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Weltmarktführer ziehen Kriminelle an
Sieht Gefahr für die Firmen: Bitkom-Chef Achim Berg. Foto: Jens Kalaene/dpa
Digitale Attacken

Weltmarktführer ziehen Kriminelle an

Sieben von zehn Industrieunternehmen sind schon Opfer geworden.

14.09.2018
  • IGOR STEINLE

Berlin. Cyberattacken auf deutsche Unternehmen sind zum Massenphänomen geworden. Egal, ob die digitalen Angriffe der Sabotage, Datendiebstahl oder Wirtschaftsspionage dienen, für Industrieunternehmen sind Bedrohungen dieser Art inzwischen Alltag geworden.

Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom haben 68 Prozent von 500 befragten Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren digitale Angriffe verzeichnet. Auf 43 Mrd. EUR beziffert sich der Gesamtschaden, errechnete der Verband. „Die deutsche Industrie ist mit ihren Weltmarktführern sehr attraktiv für Kriminelle“, sagte Bitkom-Chef Achim Berg am Donnerstag in Berlin. Verfassungsschutz-Vizepräsident Thomas Haldenwang, der die Studie mitvorstellte, kritisierte zudem, dass in kleineren und mittleren Unternehmen die Gefahr noch unterschätzt werde. „Es muss noch viel mehr geschehen.“

Für viele Experten jedoch ist Haldenwangs Behörde selbst Teil des Problems. Der Inlandsgeheimdienst steht in der Kritik, die IT-Sicherheit zu konterkarieren. Denn Sicherheitsbehörden nutzen selbst Sicherheitslücken, um Kriminelle oder Terrorverdächtige mit eigener Spitzelsoftware zu überwachen. „Es besteht ein Interessenkonflikt“, sagte Linken-Digitalexpertin Anke Domscheit-Berg dieser Zeitung. „Der Staat muss sich dafür einsetzen, dass unsere Sicherheit garantiert wird, der Verfassungsschutz macht genau das nicht.“

Die Linken-Bundestagsfraktion hatte tags zuvor ein eigenes Papier darüber vorgestellt, wie Sicherheit im digitalen Raum hergestellt werden soll. Eine Kernforderung ist die Einführung einer generellen Meldepflicht für Sicherheitslücken. Ihre Nutzung soll komplett verboten werden. In der Wirtschaft sieht man das ähnlich: „Sicherheitslücken offen zu halten ist fahrlässig“, kritisierte Bitkom-Chef Berg. Die Ergebnisse der Studie stützen seine Aussage: 16 Prozent der Angreifer nutzten Schwachstellen in der Software von Industrieunternehmen. 97 Prozent der befragten Unternehmen halten solche Lücken für die größte Bedrohung der kommenden Jahre.

Verfassungsschützer Haldenwang beschwichtigt: Es sei möglich, Sicherheitslücken zu nutzen, ohne die Bürger zu gefährden. Gleichwohl „schlagen zwei Herzen“ in seiner Brust. Igor Steinle

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14.09.2018, 06:00 Uhr
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