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Nachtleben

Washington dreht auf

In der US-Hauptstadt wurden lange Zeit früh die Bordsteine hochgeklappt. Doch das hat sich geändert: Beamte und Lobbyisten lassen es gerne krachen.

28.07.2018
  • PETER DETHIER

Washington. In der US-Hauptstadt Washington D. C. feiert das Nachtleben ein eindrucksvolles Comeback. Dass neue Kneipen, Klubs, Dachterrassen und so genannte Flüsterstuben wie Pilze aus dem Boden schießen, liegt an dem Nachrücken einer Generation zahlungskräftiger Millennials. Sie suchen abends einen Ausgleich für den eher trockenen Arbeitstag als Beamter, Lobbyist oder Stabsmitarbeiter eines Kongressabgeordneten. Sie haben dem Nightlife der US-Hauptstadt mittlerweile ihren Stempel aufgedrückt.

Als Hochburg des Nachtlebens galt die eher zugeknöpfte Beamtenstadt noch nie. Nun aber ist der District, wie Washingtonians ihre Wahlheimat nennen, auf dem Wege, Anschluss zu finden an Partymetropolen wie New York, Miami und Los Angeles. So ist in der US-Hauptstadt unter anderem die Echostage zu Hause, die von einer Fachzeitschrift zur besten Konzerthalle für EDM (Electronic Dance Music) Amerikas gekürt wurde.

Auch gehören Zeiten, in denen die Bürgersteige um 22 Uhr hochgeklappt wurden, der Vergangenheit an. Sogenannte Happy Hours, bei denen alkoholische Getränke und Imbisse verbilligt angeboten werden, beginnen teilweise schon um 15 Uhr, und viele Kneipen bleiben selbst während der Woche bis tief in die Nacht geöffnet.

Die Auswahl haben feierlustige Nachtschwärmer unter hunderten von Klubs und Bars, die sich von eher traditionsreichen Stadtteilen wie Georgetown und dem angesagten Künstlerviertel Adams Morgan bis zum immer beliebter werdenden U-Street Korridor erstrecken.

An der U-Straße im nordwestlichen Teil der Stadt, die in Rechtecken mit Buchstaben und Zahlennamen angelegt wurde, lebten über Generationen ärmere Afro-Amerikaner in größtenteils heruntergekommenen Reihenhäusern. Wie auch andere, neue und chice Bezirke wurde die U-Street-Nachbarschaft während der vergangenen 15 Jahre aber zum Gegenstand so genannter Gentrifizierung. Gemeint ist damit die Veredelung von Wohngegenden durch den Abriss alter Gebäude und den Bau moderner, neuer Wohnungen, Kneipen und Restaurants.

Zu den Markenzeichen zählen dort In-Kneipen wie The Fainting Goat, wo neben kreativen Cocktails ebenso einfallsreiche Imbisse und Gerichte serviert werden, die dem Fitness- und Gesundheitsbewusstsein der jungen Generation von Washingtonern Rechnung tragen. Selbst an Wochentagen tun sich Gäste schwer, in dem wenige Schritte entfernten Cloak and Dagger, einer Kombination aus Bar und Tanzklub im viktorianischen Stil, einen Tisch zu bekommen. „Gut die Hälfte der Leute müssen wir wieder wegschicken“, sagt Darryl, ein Kellner und früherer Türsteher. „Den jungen Leuten sitzt das Geld locker in der Tasche, und selbst an einem Dienstag oder Mittwoch lassen sie hier bis nach zwei Uhr morgens die Sau raus.“

Ebenso beliebt ist die Lounge of Three, ein Kombination aus Kneipe, Hip-Hop-Lokal und Lounge, die sich auf zwei Etagen verteilt. Lounge of Three und Jojo sind für Julia, eine aus Odessa nach Washington übergesiedelte Kosmetologin, die Top-Adressen. An diesem lauen aber schwülen Sommerabend schlürft die adrette Ukrainerin auf der Terrasse einen Cosmopolitan, ehe sie und ihre Freundinnen via Uber den Kneipenbummel durch Washington beginnen. „Ich gehe am liebsten dort hin, wo es live Musik gibt und getanzt wird“, sagt die 28-Jährige, die in ihrer Heimat eine preisgekrönte Hip-Hop-Tänzerin war.

Der Zustrom gut verdienender Millennials bedeutet aber keineswegs, dass Baby-Boomer oder Vertreter der Generation X in der US-Hauptstadt nicht auch auf ihre Kosten kommen. Während Gäste in den Fünfzigern an der U-Street eher die Ausnahme sind, ist das Publikum in Georgetown und Adams Morgan durchwachsen. Gerade im Sommer zählen in der Altstadt von Georgetown die Dachterrassen The Observatory, die Rooftop Bar and Lounge oder The Rosewood mit ihren atemberaubenden Panorama-Blicken zu den beliebtesten Adressen für alle – von Yuppies in den Zwanzigern bis hin zu Oldtimern.

Relikt der Prohibition

Auf ein breites Spektrum an Altersgruppen stößt man auch in den so genannten Speak-Easy-Bars, die sich immer größeren Zuspruchs erfreuen. Die Flüsterkneipen sind ein Relikt aus der Ära der Prohibition, als von 1919 bis 1933 der Verkauf von Alkohol in den USA verboten war. Die Flüsterstuben von heute gelten als Geheimtipps und sind mit unscheinbaren Eingängen häufig in den Kellern von Restaurants oder Hotels untergebracht. Deren Renaissance wurzelte in dem Wunsch vieler Nachtschwärmer, sich mit einem Partner oder mit Freunden ohne musikalische Ablenkung oder laute Geräuschkulisse in eine diskrete, schummerig beleuchtete Kneipe zurückziehen zu können

Zu den beliebtesten Adressen zählen The Gibson, Harold Black und Dram and Grain – allesamt urige Kneipen mit legerer Atmosphäre und nostalgischem Ambiente. Bis drei Uhr morgens werden originelle Cocktails und exotische Biere serviert, deren Preise die zahlenden Gäste auch erkennen lassen, dass sie ein gefragtes Lokal frequentieren. „Die Kneipe ist so romantisch, dass ich bei Harold Black kniete und meiner Freundin einen Heiratsantrag machte“, erinnert sich der Rechtsanwalt Michael. So romantisch sogar, dass er vor wenigen Wochen mit seiner nunmehrigen Gattin in den Speak-Easy zurückkehrte, um den ersten Hochzeitstag zu feiern.

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28.07.2018, 06:00 Uhr
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