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Ausstellung im Technoseum

Wurzeln der medialen Revolution

Das Mannheimer Technoseum zeigt Entwicklungslinien - vom Morsecode über Radio und TV bis zum Internet.

03.07.2018

Von kna

Der Multimedia-Player der 1950er Jahre ist eine Nußbaum-Schrankwand: darin ein Schwarz-Weiß-Fernseher, ein Plattenspieler und ein Nachrichten-Radioempfänger. Selbstverständlich bleibt noch ein Fach für die Hausbar. Ein halbes Jahrhundert später ist der Schrank auf Smartphone-Format geschrumpft. An die Stelle einer Nachrichtensendung pro Tag sind Twitter und Facebook in Echtzeit getreten.

Historische Entwicklungslinien hin zur heutigen, digital-mobilen Informationsgesellschaft zeichnet die neue Ausstellung des baden-württembergischen Landestechnikmuseum in Mannheim nach. "Wir wollen Technik- mit Sozialgeschichte verbinden und fragen, wie Medien und Rundfunk seit dem 19. Jahrhundert die Lebenswirklichkeit der Menschen verändert haben", sagt Museumschef Hartwig Lüdtke.

Und dabei auch die Ambivalenzen aufzeigen. Denn ohne Volksempfänger, dem günstigen Radio für Jedermann, so ein Beispiel der Ausstellung, hätten die Nationalsozialisten niemals so schnell ihre Ideologie unters Volk gebracht.

Ausgangspunkte des in vier "Häuser" gegliederten Ausstellungsbereichs sind jeweils die Endgeräte der Mediennutzer. Der Morseempfänger aus den 1850er Jahren, der zunächst nur Staat und Bahn zur Verfügung stand, aber ab den 1870er Jahren die ganze Welt nachrichtentechnisch zusammenrücken ließ. Das elegant schwarz-glänzende Telefon, mit dem man ab 1881 in Berlin und Mannheim als den ersten Städten Deutschlands fernmündlich sprechen konnte.

Oder die frühen Farbfernseher. Den Startschuss zum bunten Fernsehen in Westdeutschland gab 1967 der damalige Vizekanzler Willy Brandt. Der von ihm symbolisch gedrückte rote Startknopf ist nun in Mannheim ausgestellt. Die meisten Deutschen guckten aber noch lange in die schwarz-weiße Röhre. "Anfangs gab es nur wenige Tausend Buntfernseher", so Ausstellungsmacherin Anke Keller.

Insgesamt präsentiert die Schau rund 700 Exponate. Zahlreiche Radios, Fernseher, Plattenspieler oder Rundfunk-Übertragungstechnik stammen aus den Archiven des Südwestrundfunks (SWR) und des Deutschen Rundfunkarchivs. "Wir können nun den Besuchern erstmals einen Querschnitt dieser Zeugnisse der deutschen Radio- und Fernsehgeschichte präsentieren", so Kuratorin Keller.

In einer Hörstation ist die älteste Tonband-Konzertaufzeichnung der Welt zu bestaunen: der Auftritt der Londoner Philharmoniker 1936 in Ludwigshafen, aufgenommen auf dem weltweit ältesten erhaltenen Tonband, dem Magnetophon K2 von AEG.

Ergänzt werden die klassischen Exponate mit Präsentations-Highech: Per Smartphone-App und "Augmented Reality" können Besucher ins Innere eines Röhrenfernsehers schauen, die Funktion eines Rundfunkempfängers nachvollziehen oder einen Telegrafenarbeiter beim Verlegen von Drähten beobachten. Ein vom Land Baden-Württemberg gefördertes Pilotprojekt zur Digitalisierung von Museen: "Ich bin davon überzeugt, dass uns dies künftig ganz neue Ausstellungsmöglichkeiten eröffnen wird", so Museumsleiter Lüdtke.

Mitmachstationen wollen einladen, selbst in die Rolle des "Fräulein vom Amt" zu schlüpfen und Telefonverbindungen zu vermitteln. Zurück in die 1990er führen Computerspielkonsolen mit Klassikern wie Pacman oder Tetris.

Der chronologische Rundgang endet in der Gegenwart bei Smartphone und Sozialen Medien. Eindrucksvoll ist der Mobiltelefon-Stammbaum von den koffergroßen ersten Autotelefonen über die C-Netz-Knochen bis zu den Design-Modellen der Gegenwart. Ein Container mit Hunderten Althandys verweist auf die ungeklärte Recycling-Frage: In 5.000 Handys, so die Ausstellungsmacher, steckten beispielsweise 120 Gramm Gold oder 43 Kilogramm Kupfer.

Insbesondere für Schulklassen will das Museum Sonderführungen anbieten. "Dabei geht es nicht um den moralischen Zeigefinger, sondern wir laden zum Nachdenken über Mediennutzung ein", so Lüdtke. Etwa darüber, wie Algorithmen die Nachrichten-Auswahl steuern und so die Weltsicht verändern. Oder was es bedeutet, wenn US-Präsident Donald Trump per Twitter Politik macht. Für jeden überall empfangbar. Der 1950er-Jahre-Fernsehschrank hatte noch verschließbare Türen.

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Erstellt:
3. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Juli 2018, 06:00 Uhr

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