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Heinz Clement in der Kinder-Uni

Warum wir die Energie der Sonne brauchen

Öl, Gas, Kohle, Holz: Im Grunde ist das alles nur kompliziert verpackte Sonnenenergie. Dabei ist die Sonne auch ohne Verpackung richtig nützlich.

19.05.2011

Von ulrich janssen

Tübingen. Auch bei der dritten Kinder-Uni des Jahres war der Andrang wieder riesengroß. Über 400 Kinder wollten am Mittwoch wissen, „warum wir die Energie der Sonne brauchen“. Antwort gab der Physiker Prof. Heinz Clement, der sich an der Tübinger Uni normalerweise mit den kleinsten Bausteinen der Materie beschäftigt.

Extra für seine Kinder-Uni-Vorlesung hatte sich der Professor ein leuchtend gelbes T-Shirt angezogen. Gelb, sagte er, sei die Farbe der Sonne „und meine Lieblingsfarbe“.

Schwarz wie die Nacht ist dagegen die Kohle, die Menschen seit etwa zwei Jahrhunderten für Strom und Wärme verfeuern.

Kohle entstand zur Zeit der Dinos, als riesige Mengen abgestorbener Pflanzen in der Erde versanken und dort in Millionen Jahren immer stärker zusammengepresst wurden. Genau wie Öl und Gas, zwei andere „fossile Energieträger“, ist Kohle also nichts anderes als zusammengepresste Pflanzenmasse. Und weil Pflanzen jede Menge Sonnenenergie aufsaugen, ist jedes schwarze Kohlebrikett irgendwie auch ein Kraftpaket aus umgewandeltem Sonnenlicht. Leider geht die Zahl der unterirdischen Kraftpakete stark zurück.

„Vielleicht 20, vielleicht 40 Jahre“ werde es noch Öl und Gas geben, meinte Clement, „aber irgendwann macht es wumm und keiner hat mehr Kohle oder Gas“.

Ein Problem ist auch, dass bei der Verbrennung von Öl, Gas oder Kohle immer Kohlendioxid frei wird. Dieses Gas sorgt dafür, dass es auf der Erde immer wärmer wird, dass der Meeresspiegel steigt und immer mehr Unwetter passieren. Es ist eine Riesengefahr für die Umwelt.

Zum Glück gibt es Sonnenenergie nicht nur unter, sondern auch über der Erde. „Seit fünf Milliarden Jahren“, meinte Clement, „scheint die Sonne, und sie wird noch vier Milliarden Jahre scheinen.“ Theoretisch kann sie in Deutschland 100 mal mehr Energie liefern als gebraucht wird. Und das ganz ohne Erwärmung, Flut oder Stürme.

Physikalisch gesehen ist die Sonne ein gigantisches Atomkraftwerk, ein Fusionsreaktor, der an der Oberfläche über 5000 Grad heiß wird, aber zum Glück schön weit entfernt liegt. „Dieses Atomkraftwerk können wir benutzen, ohne dass es gefährlich wird“, meinte Clement.

Sonnenenergie kommt als Licht auf der Erde an, als “Lichtquant“, wie die Physiker sagen. Leider kann man Lichtquanten, wie Clement demonstrierte, nicht mit einer Schachtel auffangen. Es braucht ganz spezielle Netze. Die hübschesten Sonnen-Fangnetze haben sicher die Pflanzen. Mit Hilfe der Sonnenenergie verwandeln sie CO2 und Wasser in energiereiche Kohlenhydrate um. Auch Pflanzen kann man deshalb verfeuern, als Holz oder „Biomasse“.

Möglich ist aber auch, die Sonnenenergie in Kollektoren auf dem Dach aufzufangen. In dünnen Röhren wird dort Wasser erhitzt. „Das funktioniert wie im Freibad“, sagte Clement. Wenn einem kalt ist, legt man sich in die Sonne und wird wieder warm.

Am modernsten ist es aber, wenn auf dem Dach blaue Solarzellen die Lichtquanten einfangen. Das sind hauchdünne Schichten aus Silizium, die Sonnenlicht in Strom umwandeln können.

Clement zeigte den Kindern im Hörsaal, wie sich mit Hilfe von Solarzellen („die dünnsten Kraftwerke der Welt“) ein Springbrunnen und eine Windmühle antreiben ließen. Sein Fazit: „Wir brauchen die Energie der Sonne, damit wir uns auch in Zukunft auf der Erde wohlfühlen.“

In der Vorlesung bestaunten die Kinder einen Springbrunnen, der über eine Solarzelle von Licht angetrieben wird. Bilder: Steuernagel

Heinz Clement

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Erstellt:
19. Mai 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
19. Mai 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2011, 12:00 Uhr

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