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Was steckt hinter der Einigung im Tarifstreit zwischen Arbeitgebern und IG Metall?
Sie zeigten sich mit dem Tarifabschluss zufrieden: IG-Metall-Chef Jörg Hofmann (li), der IG-Metall-Landeschef Roman Zitzelsberger, Südwestmetall-Vorsitzender Stefan Wolf und Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger. Foto: Marijan Murat/dpa
Der Pakt der Metaller

Was steckt hinter der Einigung im Tarifstreit zwischen Arbeitgebern und IG Metall?

Nach langem Streit haben sich Arbeitgeber und IG Metall auf deutliche Lohnerhöhungen und mehr Flexibilität bei der Arbeitszeit geeinigt. Beide feiern eine zukunftsträchtige Lösung.

07.02.2018
  • DIETER KELLER

Berlin. Am Ende klangen IG Metall und Arbeitgeber erstaunlich ähnlich: Gewerkschaftschef Jörg Hofmann feierte einen „Meilenstein auf dem Weg zu einer modernen, selbstbestimmten Arbeitswelt“. Rainer Dulger, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, sprach von einem „Grundstein für ein flexibles Arbeitszeitsystem für das 21. Jahrhundert“. Nach über 13 Verhandlungsstunden hatten sich die Tarifpartner in Stuttgart in der 6. Runde auf einen Pilotabschluss für die 3,8 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie geeinigt. Allerdings arbeitet nur etwa die Hälfte in tarifgebundenen Betrieben.

Dass es teuer werden würde, war Dulger von vornherein klar – dazu geht es der Branche zu gut, allen voran Auto- und Maschinenbauern. Gefordert hatte die IG Metall sechs Prozent, letztlich bekam sie in Baden-Württemberg rund 7,7 Prozent, in anderen Tarifgebieten etwas weniger. Allerdings nicht für nur ein Jahr, sondern für 27 Monate Laufzeit. Diese lange Strecke bringt den Arbeitgebern Planungssicherheit. Die IG Metall hat den Vorteil, dass sie erst wieder nach ihrem nächsten Gewerkschaftstag verhandeln muss, bei dem Hofmann im Herbst 2019 erneut für den Vorsitz kandidieren dürfte.

Hauptstreitpunkt war eine verstärkte Flexibilisierung der Arbeitszeit: Die IG Metall wollte nicht nur die Möglichkeit für alle Arbeitnehmer, die Wochenarbeitszeit auf bis zu 28 Stunden zu senken, sondern auch einen teilweisen Lohnausgleich für Eltern, Pflegende und Schichtarbeiter. Beim ersten Punkt gebe es längst vielfältige Lösungen in den Betrieben, verwiesen die Arbeitgeber auf Umfragen. Allerdings wollten sie keinesfalls „Stilllegungsprämien für Facharbeiter“ mitmachen. Zumal laut ihrer Umfrage die Mitarbeiter nicht Vorteile nur für eine bestimmte Gruppe finanzieren wollten.

Tatsächlich fließt jetzt kein Geld. Eltern, Pflegende und Schichtarbeiter bekommen aber die Möglichkeit, statt eines Zuschlags zum Urlaubsgeld ab 2019 acht zusätzliche Urlaubstage zu nehmen. Das sind zwei Tage mehr, als dem Geldbetrag entsprächen. Damit habe man das Veto der Arbeitgeber durchbrochen, versuchte Hofmann den Rückzieher zu rechtfertigen. Dieses Modell kann attraktiv sein: Umfragen ergaben schon 2017, dass die Hälfte der Arbeitnehmer lieber mehr Urlaubstage will als Geld.

Wäre dieser Abschluss nicht schon vor zehn Tagen möglich gewesen, also vor den 24-Stunden-Streiks, die hohe Umsatzausfälle verursachten? Dulger hat den Verdacht, dass die IG Metall unbedingt dieses neue Arbeitskampfmittel erproben wollte. Hofmann meint, damals habe noch kein so hohes Angebot auf dem Tisch gelegen.

Das sieht der Tarifabschluss im Detail vor

Ziemlich kompliziert ist der Tarifvertrag, auf den sich die Metall-Tarifpartner in Baden-Württemberg geeinigt haben. Die wichtigsten Punkte:

Löhne 2018: Ab April steigen sie um 4,3 Prozent. Für Januar bis März gibt es 100 Euro Einmalzahlung (Azubis 70 Euro).

Löhne 2019: Das Urlaubsgeld wird dauerhaft von 69 auf 93,5 Prozent des Monatsentgelts erhöht. Es wird im Juli gezahlt. Hinzu kommt ein Festbetrag von 400 Euro. Dieser variiert allerdings je nach Entgeltgruppe und Tarifbezirk. Den Festbetrag gibt es auch in späteren Jahren; bei Tariferhöhungen steigt er. Betriebe, denen es schlecht geht, können ihn nach Verhandlungen mit dem Betriebsrat verschieben, reduzieren oder ganz streichen.

Löhne 2020: Der Tarifvertrag läuft 27 Monate bis Ende März 2020. In den ersten drei Monaten gibt es keine Tariferhöhung.

Besonders belastete Gruppen: Beschäftigte mit Kindern bis 8 Jahren und zu pflegenden Angehörigen sowie Schichtarbeiter können sich ab 2019 statt des Zuschlags zum Urlaubsgeld für 8 zusätzliche freie Tage pro Jahr entscheiden. Das gilt auch, wenn sie weiter in Vollzeit arbeiten.

Verkürzte Vollzeit: Alle Vollzeitbeschäftigten, die mindestens zwei Jahre im Betrieb sind, können ihre Arbeitszeit ab 2019 für mindestens 6 und maximal 24 Monate von 35 Stunden auf bis zu 28 Stunden senken. Danach haben sie das Recht zurückzukehren. In dieser Zeit bekommen sie entsprechend weniger Lohn. Eine Wiederholung ist möglich. Der Betrieb kann die Inanspruchnahme ablehnen, wenn dies mehr als 10 Prozent der Beschäftigten nutzen oder wenn Schlüsselqualifikationen verloren gehen.

Arbeitsvolumen: Weiter darf für bis zu 18 Prozent der Beschäftigten die 40-Stunden-Woche vereinbart werden. Bei Fachkräftemangel kann dies per Betriebsvereinbarung auf 30 Prozent erhöht werden, bei „Technologiebetrieben“ auf 50 Prozent. ⇥dik

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07.02.2018, 06:00 Uhr
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