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Warum die Sparkassen die Niedrigzinsen bislang gut verdaut haben
Den Sparkassen in Baden-Württemberg geht es noch recht gut. Dennoch schrumpft das Filialnetz. Foto: Sean Gallup/Getty Images
Schnellboote in rauer See

Warum die Sparkassen die Niedrigzinsen bislang gut verdaut haben

Baden-Württembergs Sparkassen bilanzieren ein "solides Jahr 2015". Der Gewinn ist nur leicht gesunken. Doch den Druck der Geldpolitik, der auf der ganzen Bankenbranche lastet, spüren auch sie.

04.02.2016
  • HELMUT SCHNEIDER

Stuttgart. Schadenfreude verkniff er sich, aber die Genugtuung war ihm deutlich anzumerken - darüber, dass sich all jene gründlich getäuscht haben, die zu Beginn der Niedrigzinsphase die Sparkassen als die ersten und die Hauptopfer sahen. Gestern wagte Baden-Württembergs Sparkassenpräsident Peter Schneider selber eine Prognose: "Wir werden die Letzten sein, die fallen." Denn im Gegensatz zu den großen Banken seien die 52 Sparkassen im Südwesten flexibel und wendig "wie Schnellboote".

Auch die Schnellboote bewegen sich freilich in rauer See. Die Niedrigzinsen, mit denen der Sparkassen-Chef noch Jahre rechnet, schlagen sich langsam aber sicher in seiner Bilanz nieder: Das Jahresergebnis, also der verfügbare Gewinn, wird knapp über 1 Mrd. EUR liegen und damit nur leicht unter dem Vorjahr - Tendenz aber: fallend.

Dass die Gruppe ein solch "solides Ergebnis" hinbekam, schreibt Schneider zwei anderen Auffälligkeiten der Jahresbilanz zu: Die Kredite sowohl an Privatkunden (vor allem im Immobilienbereich) als auch an die mittelständische Wirtschaft legten um 4,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Daraus lasse sich eine ungebremste Investitionstätigkeit der baden-württembergischen Wirtschaft ableiten - von der bundesweit beklagten Investitionslücke sei nichts zu spüren.

Auch die Kundeneinlagen (125,4 Mrd. EUR / plus 1,4 Prozent) sind für ihn Indiz dafür, dass den Menschen Sicherheit immer noch wichtiger ist als die Höhe der Zinsen, die sie für ihr Geld bekommen. Es hat aber auch damit zu tun, dass man bei der Konkurrenz nicht viel mehr bekommt für sein Geld. "Die anderen sind jetzt da angelangt, wo wir schon waren", sagt er - auch hier klingt Genugtuung an. Denn zu Beginn der Finanzkrise hatten die soliden Sparkassen unter der (ausländischen) Konkurrenz zu leiden, die ihnen das Geschäft mit besseren Konditionen madig machten.

Zu Schneiders Schnellboot-Bild gehört auch die Anpassung des Filialnetzes. Es ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 10 Prozent auf jetzt noch 2300 geschrumpft; und dieser Trend werde anhalten. Die Zahlen sprechen nämlich eine deutliche Sprache: Der Durchschnittsdeutsche sucht nur 1,7 Mal im Jahr eine Bankfiliale auf; die Hälfte der Privatkunden und mehr als zwei Drittel der Geschäftskunden sind bei der Sparkasse per Online-Konto unterwegs. Geschlossen werden nur die kleinen Geschäftsstellen. Die Kunden hätten dafür durchaus Verständnis, betont Schneider: "Am meisten regen sich darüber die Kommunalpolitiker auf."

Der bargeldlose Zahlungsverkehr wird zunehmen - so wie auch das Einkaufen per Internet zunimmt. Als Konkurrenz zum US-Bezahlsystem "Paypal" kommt Deutschlands Bankenlager, also auch die Sparkassen, am 1. April mit seinem System "Paydirekt" auf den Markt.

Wenn niedrige Zinsen für Sparer Gift sind, dann auch für die Sparkassen? Auf lange Sicht natürlich, räumt Schneider ein. Er werde nicht müde, davor zu warnen, was das für die Altersvorsorge bedeutet: "Da gibt es ein ganz böses Erwachen." Dieses Thema sei in der öffentlichen Diskussion unterbelichtet.

Schneiders zweites Hauptthema ist inzwischen bei der Politik in Berlin und Brüssel angekommen: die Regulierung der Banken. Sie treibe immer neue und seltsame Blüten, auf allen Ebenen werde munter vor sich hinreguliert - ohne dass jemand den Gesamt-Effekt betrachte, den der "Regulierungs-Orkan" für die Kreditwirtschaft habe. Immerhin wird genau dies jetzt vom Europäischen Parlament gefordert. Die Kosten dafür belaufen sich bei den Sparkassen auf 10 Prozent des Gewinns, bei anderen sei es noch viel mehr - Tendenz: steigend.

Ein großes Thema für die Sparkassen ist die Einlagensicherung, die in einigen Jahren europaweit regeln soll, wieviel ein Kunde von seinem Geld noch bekommt, wenn seine Bank pleite geht. Gegen die jetzt vorgelegten Pläne der EU haben die deutschen Politiker und Banker unisono Widerstand angekündigt.

Kommentar

Vor Vergleich im „Scala“-Verfahren

Sparkasse Ulm Bundesweit kam die Sparkasse Ulm im Zusammenhang mit langfristigen Sparverträgen („Scala“) in die Schlagzeilen. Die Sparkasse hatte Tausende Kunden aus diesen teilweise bis 2030 laufenden Verträge zu drängen versucht; eine Verzinsung von 3,5 bis 4 Prozent, so ihr Argument, sei langfristig nicht zu schultern. Sowohl vor dem Landgericht Ulm als auch vor dem Oberlandesgericht Stuttgart kam das Institut damit aber nicht durch. Jetzt stehe man vor einem Vergleich mit den Klägern, sagte Sparkassenpräsident Schneider auf Nachfrage. Der Imageschaden sei nicht wegzudiskutieren, allerdings hätten die Sparkassen im Land deshalb keine Kunden verloren. Auch die Sparkasse Ulm selbst hat nach eigenen Angaben keine Kunden wegen Scala verloren. hes

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04.02.2016, 06:00 Uhr
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