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Wegen des Personalmangels sind die Wartelisten in Kindertagesstätten lang
Dieses Kind hat einen Kitaplatz. Allein in Stuttgart stehen Tausende auf der Warteliste. Foto: Monika Skolimowska/dpa
Glückssache Kitaplatz?

Wegen des Personalmangels sind die Wartelisten in Kindertagesstätten lang

Oft wird auf undurchsichtigen Wegen entschieden, wer den Zuschlag bekommt. Eltern fordern klare Kriterien.

15.02.2018
  • PIA REISER

Der Vater aus Heidelberg ist nicht sehr optimistisch, dass er bis Mai noch einen Kita-Platz für seinen knapp einjährigen Sohn bekommt. Bei drei Kitas steht er seit Sommer auf der Warteliste. Dorothee Spannagel hatte in der besonders umkämpften Stadt Stuttgart Glück: Sie hatte sich bei 50 Einrichtungen beworben, und dann einen Platz für Sohn Jonas in der Betriebskita ihres Mannes bekommen. Eine Mutter aus Ulm spricht ebenfalls von „unglaublichem Glück“, dass sie einen Platz gefunden hat. Das Glück scheint eine große Rolle zu spielen, wenn es darum geht, einen Kitaplatz zu ergattern.

Fakt ist: Trotz Rechtsanspruchs gibt es in manchen Städten im Land zu wenige Kitaplätze. Allein in Stuttgart stehen rund 3000 Kinder unter drei Jahren auf der Warteliste. Immer mehr Eltern wollen ihr Kind schon mit einem oder zwei Jahren in die Kita bringen. Doch es fehlen Erzieher. In Stuttgart etwa konnten wegen unbesetzter Stellen 520 Kitaplätze nicht vergeben werden. Die Landesregierung hat bereits Maßnahmen ergriffen, um mehr Erzieher auszubilden. Aber es sind immer noch zu wenige.

Wunsch nach zentraler Vergabe

Einheitliche oder rechtliche Vorgaben, nach welchen Kriterien die Kitas ihre Plätze vergeben, gibt es im Land nicht. Jede Kommune handhabt die Regeln zur Platzvergabe anders. „Es ist absolut undurchsichtig, wie die Plätze vergeben werden“, kritisiert Markus Kürschner, Vorsitzender des Landeselternrats Kindertagesstätten. Er bemängelt, dass die Elternbeiräte in Kindergärten nicht so institutionalisiert seien wie in Schulen – und somit die Rechte der Eltern und Pflichten der Träger nicht klar festgelegt. „So machen die Kindergärten, was sie wollen.“

In Heidelberg kann jeder der über 40 Kitaträger eigene Kriterien festlegen. Der junge Vater erzählt, dass in einer Kita die Zusammensetzung der Gruppen und das Alter entscheidend sei, bei einer anderen gehe es streng nach Warteliste. „Man kann sich dort sogar auf die Liste setzen lassen kann, wenn man nur plant, schwanger zu werden. Das ist schon befremdlich.“ Er wünscht sich eine zentrale Vergabe der Kitaplätze. Aktuell habe seine Familie keine planerische Sicherheit, es könnte ja jederzeit eine Kita zusagen. Eine zentrale Vergabe gibt es laut Stadt nicht, weil das Wunsch- und Wahlrecht der Eltern berücksichtigt werde.

In manchen Städten wie Ulm oder Sindelfingen haben die Kommunen mit allen Trägern einheitliche und transparente Kriterien vereinbart. Bei den städtischen Kitas in Stuttgart gibt es ein Punktesystem. Entscheidend ist hier etwa, ob die Mutter alleinerziehend ist oder beide Eltern arbeiten. Auch wenn ein Geschwisterkind in der Kita ist, landet man weiter oben auf der Liste. Anders bei den freien Trägern: Die einzige Vorgabe, die das Jugendamt macht: Kinder aus Stuttgart haben Vorrang. Hier müsse man teils richtige Bewerbungen als Eltern schreiben, erzählt Dorothee Spannagel, die Mutter aus Stuttgart. „Da soll man klar machen, wie engagiert man ist und dass der Vater bei der Renovierung helfen und die Mutter bei der PR unterstützen kann“, erzählt sie. Ihrer Meinung nach ein Unding.

Dass viel elterliches Engagement gefordert wird, berichtet auch eine Mutter aus Ulm. „Manche Kitas erwarten, dass man regelmäßig anruft und sich weiter interessiert an dem Platz zeigt“, erzählt sie. Günther Scheffold, bei der Stadt zuständig für Kinderbetreuung, betont, dass der persönliche Kontakt zur Kita wichtig ist. Außerdem seien mehrmalige Interessenbekundungen hilfreich: „Eltern melden sich in mehreren Einrichtungen an, vergessen aber oft die Rückmeldung, wenn sie einen Platz nicht mehr möchten.“

Einheitliche Kriterien landesweit sind schwierig durchzusetzen, sagt Matthias Schneider, Sprecher der Gewerkschaft GEW. „Aber der Knackpunkt ist doch: Die Träger müssen genügend Plätze anbieten und mehr Leute ausbilden. Dann eine solche Diskussion nicht nötig.“

Erzieher braucht das Land

309 000 zusätzliche Kita-Fachkräfte werden in Deutschland bis 2025 gebraucht, das besagt eine Studie des Deutschen Jugendinstituts und der TU Dortmund.

Um mehr Menschen für eine Erzieherausbildung zu gewinnen, gibt es seit einigen Jahren im Südwesten auch eine vergütete, praxisintegrierte Ausbildung, außerdem wurden neue Studiengänge eingerichtet. Als Fachkräfte in Kitas werden inzwischen auch weitere pädagogische Berufe anerkannt (etwa Gesundheitspfleger oder Logopäden), wenn sie eine Nachqualifizierung absolvieren.

Die Gewerkschaft GEW fordert die Kita-Träger auf, den Erzieherberuf attraktiver zu gestalten. Der Schlüssel dafür sei das Gehalt. ⇥rei

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15.02.2018, 06:00 Uhr
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