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Wasser als Kriegsinstrument
Staudamm bei Mossul im Irak: Die Stadt wird vom IS kontrolliert, der Damm nicht. Würde die Miliz ihn erobern, könnte auch er als Waffe eingesetzt werden. Foto: afp
IS-Miliz kontrolliert in ihren Gebieten Quellen und Talsperren - Überflutungen möglich

Wasser als Kriegsinstrument

Laut Völkerrecht ist es verboten, Wasser als strategische Waffe einzusetzen. Doch die Terrormiliz IS schreckt auch davor nicht zurück. Sie hat Quellen und Talsperren unter ihre Kontrolle gebracht.

10.03.2016
  • PAULA KONERSMANN, KNA

Bonn. Hinrichtungen vor laufender Kamera, gesprengte Kulturstätten, blutige Anschläge mitten in Europa: Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) schockiert immer wieder neu. Das gilt nicht nur für medienwirksame Gewalttaten. Weitgehend unbeachtet haben die Terroristen in Syrien und im Irak strategisch bedeutsame Wasserressourcen und weite Teile der Wasser-Infrastruktur unter ihre Kontrolle gebracht. Wissenschaftler sprechen von neuen Standards der Militärtaktik.

Das kostbare Gut wurde immer wieder als Waffe eingesetzt. So ließ Iraks Diktator Saddam Hussein in den 1990er Jahren das Marschland trockenlegen, um die Bevölkerung für einen Aufstand zu bestrafen. "Historisch betrachtet war der Einsatz von Wasser als Waffe jedoch immer die Ultima Ratio", sagt der Nahost-Experte Tobias von Lossow. Seit der Verabschiedung der Genfer Konvention sei diese Waffe sogar fast verschwunden, "oder die Akteure haben sich zumindest nicht mit ihrem Einsatz gebrüstet".

Nun erfahre die systematische Instrumentalisierung von Wasser eine Renaissance, so der Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik. Der Kampf ums Wasser sei eines von vielen Beispielen für die Enthemmung in den Nahost-Konflikten. Von Lossow zieht drastische Vergleiche: Das Ausmaß an Brutalität, mit der der IS vorgehe, erinnere an den Völkermord in Ruanda. Wer Wasser kontrolliere, könne eine dramatische Drohkulisse aufrecht erhalten, "ähnlich der Wirkungslogik einer Atombombe".

Schon Mitte vergangenen Jahres warnte etwa das Deutsche Institut für Entwicklungspolitik, dass alle Parteien im syrischen Bürgerkrieg Wasser und Strom strategisch einsetzten. Am systematischsten gehe der IS vor, sagt von Lossow. So befinden sich mehrere Talsperren in der Hand der Terroristen, darunter die bei Falludscha, Samarra und Ramadi. Zeitweise haben sie bereits einzelne Städte von der Strom- und Wasserversorgung abgeschnitten oder aber mit gezielten Überflutungen ganze Ernte- und Nutztierbestände vernichtet.

Greifbar wird die Bedrohung auch für Europa, wenn der Politikwissenschaftler über eine weitere Möglichkeit spricht, Wasser als Waffe einzusetzen: durch Verunreinigung oder Vergiftung. Aus mehreren Orten in Nahost gab es bereits Berichte über vergiftetes Trinkwasser, und der IS hält seine Anhänger dazu an, dem Beispiel andernorts zu folgen. Ein Anschlag auf die Wasserversorgung der kosovarischen Hauptstadt Pristina konnte im vergangenen Sommer nur knapp verhindert werden.

Im Nahen Osten selbst befinde sich der IS allerdings in einem Zielkonflikt, erklärt von Lossow. Die Organisation will ein Kalifat errichten, ist also "an einer Übernahme von Staatsfunktionen und somit an einer nachhaltigen Nutzung der Ressourcen interessiert." Tatsächlich lasse der IS inzwischen auch Leitungen instandsetzen, Wasserspeicher anlegen und Brunnen bohren. Dies macht deutlich, dass der IS sich einerseits als terroristische Vereinigung versteht, aber eben auch als "Quasi-Staat".

Der Einsatz von Wasser als Waffe verstößt gegen das Völkerrecht. Dennoch können die Vereinten Nationen nach Einschätzung von Lossows nicht viel tun: "Die Ächtung durch die Staatengemeinschaft, Appelle oder Sanktionen greifen nicht." Einzig militärisches Eingreifen habe bislang Wirkung gezeigt - berge aber auch eine entscheidende Gefahr: "Das Risiko, dass der IS Wasser als Massenvernichtungswaffe einsetzt, steigt, wenn er militärisch zurückgedrängt wird."

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10.03.2016, 08:30 Uhr
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