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Frankreich

Mbappé verzaubert die Fußballwelt

Der 19 Jahre junge Ausnahmestürmer trumpft im Duell mit den Argentiniern auf, er schießt die Équipe Tricolore ins Viertelfinale und Weltstar Messi aus dem Turnier.

02.07.2018

Von ROLAND ZORN

Zwei Tore, eine Vorlage im Achtelfinale: Kylian Mbappé. Foto: Li Ga/xinhua/dpa

Kasan. Wie ein Generationswechsel an der Spitze des Weltfußballs hat es ausgesehen, und vielleicht war es das auch. In der einen Hälfte des Spielfelds der Kasan-Arena stand Lionel Messi – gramgebeugt, mit krummem Rücken und gesenktem Kopf. Das Standbild eines Stars im Stillstand. In der anderen rannte Kylian Mbappé, der jugendliche Überflieger dieses denkwürdigen Achtelfinalspiels der Weltmeisterschaft in Russland, zum letzten Mal los, um gemeinsam mit den Fans der Équipe Tricolore einen großen französischen Fußballtag nach dem 4:3-Sieg über den WM-Zweiten von 2014 zu feiern.

Vorher hatte der zweifache Torschütze (64./68. Minute) und Wegbereiter des 1:0 durch Griezmann dessen Treffer per Elfmeter (13.) vorbereitet, als er alle Argentinier, die ihm auch nur nahe kommen wollten, bei seinem Sprint im vollen Lauf abgehängt hatte und erst durch Rojos Foul im eigenen Strafraum zu Fall gebracht werden konnte. Es war der Auftakt zu einer Mbappé-Show, die wie ein Wetterleuchten im internationalen Fußball anmutete.

Während Messi, seit Jahren neben dem ebenfalls am Samstag aus dem Turnier katapultierten Portugiesen Cristiano Ronaldo der Star seiner Szene, seine Argentinier nicht vom Schatten ins Licht führen konnte, strahlte der 19 Jahre alte Teenager Mbappé wie der neue Fixstern des Fußballs. So jung und schon so reif, so ungestüm und doch so würdevoll, wie er Messi, noch immer die Koryphäe des FC Barcelona, gleich nach dem Abpfiff umarmte und zu trösten versuchte, so leidenschaftlich und schon so kaltblütig: Auf Kylian Mbappé, in der vorigen Saison für 180 Millionen Euro von der AS Monaco zu Paris Saint-Germain gewechselt, fiel das gleißende Licht des Hauptdarstellers. Lionel Messi aber blieb bei seinem vermutlich letzten, viel zu verzagten Anlauf auf den Weltmeistertitel nur der Part des tragischen Helden.

Es war, als wäre die Bühne Kasan bei dem bisher aufregendsten Duell dieser Weltmeisterschaft auch zur Götterdämmerung für den bisher besten Hauptdarsteller im Mannschaftssport Fußball geworden. Messi schwieg, als auch sein vierter Versuch schief gegangen war, bei einer WM ein Tor in der K.o.-Runde zu schießen und einen Titel für Argentinien zu erobern. Das Wort Rücktritt nahm er noch nicht in den Mund (wie der vor der Entlassung stehende Trainer Jorge Sampaoli). Und schon gar nicht vollzog er ihn unmittelbar nach dem Abpfiff wie seine Mannschaftskameraden Mascherano und Biglia.

Messi sagte nichts, als er allein bei sich und seinen Nachtgedanken war. Dass er noch einmal zwei Tore vorbereitet hatte, das zwischenzeitliche 2:1 durch Mercado (48.) nach Di Marias Ausgleich (41.) und das für eine abermalige Wende zu spät gekommene 3:4 durch Agüero (90.+3) war nur noch eine Randnotiz. Die argentinische Zeitung Olé titelte: „Mbappé hat uns zerbrochen. Messi war nie in Russland.“

In Tatarstan schlug dafür Mbappés große Stunde, der nun wie seine Kollegen das ganz große Ding, die Eroberung des WM-Titels vor Augen hat. Dafür muss erst einmal die nächste Etappe am Freitag in Nischni Nowgorod im Viertelfinalduell mit Uruguay gemeistert werden. Kylian Mbappé, der seine komplette WM-Prämie in einer Höhe von geschätzt 500 000 Euro karitativen Organisationen zur Verfügung gestellt hat, ist viel zu geerdet, um nach seiner ersten Gala im Turnier gleich abzuheben.

Er wird es schon hinbekommen, die in Kasan bemühten Vergleiche mit den großen Brasilianern Ronaldo, zu seiner Hochzeit als Weltmeister 1994 und 2002 der beste Stürmer der Welt, und Pelé, der Ikone des Weltfußballs, richtig einzuordnen. Fakt ist, dass Mbappé wie bisher nur Pelé als Jüngling unter Zwanzig zwei Tore in einem K.o.-Spiel einer Weltmeisterschaft schoss. Was dem großen Alten aus Santos 1958 mit 17 im WM-Finale gegen das Gastgeberland Schweden in doppelter Ausfertigung gelang, glückte im WM-Achtelfinale von Kasan auch Mbappé, der nur am Volltreffer des für den VfB Stuttgart in der Bundesliga spielenden Pavard (57.) zum 2:2 nicht beteiligt war.

In bester Gesellschaft

Pelé twitterte nach dem Spiel, dass Mbappé nun „in bester Gesellschaft“ sei. Der Franzose wies jedoch alle Vergleiche von sich, als er meinte, dass Pelé zu einer „anderen Kategorie“ als er selbst gehöre. Mbappé hat noch alles vor sich: ein goldenes Fußballerleben mit vielen Titeln und Auszeichnungen, wie sie Messi, mit dem FC Barcelona fünfmaliger Champions-League-Gewinner und fünfmaliger Weltfußballer des Jahres, zuteil geworden sind.

Er wird aber anders als sein Landsmann Diego Maradona, der 1986 in Mexiko einmal Weltmeister wurde, im Trikot der Albiceleste als Unvollendeter in Erinnerung bleiben. Mbappé aber könnte, wenn alles gut geht, zuerst Weltmeister werden und später die großen Pokale für die besten Klubs in die Luft stemmen.

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Erstellt:
2. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
2. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 2. Juli 2018, 06:00 Uhr

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