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Soziales

Weniger Altersarmut

Verglichen mit anderen Bevölkerungsgruppen sind Senioren seltener auf staatliche Hilfe angewiesen.

05.07.2018

Von DIETER KELLER

Berlin. „Die Angst vor Altersarmut ist völlig überzogen“, versucht Brigitte L. Loose von der Deutschen Rentenversicherung Bund die Befürchtungen vieler Bürger zu zerstreuen. Zwar dürften 2030 mehr Senioren auf Grundsicherung im Alter angewiesen sein als heute, weil ihre Rente nicht reicht. Aber es droht nicht die Explosion, die viele erwarten. Das zeigt eine Untersuchung des Wirtschaftsforschers Bruno Kaltenborn für die Rentenversicherer.

Sein Fazit: „Es gibt keinen Tsunami bei der Altersarmut.“ Sie nimmt zwar zu, aber in Grenzen. 2016 erhielten 525 600 Senioren Grundsicherung, weil ihre eigenen Einkünfte nicht ausreichten. Bis 2030 dürfte die Zahl auf 834 000 bis 1,05 Millionen steigen. Er hält die niedrigere Variante für realistischer. Sie geht von der Annahme aus, dass die Zahl der Bezieher nicht mehr so rasch zunimmt wie in der Vergangenheit.

Verglichen mit anderen Gruppen sind Senioren deutlich seltener auf zusätzliches Geld vom Staat angewiesen. Derzeit bekommen 3,2 Prozent der Frauen und 2,9 Prozent der Männer im Rentenalter Grundsicherung. Dagegen erhalten acht Prozent der Erwerbsfähigen Hartz IV, dessen Höhe der Grundsicherung entspricht. Bis 2030 rechnet Kaltenborn bei den Senioren mit einem Anstieg auf 4,3 bis 5,2 Prozent unter den Frauen und auf 4,4 bis 5,9 Prozent unter den Männern.

Konzept weckt nur Hoffnungen

Das größte Armutsrisiko haben die Senioren, die keinerlei Anspruch auf eine gesetzliche Rente haben, etwa weil sie als kleine Selbständige nie Beiträge gezahlt haben. 2014 erhielten 2,6 Prozent der Rentenbezieher Grundsicherung. Zudem hatten sie häufig nur 200 bis 400 Euro Rente. Nur ein kleiner Teil hat 35 Jahre lang Beiträge gezahlt. Daher bringt die Grundrente wenig, befürchtet der Forschungschef der Deutschen Rentenversicherung Bund, Reinhold Thiede. Diese plant die große Koalition auf Betreiben der SPD, damit Senioren, die lange gearbeitet haben, mehr bekommen als nur die Grundsicherung. Das Konzept weckt Hoffnungen, die enttäuscht werden dürften.

Wer mindestens 35 Beitragsjahre hat, soll nach den Vorstellungen der Koalition zehn Prozent mehr als die Grundsicherung bekommen. Allerdings bleibt wohl der Weg zum Sozialamt nicht erspart. Denn es geht nicht ohne eine Prüfung, ob die Senioren tatsächlich bedürftig sind oder etwa noch über andere Einkommensquellen verfügen. Dazu sehen sich die Rentenversicherer nicht in der Lage.

Zudem hält Thiede die Grundrente für zu kompliziert und aufwändig für die Verwaltung. Er schlägt Freibeträge für zusätzliche Einkommen vor, die auf die Grundrente angerechnet werden. Ob Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auf diese Anregung eingeht, wird sich 2019 zeigen: Dann will er seinen Gesetzentwurf vorstellen. Dieter Keller

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Erstellt:
5. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Juli 2018, 06:00 Uhr

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