Corona

Warum der Impfstart misslungen ist

Ein Impfzentrum schließt vorzeitig, eine Hotline zur Terminvergabe funktioniert nicht richtig und die Bereitschaft zum Impfen ist gering. Auch an der EU regt sich Kritik.

04.01.2021

Von DPA/DOT

Bei der Vergabe der Impftermine kommt es wegen Überlastung der Hotline zu Problemen. Foto: Sven Hoppe

Bei der Vergabe der Impftermine kommt es wegen Überlastung der Hotline zu Problemen. Foto: Sven Hoppe

Berlin. Sehnsüchtig wurde der Impfstoff gegen das Coronavirus erwartet, doch der Start der Impfkampagne erweist sich als schwierig. Bundesregierung und EU-Kommission sind in der Kritik. Was läuft schief?

Gibt es zu wenig Impfstoff? Die EU hat Bezugsrechte für knapp zwei Milliarden Impfdosen. Das ist mehr als genug für die 450 Millionen EU-Bürger. Der Impfstoff wurde aber noch nicht produziert. Zudem ist bisher nur der Impfstoff der Mainzer Firma Biontech/Pfizer in der EU zugelassen. Davon hat die Kommission 300 Millionen Dosen bestellt. Deutschland hat bisher 1,3 Millionen Dosen bekommen. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wurden inzwischen rund 188 500 Impfungen durchgeführt – 14 Prozent von dem, was möglich wäre.

Warum laufen die Impfungen so schleppend? Das ist nicht ganz klar. Die Impfungen werden in den Ländern organisiert. Zuerst werden die Bewohner von Alten- und Pflegeheimen geimpft. Hier könnte es Verzögerungen geben, denn die Impfteams müssen in die Heime fahren. Das dauert.

Auch die fehlende Impfbereitschaft könnte ein Problem sein. Einer RKI-Umfrage von Anfang Dezember zufolge wollen sich nur 50 Prozent der Befragten impfen lassen. In Berlin musste ein Impfzentrum nach wenigen Tagen wegen der geringen Nachfrage wieder schließen.

Ein weiteres Problem ist die Vergabe der Impftermine. Einige Länder nutzen hierzu die Hotline 116 117. Diese war einem Bericht der „Welt am Sonntag“ zufolge in den vergangenen Tagen überlastet. Es kam zu Wartezeiten.

Auch der Umweg der Impfstoffbeschaffung über Brüssel wird vielfach kritisiert. Biontech-Gründer Ugur Sahin sagte dem „Spiegel“, dass „der Prozess in Europa“ nicht so „geradlinig“ abgelaufen sei wie mit anderen Ländern.

Hätte Deutschland lieber einen nationalen Alleingang wagen sollen? Wäre ein Wettkampf um den Impfstoff ausgebrochen, hätte das für Zündstoff in der EU gesorgt. Deutschland hätte sich gegenüber ärmeren Staaten durchgesetzt und wäre dafür angefeindet worden. Dennoch führte das gemeinsame Vorgehen nicht an nationalen Egoismen vorbei: Frankreich intervenierte in den Verhandlungen zugunsten des französischen Herstellers Sanofi – dieser kann nun jedoch nicht liefern.

Wie geht es weiter? Die nächste Charge des Biontech-Impfstoffs kommt an diesem Freitag. Bis zum 1. Februar sollen weitere 2,68 Millionen Impfdosen an die Bundesländer verteilt werden. Zudem rechnet die Bundesregierung im Januar mit der EU-Zulassung des Impfstoffs der Firma Moderna. (dot/dpa)