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Konstanz

Was bringt der Klimanotstand?

Vor zwei Monaten hat Konstanz sich entschieden, mehr für den Schutz der Atmosphäre zu tun. Andere Städte setzen sich dafür auch ein, aber sie gehen anders vor.

03.07.2019

Von PETRA WALHEIM

Dieses Spektakel am nächtlichen Himmel über dem Bodensee soll es in diesem Jahr beim Seenachtfest in Konstanz nicht mehr geben. Die Stadt hat den Klimanotstand ausgerufen und überlegt, das Feuerwerk zu reduzieren oder ganz zu streichen. Foto: Felix Kästle/dpa

Konstanz. Konstanz geht in Sachen Klimanotstand im Land voran. Aber kaum eine andere Stadt folgt ihr. Nur Heidelberg hat wenige Tage nach dem Gemeinderatsbeschluss am Bodensee ebenfalls den Klimanotstand ausgerufen. Die Städte wollen damit deutlich machen, dass sie ihre Anstrengungen im Klimaschutz intensivieren.

Freiburg, das im Land als die „Green City“ gilt, winkt dagegen ab. „Wir müssen den Klimanotstand nicht ausrufen. Wir arbeiten seit 25 Jahren kontinuierlich am Klimaschutz“, sagt Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik. Ähnlich wird das Thema in Mannheim und Schwäbisch Gmünd gesehen. Im Ostalbkreis hat der Gemeinderat den Klimanotstand erst vor kurzem abgelehnt.

Der heiße und trockene Sommer 2018 hat vielen zu denken gegeben. Doch erst die Schulstreiks „Fridays for Future“ für den Klimaschutz, von der Schwedin Greta Thunberg ausgelöst, brachten die nötige öffentliche Aufmerksamkeit. Bundesweit folgten immer mehr Schüler dem Aufruf der Klimaschutzaktivistin, freitags statt in die Schule auf die Straße zu gehen und für mehr Klimaschutz zu demonstrieren.

Die Konstanzer Fridays-for-Future-Bewegung war es, die am Bodensee den Stein ins Rollen brachte. Vertreterinnen und Vertreter der Bewegung forderten den Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt (CDU) auf, in der Stadt mehr für den Klimaschutz zu tun. Die Vorlage für den Gemeinderat wurde am 2. Mai einstimmig angenommen. Darin steht, dass künftig alle Entscheidungen des Gremiums auf deren Auswirkungen auf das Klima hin abgeklopft werden müssen.

Ziele sind unter anderen eine klimaneutrale Energieversorgung von Neubauten, ein Mobiliäts-Management für die Gesamtstadt sowie ein Energie-Management für städtische Gebäude. Um die konkrete Umsetzung voran zu bringen, will die Stadt einen Energie- und einen Mobilitäts-Manager einstellen.

Wie ein Paukenschlag wirkte die Ankündigung des OB, beim Seenachtfest das beliebte Feuerwerk zu reduzieren oder ganz darauf zu verzichten. Zugunsten des Klimas. Auch wird das ganze Seenachtfest hinterfragt, weil es jedes Jahr tausende Besucher auch aus der weiteren Umgebung anlockt.

In Freiburg wird mit Interesse verfolgt, was sich am See beim Klimaschutz tut. Folgen möchte die „Green City“ dem Beispiel nicht. „Wir haben das Thema immer auf dem Schirm“, sagt Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik. Die Ziele für den Klimaschutz seien verschärft, die Mittel dafür erhöht worden. Sechs Millionen Euro stellt Freiburg pro Jahr für den Klimaschutz zur Verfügung. „Das ist in einer Stadt mit 220 000 Einwohnern ein ordentlicher Batzen.“ „Wir handeln – und das mit Erfolg.“ So seien seit 1992 pro Einwohner 37 Prozent CO2 eingespart worden. Die Ansatzpunkte sind die gleichen wie in Konstanz. „Wo wir noch viel mehr machen müssen, ist im Bereich Mobilität“, sagt Gerda Stuchlik. Bürger sollen Unterstützung erhalten, wenn sie ihren Lebensstil in der Ernährung und in der Mobilität zugunsten des Klimas ändern. Ihr Appell richtet sich aber auch an die Bundesregierung: Zwei Drittel des CO2-Ausstoßes seien für Kommunen nicht beeinflussbar. Da müsse die Politik handeln.

Der Gemeinderat von Schwäbisch Gmünd hat den Klimanotstand vor einer Woche mit deutlicher Mehrheit abgelehnt. Die Fraktion Die Linke hatte den Antrag gestellt. Ohne Erfolg. Auch in Ulm wird es keinen Klimanotstand geben. In Mannheim wird über den Antrag der Grünen noch diskutiert.

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Erstellt:
3. Juli 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
3. Juli 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. Juli 2019, 06:00 Uhr

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