Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Wehe, wenn sie losgelassen
Foto: © smuki/fotolia.com
Stuttgart

Wehe, wenn sie losgelassen

Die Glocke - vielen Stuttgartern mag sie dergestalt bekannt sein, dass sie als in Dunst gegossen über ihrer Stadt hängt. Manche mögen sie allabendlich vom Käse heben, um ihr Brot zu belegen. Und wieder anderen mag die Glocke in Form von Friedrich Schillers Gedicht im Hirne läuten. Und darum geht es: das Läuten.

19.02.2016
  • TOBIAS KNAACK

Genauer gesagt, das Wechselläuten: Mehrere Glocken, meist drei bis zwölf, werden reihum geläutet. Bei jedem Wechsel wird die Reihenfolge so variiert, dass keine Reihe doppelt auftaucht. Das ist eine vor allem im angelsächsischen Sprachraum gehegte Tradition und reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück.

Nun aber soll das Wechselläuten, geht es nach einigen britischen Glöcknern, säkularisiert werden, also ganz weltlich und profan. Es soll - Sport werden. Die Glöckner haben dafür auch eine Palette von Begründungen: Eine Session könne bis zu 5000 Wechsel enthalten und bis zu drei Stunden dauern. Das Ziehen - körperliche Betätigung. Das Zählen - geistige Leistung. Das Zusammenspielen - gemeinschaftliches Erleben. Wechselläuten sei deutlich anstrengender und brauche andauerndere Konzentration als Angeln oder Schach, die als Sport anerkannt sind. Schiller uminterpretiert: Wehe dem Schachspieler, wenn die Glöckner losgelassen.

Doch auch ohne sportliche Frotzeleien zwischen Glockenschwingern und Figurenschiebern: Nach den Vorgaben der Europäischen Sport-Charta ist Sport eine "körperliche Aktivität", die physische wie geistige Fitness sowie die Ausbildung sozialer Beziehungen zum Ziel hat. 1:0 für die sportiv-säkularen Befürworter.

Der Zentralrat der Kirchenglöckner, das höchste nationale Gremium der Glöckner, aber lehnt den Vorstoß ab. Erstes Ziel sei, Glockengeläut als Anzeiger für christliches Gebet und Gottesdienst zu verbreiten. Man wolle nicht die "exzellenten Beziehungen" zu den Kirchen aufs Spiel setzen. Ausgleich, 1:1.

Auch heute noch muss sich der Sport also offenbar religiöser Vorurteile erwehren. Die Entscheidung bleibt abzuwarten. Mit Schillers Glocke gesprochen: "Dem Schicksal leihe sie die Zunge; / Selbst herzlos, ohne Mitgefühl, / Begleite sie mit ihrem Schwunge / Des Lebens wechselvolles Spiel." Ob nun als Sport oder nicht.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

19.02.2016, 08:30 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel
„Ehrenmann“ und „Ehrenfrau Jugendwort aus einer anderen Zeit
Zu geil für diese Welt Im Sog der Eltern
Kommentar zu Angela Merkels Besuch in Chemnitz Mut und Verantwortung

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular