgart lebt, sollte für die etwa 15 Sekunden dauernde Fahrt auch reichen.

Sein erstes Skateboard bekam Thiele im Alter von zehn Jahren. Ein Freund seines Vaters schickte es aus Australien in die damalige Tschechoslowakei. "Zu der Zeit war es einfacher, mit den Russen auf dem Mond zu fliegen, als Ware aus dem Westen zu bekommen", erzählt der heutige Fotograf schmunzelnd. "Also bastelten wir unsere Bretter so gut es ging selber." Sprünge hielten die Boards nicht aus, aber den Slalom, erzählt er. "Vielleicht ist aus dieser Erfahrung heraus der ehemalige Ostblock deshalb auch heute noch so gut in der Slalom-Szene vertreten."

Beim internationalen Slalom-Skaterverband ISSA sind weltweit etwa 2000 Sportler gemeldet. Wenn die Elite der Kurvenroller sich an diesem Wochenende Gefechte liefert, geht es um Ruhm und Ehre, aber nicht um Geld. Die Randsportart hat keine wertvollen Preise zu verteilen. Sogar die Pokale sind selber gebastelt. Dafür soll es aber jede Menge familiärer Atmosphäre, Fair Play und Spaß geben. "Das ist irgendwie olympisch", findet Thiele.

Robert Thiele (44) in seinem Element: Der Stuttgarter erhofft sich bei der Slalom-Skateboard-WM eine gute Platzierung.?Foto: Andreas Hesse

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Erstellt:
28. Juli 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
28. Juli 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. Juli 2012, 12:00 Uhr

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