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Diebstahl in der Kabine

Warnung per Sprachnachricht macht in Fußballerkreisen die Runde

Irgendwie kam es Stefan Albert von Anfang an seltsam vor. Am Dienstag vergangener Woche erhielt der Trainer von Fußball-Kreisligist TSG Tübingen II eine E-Mail.

22.11.2017
  • Vincent Meissner

Der Absender schrieb, dass er seit sieben Jahren in Tübingen lebe und wegen körperlicher Probleme eine fußballerische Pause eingelegt habe. Nun aber wolle er wieder spielen. Ob er mal mittrainieren dürfe. „Ich habe mich gewundert, weil der Text grammatikalisch ein bisschen komisch klang“, sagt Albert.

Nun gehört die Beherrschung der deutschen Sprache und ihrer Feinheiten nicht zu den dringlich erforderlichen Kompetenzen eines Fußballers. Also antwortete Albert, dass er tags drauf mitmachen kann. Kurze Zeit später bekam Albert einen Anruf von einem anderen Spieler, der zum Probetraining wollte. Auch ihn lud er ein.

Vor dem Abschlusstraining verschwand der E-Mailschreiber, den sie bei der TSG inzwischen „Benzema“ nennen, weil er ein Trikot des französischen Stars von Real Madrid trug, von Albert unbemerkt in der Kabine. Als er zurückkehrte, sagte er, dass er Knieschmerzen gehabt habe. Albert fiel auf, dass „Benzema“ immer wieder Blickkontakt mit dem zweiten Trainingsgast suchte. „Dabei kannten die sich ja eigentlich gar nicht.“

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Die Whats-App-Nachricht von Stefan Albert im Original

Zwei Tage nach dem Training stellte dann ein TSG-Spieler fest, dass seine Kreditkarte und sein Personalausweis fehlen. Die waren während des Trainings in seiner Tasche, weil er zu spät kam. Alle anderen hatten ihre Wertsachen eingeschlossen. Mit dieser Kreditkarte und dem Personalausweis ist der mutmaßliche Täter nach dem Training zu mehreren Neiderlassungen eines Discounters gefahren und hat dort Handys im Wert von mehr als 1000 Euro gekauft. Den Ausweis benötigte er, weil er wusste, dass bei diesem Discounter keine PIN nötig ist. Das Handy des Bestohlenen und den Rest des Geldbeutels ließ er vermutlich in der Tasche, damit der Diebstahl nicht so schnell auffällt.

Als der TSG-Spieler jedoch zwei Tage später auf seinem Kontoauszug die Abbuchung bemerkte, schaltete er die Polizei ein und erstattete Anzeige. Auf den Videos der Überwachungskamera des Discounters identifizierte er „Benzema“. Weil der sich bei Trainer Albert mit seinem richtigen Namen zum Probetraining angemeldet hat, war relativ schnell klar, dass es sich beim mutmaßlichen Täter um einen 28-jährigen gebürtigen Ludwigsburger handelt, der aktuell keinen festen Wohnsitz hat. „Wahrscheinlich ist er nicht so helle, dass er sich mit falschem Namen angemeldet hat“, sagt Polizei-Sprecher Josef Hönes.

Warnung per Sprachnachricht macht in Fußballerkreisen die Runde
Trainer Stefan Albert von der TSG Tübingen II.Bild: Rippmann

Doch der bestohlene TSGler ist kein Einzelfall: „Der macht das schon länger“, sagt Hönes. Mehr als 50 Fälle sind der Polizei bekannt. Bislang vor allem im Bereich nördlich von Stuttgart. Jetzt offenbar auch hier in der Gegend. Seit Oktober besteht Haftbefehl. Seitdem ist der Mann auf der Flucht. Und: „So, wie es aussieht, sind sie zu zweit unterwegs“, sagt Hönes. Denn der Gesuchte hat offenbar kein Auto.

Weil TSG-Trainer Albert die Fußballer der Vereine im Umkreis warnen wollte, schickte er eine Sprachnachricht über „Whats-App“ rum. Und die verbreitet sich nun, um weiteren Schaden zu vermeiden.

Ergänzung: Am Mittwoch-Nachmittag teilte Stefan Albert dem TAGBLATT mit, dass es der Trickbetrüger auch beim SV Sillenbuch in Stuttgart versucht hat mit seiner Masche. Auch dort trug er das Trikot von Karim Benzema. Kurioserweise spielt in Sillenbuch der Bruder des bei der TSGII beklauten Spielers. Allerdings hatte er in Sillenbuch keinen Erfolg, weil dort alle Wertsachen weggeschlossen waren.

Anmerkung: In der urspünglichen Fassung war die Rede von einem Discounter. Tatsächlich handelte es sich um mehrere Niederlassungen dieses Discounters.

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22.11.2017, 19:00 Uhr
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