Im Wald verhockt

Warum die Riesenaffen ausgestorben sind

Warum der Riesenaffe Gigantopithecus ausstarb, ist bis heute nicht geklärt. Wissenschaftler aus Tübingen und Frankfurt haben eine mögliche Antwort gefunden.

10.01.2016

Flexibler als der Riesenaffe: Ein Gorilla im Wald. Bild: Uryadnikov/ Fotolia

Tübingen. Auf die damaligen Menschen muss er wie King Kong gewirkt haben: Der Riesenaffe „Gigantopithecus“ Die Wissenschaftler des Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment in Tübingen und des Senckenberg Forschungsinstituts in Frankfurt haben sich mit dem Schicksal des Riesenaffenart „Gigantopithecus“ beschäftigt.

Der Affe tauchte vor etwa acht Millionen Jahren auf der Erde auf und starb vor etwa 100 000 Jahren aus. Nach Einschätzung vieler Wissenschaftler ist Gigantopithecus der größte Affe, der jemals lebte. Er könnte bis zu drei Meter groß geworden sein und 500 Kilogramm gewogen haben. Entdeckt wurde das Tier von Gustav Heinrich Ralph von Koenigswald. Der Paläontolage stieß 1935 in chinesischen Apotheken auf Zähne, die doppelt so groß waren wie die von Gorillas. Mehr als ein paar Zähne und Unterkieferknochen sind von dem Riesenaffen seither nicht gefunden worden.

Die Forscher untersuchten deshalb den Zahnschmelz der möglicherweise bis zu drei Meter großen Affen und entdeckten anhand einer Kohlenstoffisotopen-Messung, dass sich die Tiere fast ausschließlich von Waldfrüchten ernährten und nicht, wie lange Zeit angenommen wurde, auch von Bambus. Damit war ihr Nahrungsangebot auf fatale Weise eingeschränkt, da das Tier aufgrund seines großen Gewichts sehr viel Nahrung benötigt. Nach Ansicht des Tübinger Paläoontologen Prof. Hervé Bocherens ist dies ein wichtiger Grund für das Aussterben dieser Affenart.

Verwandte des Riesenaffen wie der heutige Orang-Utan haben trotz einer Spezialisierung auf einen Lebensraum überlebt“, stellt Hervé Bocherens fest. „Die Orang-Utans haben aber einen langsamen Stoffwechsel und können mit wenig Nahrung auskommen. Gigantopithecus war aufgrund seiner Größe vermutlich auf eine große Menge Nahrung angewiesen. Als die bewaldeten Gebiete sich in der Zeit des Pleistozäns immer mehr zu Savannen-Landschaften entwickelten, war das Nahrungsangebot für den Riesenaffen wohl einfach zu gering“, schlussfolgert der Tübinger Wissenschaftler. uja

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Erstellt:
10. Januar 2016, 11:16 Uhr
Aktualisiert:
10. Januar 2016, 11:16 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2016, 11:16 Uhr

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