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Ein Polster mit Problemen

Was tun mit dem Resturlaub?

Arbeitnehmer sollten frühzeitig mit ihrem Chef reden, wenn sie noch freie Tage ins kommende Jahr mitnehmen wollen.

13.11.2017
  • CAROLINE STRANG (mit dpa)

Stuttgart.. Manche horten ihre Urlaubstage absichtlich, andere können sie gar nicht nehmen: Resturlaub ist beruhigend, kann aber Probleme mit sich bringen.

Was ist Resturlaub? Der Begriff Resturlaub umfasst alle Urlaubstage, die am Endes eines Jahres nicht genommen wurden. Prinzipiell dürfen die übrigen Tage nur eine Ausnahme sein, denn der Urlaub muss im laufenden Jahr genommen werden. Ausnahmefälle können nach Paragraph 7 Abs. 3 des Bundesurlaubsgesetzes (BUrlG) sein, wenn „[…] dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen“. Alternative Regelungen können in Tarifverträgen festgelegt sein.

Wann kann er geltend gemacht werden? Persönliche Gründe für nicht genommenen Urlaub können etwa Krankheit oder der Mutterschutz sein, sagt Hans-Georg Meier, Fachanwalt für Arbeitsrecht. „Es reichen aber auch schon weniger harte Fälle“, sagt Meier. Etwa, wenn der Partner erst Anfang des kommenden Jahres Zeit für eine Reise hat. Betriebliche Gründe, warum ein Urlaub nicht genommen werden kann, macht in der Regel der Arbeitgeber geltend. Lehnt der Arbeitgeber den Urlaub gegen den Willen eines Mitarbeiters ab, braucht er dringende betriebliche Gründe. „Das muss dann schon ein echter Notfall sein“, sagt Meier. Reguläre Produktionsengpässe reichen da noch nicht als Grund.

Bis wann ist er zu nehmen? Resturlaub ist laut Gesetz in den ersten drei Monaten des Folgejahres abzufeiern. Danach erlischt die Pflicht des Arbeitgebers, diesen zu gewähren. Aber es gibt Ausnahmen wie lange Krankheit.

Wie sollte ein Arbeitnehmer handeln, der jetzt noch Resturlaub hat? „Wichtig ist es, jetzt mit dem Arbeitgeber zu sprechen und verbindlich gemeinsam zu regeln, wann der restliche Urlaub genommen werden kann“, sagt Andreas Henke, Pressesprecher des Verdi-Landesbezirks Baden-Württemberg. Es komme recht oft zu Konflikten bei diesem Thema. Die IG Metall rät, beim Thema Resturlaub die Pläne mit Kollegen und Vorgesetzten abzustimmen. „Nicht selten gibt es Konflikte, wenn Beschäftigte mit Kindern an die Ferien oder an den Urlaub des Partners gebunden sind.“ Für den Betriebsfrieden und ein kollegiales Verhältnis sei es wichtig, dass bei widerstreitenden Interessen ein Kompromiss gefunden werde.

Welche Probleme entstehen für Arbeitgeber? Für nicht genommene Urlaubstage müssen Rückstellungen gebildet werden, um die Arbeitnehmer im Falle eines Falles auszubezahlen – Geld, das auf Eis liegt und nicht für andere Ausgaben zur Verfügung steht. Rückstellungen schmälern den zu versteuernden Gewinn eines Unternehmens. Das bringe erheblichen personellen Aufwand in der Buchhaltung mit sich, sagt ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. Daneben könnten sich Probleme im betrieblichen Ablauf ergeben, wenn zahlreiche Beschäftigte kurz vor Ablauf des Stichtags Urlaubsansprüche anmelden.

Wie läuft das in den Unternehmen? Beim Elektrokonzern Siemens etwa wird auf gute Organisation gesetzt. Hier läuft die Urlaubsplanung für das kommende Jahr schon auf Hochtouren. Die Mitarbeiter würden dabei angehalten, ihren Urlaub möglichst komplett im laufenden Jahr zu nehmen – schließlich sei es auch im Interesse des Unternehmens, dass sich die Beschäftigten erholen, sagt ein Siemens-Sprecher. Potenzielle Rückstellungen sind dabei aber auch ein Thema: Denn wenn ein nennenswerter Anteil der rund 114.000 Siemens-Beschäftigten in Deutschland seinen Urlaub im laufenden Jahr nicht nimmt, können schnell Millionenbeträge dafür fällig werden.

Daimler in Stuttgart verweist auf das Bundesarbeitsgesetz, das selbstverständlich auch für die Beschäftigen bei Daimler gelte und eingehalten werde.

Wie groß ist das Konfliktpotenzial? Wirklich vor Gericht landet der Urlaubszwist selten, sagt Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht. Oft hätten Chefs und Mitarbeiter wohl Hemmungen, sich deshalb so richtig miteinander anzulegen, weil sich dadurch das Vertrauensverhältnis nicht gerade verbessert. Wenn die Arbeitsrichter bemüht werden, geht es oft um mehr – vor allem natürlich um Kündigungen, heißt es auch bei Personalern. Tendenziell schöben die Beschäftigten in konjunkturell guten Zeiten wie momentan deutlich mehr Resturlaub vor sich her, als wenn die Geschäfte schleppender laufen, sagt Eckert.

Wünsche rechtzeitig äußern und koordinieren

Bei kollidierenden Urlaubswünschen mehrerer Mitarbeiter hat der Arbeitgeber soziale Belange zu berücksichtigen – dazu gehören Schulferien von Kindern und die Urlaubsmöglichkeiten der jeweiligen Partner. In vielen Betrieben werden die Urlaubswünsche der Beschäftigten langfristig zu Jahresbeginn koordiniert.⇥cast

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13.11.2017, 06:00 Uhr
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