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Hat Jesus den Osterhasen beauftragt?

Was Tübinger Kinder über das heutige Osterfest wissen

Was macht der Osterhase, wenn gerade nicht Ostern ist? Was feiern wir heute eigentlich? Was wissen Kinder über Ostern? Wir wissen es jetzt, denn wir sprachen mit Carla Wittenberg, Theo Wittenberg, Betty Kraus, Timi Lösel und Louis Lösel.

26.03.2016
  • Peter Ertle

Tübingen. „Da wurde Jesus ans Kreuz genagelt und Gott hat ihn wieder geweckt“, sagt Betty Kraus. „Und dann ist Jesus wieder aufgestanden und deswegen feiern wir das“, fügt Carla Wittenberg hinzu, und: „Es ist ja sein Sohn, er will halt, dass er lange lebt.“ Vielleicht dämmert ihr, dass das für Gott jetzt zu wenig selbstlos klang und sie präzisiert: „Jesus tut ja nur Gutes und Gott will eben, dass er den Menschen weiter hilft.“ Ja, aber diesmal vom Himmel aus, oder? Haben die beiden nichts davon gehört, dass er in den Himmel aufgefahren ist? Carla und Betty schauen sich an, schütteln den Kopf.

Louis Lösel ist schon in Vorahnung solch theologischer Haarspaltereien bockig geworden. „Ich weiß nix“, kündigt er an und setzt sich mit einem demonstrativen „Und-sagenwerd-ich-auch-nix“-Gesicht in unser Gespräch. Soll doch sein Bruder Timi reden. Der ist zwei Jahre älter und geht schon zur Schule.

Woher hat der Osterhase seine Eier? Da sind sich Betty, Carla und Timi einig: „Von den Hühnern.“ Das ist das Stichwort für Theo. Er sagt: „Hühner regurerich dedaderudgeru dedurerudre ru.“ Es klingt nur für Außenstehende so, seine Mutter versteht ihn. Theo ist zweieinhalb und Carlas kleiner Bruder.

Wenn der Osterhase immer nur an Ostern kommt, was macht er, wenn gerade nicht Ostern ist? „Äääähhhmmmmm“, sagen Betty und Carla. „Der sammelt Eier und malt sie an“, meint Betty dann. So sagt das später auch Timi. Louis sagt gar nichts. Carla, vielleicht weil sie die älteste ist, entdeckt jetzt ein logisches Problem. Ganz so früh wird der Osterhase nicht mit dem Sammeln anfangen, gibt sie zu bedenken, denn „wenn der die Eier zu früh geholt hat, wachsen da ja vor Ostern Hühner raus“. Eine Weile muss sie darüber nachdenken, ob das, was sie gerade gesagt hat, stimmen kann. Auch Betty denkt darüber nach.

Warum bringt der Osterhase überhaupt Eier? „Vielleicht hat ihm irgendjemand den Auftrag gegeben“, mutmaßt Betty. „Ja, Jesus“, schlussfolgert Carla.

Gibt es denn nur einen Osterhasen oder viele? „Ganz viele!“, rufen Betty und Carla unisono. „Ganz viele!“, schreit jetzt sogar Theo enthusiasmiert und erstaunlich deutlich nach, gestikuliert und setzt zu einem längeren Vortrag an. Seine Mutter lacht und steckt ihm irgendwann den Schnuller in den Mund.

„Gesichter, Muster, Streifen“, malen Betty und Carla auf die Eier. Komisch. Bei Timi sind es nämlich: „Punkte, Wellen, Zacken.“ Ehrlich? Kein Gesicht? Nein. Keine Streifen? Nein. Kein einziger? Nein. Wellen. Zacken. Louis stöhnt leise auf.

„Nicht alle Hasen sind Osterhasen, es gibt auch Hasen, die nur Hasen sind“, weiß Carla. Ihre Mutter ist Tierärztin. In der Praxis, sagt sie, hängt ein Bild, auf dem sind Osterhasen zu sehen. „Osterhasen haben besonders große Ohren. Die nennt man Löffel.“

Die allgemeine Hasenkunde geht weiter: „Es gibt auch Schneehasen“, sagt Betty, „die leben im Schnee und sind ganz weiß. Die wollen nicht entdeckt werden. Da denkt man, das sind Schneehügel.“ Carla lacht. Dann lacht Betty. Und dann lachen beide.

Timi erzählt, dass Osterhasen unter der Erde wohnen, Louis wäre da wohl auch gerne, er vergräbt sein Gesicht unter den Händen.

Wie groß sind denn Osterhasen? „So groß“, sagt Carla und zeigt eine Höhe. Betty schaut sie entsetzt an, als sähe sie gerade ein Hasenmonster. „Vom Tisch aus, nicht vom Boden“, erklärt Carla. „Aber nur die echten Hasen“, führt Carla weiter aus, „die aus Schokolade sind kleiner.“

„Schokolade!“, ruft Louis. Louis! Das ist jetzt wirklich ein Osterwunder. Mag er Schokolade? „Ja!“, sagt er mit lauter Stimme. Vielleicht hat Gott Jesus geweckt, darüber kann man diskutieren, aber dass die Schokolade Louis geweckt hat, steht außer Frage. Louis vergisst nun für sehr schöne, wenn auch überschaubare Momente völlig, dass er sich nichts zu wissen und noch weniger zu sagen vorgenommen hatte. Auf die Frage, ob sie denn auch Osterlieder kennen, beginnt er sofort zu singen, bald fällt sein Bruder mit ein, gemeinsam strecken sie sich nach dem eilig hingehaltenen Mikrofon, das Folgendes aufzeichnet:

„Stups, der kleine Osterhase / fällt er immer auf die Nase / ganz egal wohin er lief / immer ging ihm etwas schief / neulich legte er die Eier / in den Schuh von Fräulein Meier / früh am Morgen stand sie auf / nahm das Schicksal seinen Lauf / sie stieg in den Schuh hinein / schrie auf einmal kurz oh nein“  –

Dann wissen sie nicht mehr weiter.

„Kommt das jetzt im Radio?“, fragt Timi. Nein, wir sind eine Zeitung. „Stimmt“, sagt Timi. Wahrscheinlich ist ihm soeben wieder eingefallen, dass sein Papa auch nicht im Radio, sondern bei der Zeitung arbeitet. Der sitzt einen Raum weiter in der Sportredaktion.

Das Tollste an Ostern? Geschenke! Und Ostereier suchen? „Ja klar.“ Gleich nach dem Aufstehen? „Nein, erst nach dem Frühstück!“ Dass man dem auch alles erklären muss! Louis sagt: „Wann sind wir fertig?“ Jetzt, Louis, jetzt sind wir fertig. Und dann sagt Timi noch: „Du Mama, ich glaub, ich weiß, wer der Osterhase ist.“ Gespannte Stille. Wer denn? „Na ihr.“ Also Timi, das ist jetzt nicht das, was Erwachsene von Kindern hören wollen. Seine Mutter eiert, so kurz vor Ostern ist eiern eine naheliegende Tätigkeit, sie sagt: „Also ich hab‘ dem Osterhasen schon mal geholfen. Ich hab den noch nie gesehen, aber manchmal sind da Neschtle und Zettel dran, dass man die noch verteilen soll.“

Oh, oh, da hat man ja wieder mal was angestoßen. . .

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26.03.2016, 16:00 Uhr
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