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Nationalpark

„Wald stirbt nicht, er verändert sich“

Umweltminister Franz Untersteller informiert sich in der Kernzone des Reservats über den Klimawandel.

10.09.2019

Von PETRA WALHEIM

Minister Franz Untersteller mit Nationalpark-Leiter Thomas Waldenspuhl. Foto: Patrick Seeger/dpa

Ruhestein. Die Schreckensnachricht, dass angeblich der Wald stirbt, macht seit den heißen und trockenen Tagen dieses Sommers die Runde im Land. Auch Forstminister Peter Hauk hat dieses Szenario in seiner Sommertour durch die angeschlagenen Wälder mehrfach verbreitet. Umweltminister Franz Untersteller sieht die Lage wesentlich entspannter. „Der Wald stirbt nicht“, versicherte er gestern im Nationalpark Schwarzwald. „Er wird sich verändern und dem Klimawandel anpassen. Wir müssen ihm nur die dazu nötige Zeit lassen.“ Untersteller ließ sich von Experten des Nationalparks die Auswirkungen des Klimawandels zeigen.

Auch Nationalpark-Leiter Thomas Waldenspuhl und Jörg Ziegler, Leiter des Fachbereichs Wald und Naturschutz im Nationalpark, sehen das Absterben vieler Bäume und die aktuelle Borkenkäfer-Invasion gelassen. Die Schreckensvision, nach der der Schwarzwald in nicht allzu ferner Zukunft ohne Bäume sein könnte, werde nicht eintreffen. Da sind sich die Experten einig.

Ein Reallabor

Schon gar nicht im Nationalpark, in dem eine einzigartige Artenvielfalt herrsche. „Die Natur wählt selbst die Arten aus, die mit den Klimabedingungen am besten zurechtkommen“, sagt Waldenspuhl. Man müsse sie nur in Ruhe lassen. Die Kernzonen des Nationalparks, in denen die Natur sich selbst überlassen bleibt, seien ideal, um zu beobachten, welche Arten sich dem Klimawandel anpassen und durchsetzen. „Der Nationalpark ist ein Reallabor“, betonte Untersteller. Es sei unsinnig, auf eine Baumart zu setzen, von der angenommen werde, dass es die richtige sein könnte. Besser sei ein „stabiler Mischwald aus heimischen Arten mit hoher Strukturvielfalt“.

„Je größer die Vielfalt ist, umso stabiler wird das ökologische Gesamtsystem“, betont Jörg Ziegler. Wenn auf einem Hektar Wald zig tausend Pflanzen wachsen, „werden sich die Arten durchsetzen, die am besten in das natürliche Gesamtsystem passen“. Die Erkenntnisse aus dem Nationalpark über resistente Arten könnten auch Privatwald-Besitzern helfen, ihre Wälder umzubauen.

Nach Ansicht des Umweltministers braucht das Land mehr Bannwälder und mehr alte Wälder. „Bäume, die 400, 500 Jahre alt sind, binden viel mehr CO2 als junge Bäume. „Mit Blick auf den Klimawandel müssen wir daran interessiert sein, die Wälder alt werden zu lassen.“ Das gehe natürlich Besitzern von Wirtschaftswäldern gegen den Strich. Das Ziel dürfe deshalb nicht sein, nur noch Bannwälder zu haben. „Wir brauchen Wirtschaftswälder und Bannwälder“, forderte Franz Untersteller. Petra Walheim

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Erstellt:
10. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
10. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. September 2019, 06:00 Uhr

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