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Medizin

Warten auf die Karte

Die Vernetzung von Ärzten, Krankenhäusern und Kassen kommt nicht voran – auch mangels Infrastruktur.

14.04.2018
  • HAJO ZENKER

Berlin. Die elektronische Gesundheitskarte soll Ärzten, Patienten und Krankenkassen das Leben erleichtern. Deshalb müssen laut Gesetz bis Ende des Jahres alle Praxen und Krankenhäuser an die Telematikinfrastruktur (TI) angeschlossen sein. Doch die TI war in dieser Woche für einige Stunden nicht erreichbar. Laut der zuständigen Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte (Gematik) war es am Dienstag zu einem mehrstündigen Stromausfall im Rechenzentrum eines Dienstleisters gekommen. Das Problem sei am selben Tag behoben worden. Auch eine Behandlung der Patienten, so die Gematik, sei möglich gewesen, da das Einlesen der elektronischen Gesundheitskarte beim Arzt weiter funktioniert habe. Die praktischen Auswirkungen spürten die Kassen: Es kam zu keinem Abgleich der Versichertendaten mit der jeweiligen Krankenkasse. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) waren etwa 7000 Praxen betroffen.

Es knirscht also weiter bei der Gesundheitskarte für gesetzlich Krankenversicherte: Der elektronische Versichertennachweis als spätere Grundlage für die elektronische Patientenakte sollte nach dem Willen der Politik bereits 2006 funktionieren und wurde zwischenzeitlich immer wieder für gescheitert erklärt. Damit es, nach Kosten von mehr als zwei Milliarden Euro, nun doch noch einmal etwas damit wird, werden derzeit hektisch Arztpraxen an die TI angeschlossen, von 1500 bis 2000 pro Woche ist die Rede.

Es fehlt an Anbietern

Allerdings sollen bis Jahresende bereits alle 200 000 Anschlüsse für Praxen und Kliniken realisiert sein. Bisher sind es aber erst rund 10 000. Die KBV fordert deshalb eine Verschiebung der Anschlussfrist um ein halbes Jahr. Denn den Ärzten drohen finanzielle Einbußen. Eigentlich wird die Technik von den Kassen bezahlt. Doch in Erwartung eines Konkurrenzkampfes unter den Technikanbietern war festgelegt worden, dass die Summen, die die Kassen ausschütten, alle drei Monate schrumpfen. Laut KBV-Vorstand Thomas Kriedel hat im zweiten Quartal der von den Kassen gezahlte Betrag für den sogenannten Konnektor genau gereicht – im kommenden Quartal werde aber, wenn die Technik nicht billiger werde, jede Praxis gut 1000 Euro draufzahlen. Wer ab Januar 2019 nicht über die TI mit den Kassen verbunden ist, soll als Arzt laut Gesetz einen Honorarabzug von einem Prozent bekommen.

Bisher liefert und installiert nur ein Hersteller das nötige Zubehör, um sich mit der TI verbinden zu können. Ein erster Konkurrent kündigt nun den Auslieferungsbeginn noch im zweiten Quartal an. Weitere Firmen wollen folgen. Bis tatsächlich elektronischer Medikationsplan und Notfalldatensatz sowie die elektronische Patientenakte zur Verfügung stehen, wird es Jahre dauern. Hajo Zenker

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14.04.2018, 06:00 Uhr
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