Fabians großer Sprung

Spendenaktion: Simone Klein und Eberhard Schreiner vom Rollstuhlsportverein

Die Kinder von Simone Klein und Eberhard Schreiner spielen leidenschaftlich gern Basketball. In der Bundesliga. Und im Rollstuhl. Die Tagblatt-Spendenaktion 2019 unterstützt die Tübinger Rollstuhlbasketballer.

14.12.2019

Von Ulrich Janßen

•Das erste Spiel in der Bundesliga verloren die Basketballer des RSVK im vergangenen Jahr zwar ziemlich deutlich gegen die Mainhattan Skywheelers, doch Spaß hatten sie trotzdem. Was sie sich jetzt wünschen: ein Trainingslager und gute Rollstühle. Archivbild: Markus Ulmer

Zwei Dinge sind es, die ungemein helfen, wenn man ein behindertes Kind hat. Das Erste: Ein Dorf vor der Haustür. Und das zweite: Ein Sportverein.

Beginnen wir mit dem Dorf. Simone Klein und Eberhard Schreiner leben beide in Dörfern. Klein ist in Eckenweiler aufgewachsen, einem 560 Einwohner zählenden Flecken westlich von Rottenburg. Bis heute lebt sie dort, verwaltet die Finanzen der Feuerwehr und engagiert sich im Förderverein „Lebendiges Dorf“. Für sie sei es ein großes Glück gewesen, dass ihr Sohn Fabian, der vor 17 Jahren mit einem sogenannten „offenen Rücken“ (Spina Bifida) zur Welt kam, auch in Eckenweiler aufwachsen konnte.

„Im Kindergarten haben sie ihn jeden Tag 25 Stufen hochgetragen“, sagt Klein. Das ganze Dorf kennt ihren Jungen, er fand schnell Freunde, war viel unterwegs, und sauste schon mit drei Jahren durch die Gassen. „Mit so einem Rollstuhl kommt man ziemlich schnell ziemlich weit“, erinnert sich Klein, „da war es gut, dass die Nachbarschaft Bescheid wusste und ein Auge auf ihn hatte.“ Dass die Jungs im Dorf auch mal rustikal miteinander umgehen, sei kein Nachteil. „Beim Fußball haben sie den Fabi halt ins Tor gestellt und gesagt, entweder der Ball trifft dich, oder er geht rein.“

Eberhard Schreiner ist nicht auf dem Dorf groß geworden, sondern in Tübingen geboren. Doch zog die Liebe ihn nach Wurmlingen. Als Schwabe aus der Seelhausgasse hatte er keine Probleme, sich dort einzuleben. „Wer in den Vereinen mitmacht“, meint er, „der schafft das.“ Auch er fand es gut, dass sein Sohn Tobias, der ebenfalls mit Spina Bifida zur Welt kam und heute 25 Jahre alt ist, in einem Dorf groß werden konnte: „In Wurmlingen kennt man sich.“

Beide Wochengäste sind bodenständige Menschen, die mitten im Leben stehen und kein Mitleid wollen. Dass beide ein behindertes Kind haben, sehen sie nicht als Bürde. Im Gegenteil. Durch den Umgang mit den Kindern hätten sie viel Gelassenheit gelernt. „Dinge, die andere zum Ausflippen bringen, sind für uns gar kein Problem“, sagt Klein. Sie sieht sich „als ganz normale engagierte Mutter“ mit einem Kind, von dessen Behinderung sie meistens gar nicht viel mitbekommt.

Meistens. Manchmal gibt es aber doch Herausforderungen, die andere Mütter nicht haben. Da sind die OPs, die bei gesunden Kindern nicht auf der Tagesordnung stehen. Und man muss auch an gewisse Hygieneartikel denken. „Fabi organisiert sich da eigentlich selbst sehr gut, aber als Mutter hat man halt immer eine Notfallausrüstung mit dabei, das ist wohl der Mutterinstinkt.“

Simone Klein und Eberhard Schreiner vom RSKV Tübingen. Bild: Ulrich Metz

Tobias und Fabian teilen nicht nur ihre Erfahrungen mit Spina Bifida. Sie spielen auch beide Basketball, womit wir beim zweiten großen Segen für Behinderte angekommen sind, dem Sportverein. Etwa 180 Mitglieder hat der Rollstuhlsport- und Kulturverein (RSKV) Tübingen derzeit, er ist seit 1980 eine der wichtigsten Anlaufstationen für alle, die mit einer Behinderung ins Leben zurückwollen. „Bei der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik empfehlen sie allen, die nach einem Unfall gelähmt sind, sich bei uns zu melden.“ Es ist kein Zufall, dass der RSKV in der BG regelmäßig Trainingsstunden anbietet. Skifahren, Schwimmen, Handbike, Tischtennis, sogar Rugby: Das Angebot des Rollstuhlsport-Vereins ist erstaunlich groß.

Besonders stolz ist der Verein auf die Basketballabteilung, deren 1. Mannschaft im Jahr 2018 in die Zweite Bundesliga aufstieg. „Das war ein großer Sprung“, sagt Eberhard Schreiner, der die Abteilung als Fachwart betreut. Bundesliga-Basketball sei für die Sportler sehr fordernd: „Nach dem Aufstieg haben wir erstmal ordentlich was auf die Mütze bekommen.“ In der höheren Liga werde einem nichts geschenkt, alle Spieler „wollen gewinnen“. 15 Spieler gehören zum Kader der ersten Mannschaft, Männer und Frauen, nur elf von ihnen sind behindert und dauerhaft auf einen Rollstuhl angewiesen.

„Im Rollstuhlbasketball können auch gesunde Spieler mitmachen“, erläutert Schreiner, allerdings maximal zwei pro Team. Mit einem Punktekatalog wird genau festgelegt, wie die Behinderung zu gewichten ist: Wer nicht oder wenig behindert ist, belastet seine Mannschaft mit extra Punkten. Von 1 bis 5 geht das Spektrum. Und es sei, versichert Schreiner, „ziemlich gerecht“.

Mit einem normalen Rollstuhl braucht man beim Rollstuhlbasketball gar nicht erst aufzukreuzen. Die Sportgeräte müssen extrem leicht und wendig sein und dürfen vor allem nicht umkippen. Damit sich die Spieler bei schnellen Reaktionen die Finger nicht einklemmen, sind die Räder geneigt. Um die 8000 Euro kostet so ein Rollstuhl, viel Geld für die Familien, das von den Krankenkassen in der Regel nicht ersetzt wird.

Sie wollen mithelfen bei der Tagblatt-Spendenaktion 2019? Wir freuen uns auf Ihre Spende auf das Konto bei der KSK Tübingen mit der IBAN: DE94 6415 0020 0000 1711 11

Um sportlich mithalten zu können, braucht der RSKV Geld. Um die 50.000 Euro. Damit wollen die Basketballer Reparaturen und Rollstühle finanzieren und ein spezielles Trainingslager in einer behindertengerechten Sportstätte. Allein kann der Verein das Geld nicht aufbringen, die Basketballer hoffen deshalb auf die Großzügigkeit der TAGBLATT-Leser/innen.

Für die behinderten Frauen und Männer sei das Spielen unglaublich wichtig, sagt Klein. Sie lernen Selbstständigkeit und erleben im Verein einen großen Zusammenhalt. „Die machen sehr viel gemeinsam“, sagt Klein. Als Fabian 16 Jahre alt wurde, wollte er unbedingt alle Basketballer einladen. Es kamen 30 Leute, das Haus war voll mit Rollstühlen.

Seit seinem 8. Lebensjahr spiele Fabian schon Rollstuhlbasketball. Sport war für den Jungen immer extrem wichtig. „Er hat sich nie krankschreiben lassen für den Schulsport, obwohl es kein Problem gewesen wäre.“

Einmal, bei den Bundesjugendspielen, hätten die Lehrer noch diskutiert, wie Fabian mit seinem Rollstuhl mitmachen könnte, erinnert sich Klein. Währenddessen nahm der Junge Anlauf, sauste auf die Sprunggrube zu, bremste kurz vorher rasant und flog in hohem Bogen in den Sand. „Damit habe ich ja wohl gezeigt, dass ich springen kann“, sagte er trocken zu den Lehrern.

Wenn Sie spenden wollen

Spenden können Sie in diesem Jahr auf das Konto der Kreissparkasse Tübingen (IBAN: DE94 6415 0020 0000 1711 11). Bitte vermerken Sie wenn Sie eine Spendenquittung benötigen und fügen in diesem Fall Ihre vollständige Adresse hinzu. Bei Beträgen bis 200 Euro akzeptiert das Finanzamt einen Kontoauszug. Wollen Sie ein bestimmtes Projekt unterstützen (Projekt 1 „Notfallpsychologe“ oder Projekt 2 „Rollstühle“), bitten wir ebenfalls um einen entsprechenden Vermerk. Wegen der neuen Datenschutzgrundverordnung werden die Namen der Spender/innen in der Zeitung nicht mehr veröffentlicht. Ihre persönlichen Daten verwenden wir entsprechend den Vorgaben von Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO maximal sechs Monate undausschließlich für Zwecke der Spendenaktion.

Eberhard Schreiner

1961 in Tübingen geboren

1977 Mittlere Reife an der Albert Schweizer-Realschule

1983-84 Ausbildung zum Maurer

1984 Fachhochschulreife in Reutlingen

1990 Maurermeister

seit 1993 Bauleiter im Tiefbauamt der Stadt Rottenburg

Eberhard Schreiner ist verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne

Simone Klein

1968 in Horb geboren, aufgewachsen in Eckenweiler

1984 Mittlere Reife

1986-88Ausbildung zur Industriekaffrau

1988-1992 Fa. Brueninghaus Hydraulik, Horb

2000-02 Fa. Applied Materials, Böblingen

2008-10 Fa Lignasol, Ergenzingen

seit 2010 Sachbearbeiterin in der Finanzbuchhaltung bei Curevac, Tübingen

Simone Klein ist verheiratet und hat zwei Kinder

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Erstellt:
14. Dezember 2019, 04:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Dezember 2019, 04:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Dezember 2019, 04:00 Uhr

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