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Die Unterkünfte waren das Hauptthema des sehr gut besuchten Infoabends über Flüchtlinge

Weg von den gewohnten Standards

Ein geballtes Infopaket rund um Flüchtlinge bekamen die rund 1000 Besucher einer Veranstaltung am Mittwochabend in der Hepper-Halle. Stadtverwaltung, Landkreis und Regierungspräsidium berichteten über bestehende und geplante Unterkünfte, gaben Prognosen und informierten über freiwilliges Engagement.

15.10.2015
  • sabine Lohr

Tübingen. Wohin mit all den vielen Flüchtlingen, die in den vergangenen Monaten in den Landkreis Tübingen kamen und die noch kommen werden? Die Unterkünfte waren das zentrale Thema der InfoVeranstaltung am Mittwoch in der Hermann-Hepper-Turnhalle. Über zwei Stunden lang fütterten die städtische Verwaltungsspitze, die Zuständigen für den Landkreis und der neue Regierungspräsident Jörg Schmidt das Publikum mit Informationen. Am Ende blieb keine Frage offen – nur vereinzelt gingen Besucher ans Mikrofon.

Die wichtigsten Infos im Überblick:

Das Regierungspräsidium ist als Landesbehörde für die so genannte Erstunterbringung zuständig. Dorthin kommen alle Flüchtlinge, sobald sie ankommen. Weil die Landeserstaufnahmestelle in Karlsruhe überlastet ist, wurde unter anderem in Meßstetten eine Außenstelle eingerichtet. Dort werden die Ankommenden untergebracht, registriert und medizinisch behandelt. Außerdem stellen sie dort ihren Asylantrag. Längst ist aber auch diese Außenstelle überlastet. In Ergenzingen wurde deshalb im Juli in einer Gewerbehalle eine Sammelunterkunft eingerichtet. „Dort kommen die Menschen unter und werden versorgt, alles weitere gibt es dort aber nicht“, sagte Regierungspräsident Jörg Schmidt. Neben dem Landratsamt wird bis zum Sommer 2016 eine weitere Aufnahmestelle eingerichtet. Den Zusatz „bedarfsorientiert“ für diese Einrichtung hat das Land inzwischen gestrichen. Dort werden rund 500 Menschen vorläufig leben (weitere Informationen dazu auf der ersten Lokalseite).

Das Landratsamt ist zuständig für den Landkreis, der die Flüchtlinge für die Dauer ihres Verfahrens aufnehmen muss – im Auftrag des Landes, wie Karlheinz Neuscheler sagte. Neuscheler ist im Landratsamt zuständig für diese Aufgabe. Er berichtete, dass die Asyl-Verfahren bisher im Durchschnitt 17 Monate gedauert haben. Künftig sollen sie für bestimmte Gruppen schneller abgewickelt werden – „zum Beispiel für Syrer“. Bei den prognostizierten 800 000 Menschen, die nach Deutschland kommen, würden nach einem Verteilungsschlüssel 2300 dem Landkreis Tübingen zugewisen. Weil sie aber bis zu zwei Jahren in einer Landkreis-Unterkunft leben, „brauchen wir 3000 Plätze“. Zur Zeit bringt der Landkreis Flüchtlinge an 55 Standorten ganz unterschiedlicher Größe unter. Der größte ist die Kreissporthalle, in der Platz für 400 Menschen ist. „Das werden wir vermutlich ausschöpfen müssen“, sagte Neuscheler. In der Sporthalle sollen vor allem die Flüchtlinge untergebracht werden, deren Verfahren keine Aussicht auf Erfolg haben – also all jene, die aus zu sicheren Herkunftsländern erklärten Staaten kommen. Zur Zeit leben 1400 Menschen in den Kreisunterkünften, 1750 Plätze gibt es, weitere 600 werden in Kürze bezugsfertig (dazu gehören auch die Kreissporthalle und die Shedhalle auf dem Schlachthof-Areal, in der 200 Menschen einen Schlafplatz haben werden). „Ich glaube, es ist zu machen, wenn die Zahlen nicht noch weiter steigen“, zeigte sich Neuscheler zuversichtlich. SeinSatz „Wir wollen vermeiden, dass es in Tübingen Zelte gibt“, wurde allerdings eine halbe Stunde später von der Wirklichkeit überholt: Da erfuhr Regierungspräsident Schmidt, dass das Land Zelte auf dem Festplatz aufstellt (siehe erste Lokalseite).

Für alle Flüchtlinge, die hier bleiben dürfen, muss die Stadt für eine Unterkunft sorgen, falls sie selbst es nicht können oder nicht fündig wurden. Baubürgermeister Cord Soehlke sagte, zur Zeit habe die Stadt „Anschlussunterkünfte“ für 175 Menschen. Doch die Zahl derjenigen, um deren Unterkunft sich die Stadt kümmern muss, wird steigen: Oberbürgermeister Boris Palmer rechnet damit, dass nächstes Jahr schon Platz für 1000 Menschen gebraucht wird. Auch die Stadt müsse deshalb auf gewohnte Standards verzichten, sagte Palmer. Dazu gehören etwa die dezentrale Unterbringung, die kleinen Einheiten und auch die Bürgerbeteiligung. Nach einem Aufruf Palmers an Wohnungseigentümer, der Stadt und dem Kreis Wohnungen oder Häuser zu vermieten, kamen 55 Angebote. 19 davon wurden an den Landkreis gegeben (weil sie nicht in Tübingen sind oder als Anschlussunterkunft nicht geeignet sind). Weitere 14 Häuser und Wohnungen hat die Verwaltung inzwischen besichtigt, 17 weitere Eigentümer angeschrieben.

Neu dazu kommt ein Bau der GWG in der Ludwig-Krapf-Straße in Derendingen. Das Haus, in dem rund 60 Menschen leben werden, solle so schnell wie möglich gebaut werden, sei aber nur ein erster Schritt. „Wir brauchen noch mehr Neubauprojekte“, so Soehlke. In der Fragerunde äußerte sich ein Anwohner der Ludwig-Krapf-Straße besorgt über dieses Vorhaben. Derendingen sei mit den dann rund 700 Flüchtlingen in kleinem Umkreis „etwas überfordert“. Palmer sagte dazu: „Ich kann Ihnen das nicht ersparen. Wir müssen unsere städtischen Flächen nutzen – und wir haben nur eine Handvoll davon.“ Das frühere Niveau von 20 bis 30 Flüchtlingen an einem Standort sei angesichts der hohen Zahlen nicht mehr zu halten. „Wir müssen mit den Ängsten umgehen. Aber ich kann auf diesen Standort einfach nicht verzichten. Es tut mir leid.“

Die Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast stellte vor, wie die Verwaltung das Ehrenamt organisiert und bat darum, dass, wer helfen möchte, sich bei der Stadtverwaltung melden soll, damit das Engagement koordiniert werden kann. Die Beauftragte für Gleichstellung und Integration Luzia Köberlein bat dringend darum, Spenden nicht direkt in die Unterkünfte zu bringen. „Dort gibt es weder die personelle noch die räumliche Infrastruktur, um die Spenden zu sortieren und zu verwalten.“ Auf der Homepage www.tuebingen.de/fluechtlinge ist ein kleines Handbuch zum Herunterladen zu finden mit allen Spendenannahmestellen und weiteren Adressen.

In seinem Schlusswort sagte Palmer, er halte es für falsch, dass Flüchtlinge aus den Balkanstaaten, die keine Bleibe-Perspektive haben, überhaupt in die Kommunen gebracht werden. „Es ist sehr unbefriedigend, wenn sich Menschen für diese Flüchtlinge engagieren, die dann aber nach drei Monaten zurückgeschickt werden“, sagte er. Palmer forderte deshalb schnelle Verfahren für Balkanflüchtlinge und sagte: „Wir müssen uns auf die Kriegsflüchtlinge konzentrieren.“

Weg von den gewohnten Standards
Konzentriert hörten die rund 1000 Besucher den Vertretern der Stadt, des Landkreises und des Regierungspräsidiums zu, die zum Thema Flüchtlinge informierten. Bild: Metz

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15.10.2015, 12:00 Uhr
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