Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

"Schaden trifft uns ins Herz"

Wasser zerstört 10 000 Quadratmeter Fläche im Neubau des Olgahospitals

Kurz vor der Fertigstellung des Stuttgarter Olgahospitals hat ein Wasserschaden die Umzugspläne zunichte gemacht. Der Umzug der Kinder- und Frauenklinik ist auf unbestimmte Zeit verschoben.

27.09.2013

Von SEBASTIAN STEEGMÜLLER

Stuttgart Die Fertigstellung des neuen Olgahospitals und der Frauenklinik stand eigentlich kurz bevor. Bereits für den 26. Oktober war die Eröffnung geplant. Daraus wird jedoch nichts: Ein Wasserschaden hat das Gebäude über sechs Geschosse bis in die Tiefgarage unbenutzbar gemacht. Der für November geplante Umzug der Patienten wurde gestern von Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle abgesagt, einen neuen Termin gibt es bislang nicht.

War es ein menschliches Versagen oder ein Materialfehler? Dieser Frage gehen derzeit Gutachter nach, die das 40 Millimeter dicke Wasserrohr untersuchen. Sicher ist bislang nur, dass die Leitung mehr als zwei Monate mit sechs Bar in Betrieb war und sich plötzlich ein zusammengepresstes Verbindungsstück, auch "Fitting" genannt, am 16. September löste. Über mehrere Stunden flossen tausende Liter Wasser durch die zum Großteil fertiggestellten Räume und zerstörten eine Fläche von rund 10 000 Quadratmetern. "Der Schaden trifft uns ins Herz", sagte Wölfle beim gestrigen Vororttermin. Obwohl sofort Heizlüfter installiert wurden, seien die Arbeiten im Klinikum weit zurückgeworfen worden, fügt Technikbürgermeister Dirk Thürnau hinzu. "Wir waren kurz vor der Fertigstellung, jetzt sind wir auf Rohbau-Niveau. Wann die Kinder- und Frauenklinik in das neue Gebäude umziehen kann, wird sich erst in etwa vier Wochen nach genauer Schadensanalyse sagen lassen."

Betroffen sind bereits fix und fertig möblierte und bezugsbereite Räume der Gynäkologie und wichtige Untersuchungs- und Behandlungsräume der Kinderklinik. Im Bereich HNO, Teilen der intensivmedizinischen Pflege, der pädiatrischen Ambulanz, der Physiotherapie und in betriebswichtigen Räumen für die Herzkatheter-Behandlung und für die Endoskopie ist an eine Inbetriebnahme in diesem Jahr nicht zu denken. Insgesamt stand einschließlich der Tiefgarage knapp ein Zehntel der Gebäudefläche unter Wasser. Um eine Schimmelbildung zu verhindern, müssen feuchte Estrich-Böden komplett entfernt werden, zudem Wände im unteren Bereich ausgetauscht werden. "Eine furchtbare Arbeit", sagt Wölfle. Außerdem können durch Schäden am Brandschutz und durch die Beeinträchtigung von Flucht- und Rettungswegen auch angrenzende unversehrte Räume aus Sicherheitsgründen nicht in Betrieb gehen.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Brandabschottung zwischen der unterirdischen Energiezentrale und den Klinikräumen in Teilen durch das eindringende Wasser zerstört wurde. Nach Stand der aktuellen Analyse ist rund ein Fünftel der Gebäudefläche von den Schäden betroffen. In Mitleidenschaft gezogene gebäudetechnische Anlagen, darunter Aufzugsanlagen und elektrotechnische Einrichtungen, werden aktuell überprüft. "Die Kosten für die Behebung der Schäden lassen sich noch nicht beziffern", sagt Thürnau. "Die Versicherungen sind eingeschaltet und haben den Schaden auch schon begutachtet."

Wölfle äußerte zudem sein "großes Bedauern vor allem für die erwartungsvollen Mitarbeiter und für die Patienten. So kurz vor der Ziellinie ist die Enttäuschung natürlich groß." Durch den Wasserschaden müssen langfristig terminierte Operationen, die im neuen Olgäle angesetzt waren, verschoben und Urlaube und Dienstpläne geändert werden. "Ein großer Aufwand für uns", sagt Klinikumsgeschäftsführer Ralf-Michael Schmitz, da man sich auf den Umzug vorbereitet hat. Jetzt müssen wir im November im alten Gebäude den Betrieb wieder hochfahren. Organisatorisch sei es eine Herkulesaufgabe, aber kein "K.o.-Kriterium. Wir werden es hinbekommen und auch weiterhin die Patienten optimal versorgen können." Beide Bürgermeister versicherten zudem, dass alle Anstrengungen unternommen werden, um so schnell wie möglich den Neubau seiner Bestimmung zu übergeben.

Krankenhausbürgermeister Werner Wölfle (rechts) und Technikbürgermeister Dirk Thürnau machen sich persönlich ein Bild vom Wasserschaden im Olgäle-Neubau. Foto: Sebastian Steegmüller

Ein Arbeiter entfernt mit schwerem Gerät den feuchten Estrich.

Zum Artikel

Erstellt:
27. September 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
27. September 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. September 2013, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+