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Warten auf das nächste Lüftchen
Sobald das Wetter stimmt, strömen die Segler auf den Max-Eyth-See. Foto: Segelclub Stuttgart
Auf dem Max-Eyth-See lernten schon Olympioniken das Segeln

Warten auf das nächste Lüftchen

Gerade 17 Hektar groß ist der Max-Eyth-See zwischen Mühlhausen und Hofen im Norden Stuttgarts. Von Seglern wird er dennoch rege genutzt.

20.08.2016
  • BARBARA WOLLNY

Stuttgart. Auf das typische Rauschen, wenn ein Boot unter vollen Segeln durchs Wasser fährt, muss man auf dem Max-Eyth-See meist verzichten. Dafür plätschert das Wasser fröhlich am Bootsboden entlang, und sobald der Wind auffrischt, spritzt es auch von vorne. Deshalb ist es nicht weiter schlimm, wenn es regnet: Beim Jollensegeln auf dem 17 Hektar großen, ehemaligen Baggersee hat man gute Chancen, bei jedem Wetter nass zu werden. Nur kleine Segelschiffe mit flachen Böden können hier eingesetzt werden. Der See ist nirgendwo tiefer als zwei Meter und ein paar Zentimeter.

„Es ist ein besonderes Segelrevier“, sagt Michael Hüllenkremer vom Stuttgarter Segelclub (STSC). „Von der Größe her gibt es keine Probleme. Man kann hier richtig taktisch segeln.“ So hat ein zweifacher Olympiateilnehmer auf dem Stuttgarter Binnensee das Segeln erlernt. Peter Aldag war sowohl 1986 in Korea und 1992 in Barcelona Mitglied im deutschen Segelteam. Und Gudrun Calligaro aus dem STSC hat als Einhandseglerin allein auf ihrem Schiff die ganze Welt umrundet. Ansonsten sind segelnde Frauen – auch in Stuttgart – eine immer noch eher seltene Spezies.

Im Gegensatz zu Norddeutschland oder auch den Alpenseen fehlt am Neckar meist der Wind. „Süddeutschland ist ein Schwachwindgebiet, und unser See liegt besonders windgeschützt“, erklärt Oliver Jooß vom STSC die Verhältnisse. „Was wir also nicht üben können sind Starkwindtrainings. Auch wenn ich schon mal Gewitterböen mit Windstärke 7 oder 8 erlebt habe und selbst eine Regatta mit Windstärke 6 mitgefahren bin.“

Doch das sind Ausnahmen. Der eher wahrscheinliche Zustand am Max-Eyth-See, der zwischen Mühlhausen und Hofen im Stuttgarter Norden liegt, ist Flaute. Es müssen deshalb auch schon mal Regatten oder Segeltrainings abgesagt werden. Wenn aber wenigstens ein leises Lüftchen zu spüren ist, geht es raus auf den See und klar zur Wende. Oder zur Halse. So heißen die Wendemanöver auf einem Segelschiff, bei dem die Segel entweder mit oder gegen den Wind gedreht werden. Das heißt, es muss kräftig auf der Jolle gearbeitet werden, damit das Schiff in der sanften Stuttgarter Brise in Bewegung bleibt – und weil ja auch das andere Ufer schnell erreicht ist.

Manchmal aber fordert die spezielle Geografie die Binnensee-Segler richtig heraus. Durch die Kessellage kann der Wind durch die Weinberge abgelenkt werden und springt dann rasch um. Dann heißt es für die Segler, schnell auf Fallböen zu reagieren. Segeln in Stuttgart wird damit zu einer richtig sportlichen Angelegenheit.

Wird es nicht manchmal zu eng auf und am See? Immerhin sind an dem nur 600 Meter langen Gewässer fünf Segelvereine, eine gewerbliche Segelschule, ein Bootsverleih, der Württembergische Anglerverein, ein Biergarten und weitere Lokale vertreten. Und ein Kajakverein nutzt den See auch ab und zu für Wasserpolo. Nein, man komme gut miteinander klar, der Platz reiche für alle, beteuern die Segler. Nur ab und zu gebe es mal Debatten mit Anglern, die ihre Ruten zu weit auswerfen würden und damit den Booten in die Quere kämen. Und wenn an den Wochenenden die Clubs Regatten veranstalten, wird der Teil des Sees zwischen der Halbinsel und dem Rest abgesperrt, so kommt man sich nicht ins Gehege.

Vom Wetter her könnte man hier das ganze Jahr über segeln. Aus Naturschutzgründen aber ist der See von November bis März für alle Wassersportler – auch Schlittschuhläufer gesperrt. Und Schwimmen? Die Stiftung des Kabarettisten und Landschaftsarchitekten Christoph Sonntag begann 2008 den drohenden Kollaps des Sees wegen Algenbefalls zu verhindern. Sie unterstützte den Bau einer Wasserleitung für die Zufuhr von Frischwasser. Dadurch hat sich die Wasserqualität stark verbessert. „Wir führen dem See jährlich 400 000 Kubikmeter Grundwasser zu. Das Badeverbot besteht jedoch weiterhin wegen der Gefahr von Kolibakterien und der Blüte von Blaualgen“, sagt Jürgen Mutz vom zuständigen Stuttgarter Tiefbauamt. Baden ist also – trotz vorhandenen Sandstrands – weiterhin nicht möglich.

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20.08.2016, 06:00 Uhr
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