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Wengerter sind zufrieden mit der Traubenernte nach dem warmen Sommer

Weinlese: Sonne treibt Süße in den Rebensaft

Die Weinernte im Kreis wird nach diesem Wochenende weitgehend abgeschlossen sein. Der trockene Sommer machte jungen Reben zu schaffen, sonst gab es überall süße Trauben bei ordentlichen Erträgen. Ausnahmsweise darf dieses Jahr sogar nachgesäuert werden.

12.10.2015
  • Mario Beisswenger

Kreis Tübingen. „Das waren richtig tolle Trauben.“ So wie Heinz Giringer, Sprecher der Weinbauern im Kreis, ging es in diesem Herbst wohl allen Amateuren und Profis im Weinberg. Dem warmen Wetter geschuldet gibt es dieses Jahr sogar eine Besonderheit: Es ist erlaubt, Weinsäure dem frisch gepressten Rebensaft zuzusetzen.

„Dieses Jahr durfte man nicht nur die Oechsle-Grade im Auge haben“, sagt Giringer. Die Zuckergehalte waren ohnehin hoch. Anfang September gelesene Trauben der Sorte Solaris, eine moderne pilzwiderstandsfähige Traube mit ohnehin hohen Zuckerwerten, brachten da mehr als 100 Grad auf die Oechsle-Waage.

Bei so viel Zucker kann es sein, dass die Säure fehlt auf dem Weg zu einem harmonischen Wein. Ausreichende Säure hält den frisch gepressten Saft stabil. Christine Müller, die in Unterjesingen ein Weinlabor hat, empfahl, in einigen wenigen Fällen, nach ihren Untersuchungen Weinsäure zuzusetzen. Die offizielle Erlaubnis dazu lag vor. „Zunächst ist das gut für die Gärung“, erklärt Müller. Aber auch beim späteren Wein braucht es eine Balance von Süße und Säure, um einen lebendigen Eindruck zu hinterlassen und nicht schwer am Gaumen zu kleben.

Profi-Winzer Klaus Bisinger aus Wendelsheim kann sich erinnern, dass es im Jahrhundert-Sommer 2003 zum letzten Mal die Erlaubnis zum Nachsäuern gab. „In südlichen Ländern ist das schon lange üblich.“ „Viel Sonne bringt die Säure nach unten“, ist die Kurzformel von Giringer für das Phänomen. Ein noch eher seltenes Problem am oberen Neckartal, wo es standardmäßig erlaubt ist, den Oechsle-Graden vor der Gärung mit Zucker aufzuhelfen.

Auch Bisinger, der am Wochenende noch Spätburgunder, Merlot und Chardonnay erntete, ist sehr zufrieden mit der Qualität. „Von Fäulnis keine Spur, top gesunde Trauben, schön reif.“ Natürlich ließe sich auch an einem Jahr wie 2015 herummäkeln. Es sei schon arg trocken gewesen. Das ginge dann zu Lasten der Menge. Aber klagen will er deshalb nicht. Gesunde Trauben seien ihm wichtiger als ein Spitzenertrag. „Das ist mir lieber.“ Die Einschätzung von Giringer zur Trockenheit: „Ältere Rebbestände konnten damit besser umgehen als junge.“

Der warme Sommer sorgte auch für einen bis 14 Tage früheren Erntestart. So lassen sich jetzt schon die ersten Jungweine probieren, die die erste Gärphase hinter sich haben. Gerade seine Rotweine, für die Giringer schon Auszeichnungen bekommen hat, zeigten eine schöne weiche Struktur. Das macht die Natur in einem warmen Jahr, weil dann weniger von der eher kantig schmeckenden Äpfelsäure im Wein zu finden sei.

Zum guten Ergebnis im Wengert trug auch bei, „dass die Kirschessig-Fruchtfliege dieses Jahr in Urlaub war“, wie Bisinger sagt. Die Kef, wie sie abgekürzt heißt, wurde 2014 zum Schrecken der Wengerter. Die eingeschleppte Verwandte der heimischen Fruchtfliege (siehe auch nebenstehende Infobox), im Fachjargon „Drosophila suzukii“ genannt, bohrt die weichen Weinbeeren zur Eiablage an und zerstört damit die Trauben.

Seit diesem Jahr gibt es ein effektives Spritzmittel dagegen, doch das konnte im Kreis im Schrank bleiben. Das kühle Frühjahr und der knall-heiße Sommer war der Vermehrung der Fliege nicht zuträglich. „Deshalb hat sie sich dramatisch zurückgehalten“, sagt Giringer, der aus dem vergangenen Jahr von Totalausfällen in manchen Weinbergen weiß.

Weinlese: Sonne treibt Süße in den Rebensaft
Weinlese am Weinberg in Wendelsheim: Klaus Bisinger erntet mit Freude – mit Familie und Freunden – die prächtig gediehenen Merlottrauben. Bild: Franke

Die winzige Kirschessig-Fruchtfliege gilt als echte Bedrohung für den Weinbau. Sie vermehrt sich in gesunden, reifen, eher weichen Früchten.

Kirschen befällt sie gerne aber auch Brombeeren, oder später im Jahr, wenn sich der Fliegen-Bestand über mehrere Monate aufgebaut hat, auch konzentriert Trauben.
Ein sehr wirksames Spritzmittel, allerdings für Insekten allgemein sehr giftiges, gibt es seit diesem Jahr. Weil der Wirkstoff aus einem Boden-Bakterium stammt, ist es auch für den Bio-Anbau zugelassen.

Winzer legen aber Wert darauf, möglichst vorbeugend vorzugehen. Deshalb werden Weinberge wohl ihr Aussehen verändern. Ungepflegte Reb-Bestände dürften nicht mehr geduldet werden, sagt Heinz Giringer, Sprecher der hiesigen Weinbauern. Vor allem Brombeer-Hecken rings um die Weinberge müssten abgenäht werden, damit die Fliege sich dort nicht vermehren kann, um später scharenweise über die Trauben herzufallen.

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12.10.2015, 12:00 Uhr
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