Genug Wärme für Bananen

Wärmeabnehmer für Biomasse-Kraftwerk gesucht

Statt in eine neue Heizung für den Betrieb investierten die Holzwerke Zimmermann gleich in ein Kraftwerk. Das eigene Holz dürfen sie dazu aber nicht verheizen.

21.01.2011

Von Mario Beisswenger

Dettenhausen. Der Betrieb liegt mitten im Schönbuch, die Holzwerke Zimmermann verarbeiten regionales Holz – doch der Brennstoff, mit dem sie ihr Heizkraftwerk befeuern, kommt zum Teil aus dem Elsass. Dies erfuhren die Dettenhäuser Gemeinderäte, als sie am Mittwochabend die Ende 2009 in Betrieb gegangene Anlage besichtigten.

Die Holzwerke, bekannt für die Herstellung von Zäunen, Pergolen, Sichtschutzwänden und anderen Holzprodukten für den Garten, haben rund fünf Millionen Euro in die Anlage gesteckt. Sie ersetzt ihre alte Heizzentrale, die wegen Umweltauflagen für eine Million Euro hätte aufgerüstet werden müssen. Mit Blick auf die garantierte Stromvergütung durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) hat sich die Firma entschieden, in die Kraft-Wärme-Kopplung zu investieren, bei der neben Wärme auch Strom abfällt.

Auf 650 Kilowattstunden Strom ist die Anlage ausgelegt, 3,5 Megawatt Wärme könnte sie dazu noch abgeben. – Schade nur, dass die Anlage nicht so viel liefert. Der Grund: „Wir können nicht die volle Strommenge erzeugen, weil wir nicht die volle Wärmeabnahme haben“, erklärte Geschäftsführer Franz Milley dem fast vollzählig versammelten Gemeinderat. Am Mittwochabend speiste die Anlage 500 Kilowattstunden ein. „Wir schaffen nicht mehr, weil wir sonst zu heiß werden“, erklärte Markus Milley im Steuerungsraum der Anlage.

Zuvor standen die Besucher an der Verteilanlage für warmes Wasser. Die stärkste Pumpe versorgt zur Zeit noch den großen Kühler. Franz Milley spottete, dass die Firma schon überlege, ob sie in den Bananen-Anbau einsteigen soll – nur um die Wärme los zu bekommen. Sein Sohn Markus Milley, eigentlich gelernter Kaufmann, hat sich in die Anlagenführung eingearbeitet. Er sagt, dass bei der Investition schon klar gewesen sei, dass es wohl zwei, drei Jahre dauert, bis die Firma Abnehmer für ihre Heizwärme haben würde.

Rund 250 Einfamilienhäuser könnte der Kessel mit 80 Grad heißem Wasser beliefern. Wahrscheinlicher ist eine Versorgung nahe gelegener Betriebe im Gewerbegebiet am Bahnhof. Die Verhandlungen über Wärmelieferverträge laufen. Auf dem Zimmermann?schen Betriebsgelände liegen die dafür notwendigen Rohre schon im Boden. Ein Teil der Gemeinderäte fragte sich, ob die Gemeinde Dettenhausen nicht als Wärmeabnehmer einsteigen soll. Wenigstens sollte die Verwaltung das mal durchrechnen lassen. Franz Milley lockte mit der Zahl von 30 Prozent, die eine Nahwärmeversorgung den Abnehmer billiger kommt als eine Öl-Heizung.

Beim Umweltnutzen der Anlage gibt es nur einen Schönheitsfehler, der Franz Milley gewaltig ärgert: Von dem Häckselmaterial, das in der Anlage bei fast 800 Grad verbrennt, kommt nichts aus seiner Fabrik und auch nichts aus dem Schönbuch. Dabei schluckt der Ofen an einem Tag rund 120 Schütt-Raummeter an klein gehackten Rindenstücken, Zweigen oder Stammholzteilen. Der Staatsforst wolle ihm kein Brennmaterial aus dem Schönbuch anbieten, erklärte der Dettenhäuser Seniorchef. Wie der zuständige Schönbuch-Forstmann Götz von Bülow dazu auf TAGBLATT-Nachfrage erklärte, spielen dabei ökologische Überlegungen und unterschiedliche Preisvorstellungen die Hauptrolle.

Dass nichts von dem selbst produzierten Restholz verbrannt werden darf, liegt an der engen Fassung des EEG, erklärte Markus Milley den Gemeinderäten. Die hohe Stromvergütung gebe es nur, wenn das Holz direkt vom Wald in die Speicherbunker kommt. Sobald eine Maschine auf dem Werksgelände die Rohware bearbeitet, handle es sich laut Vorschrift um bearbeitetes Material. Das verkaufen die Holzwerke nun an andere Abnehmer. Sie selber beziehen ihren Kraftwerks-Rohstoff zum Teil sogar aus dem Elsass.

Markus Milley (rechts) und sein Vater Franz (zweiter von rechts) führten den Dettenhäuser Gemeinderat mit Bürgermeister Hans-Joachim Raich (links) durch das Biomasse-Heizkraftwerk, das die Firma Zimmermann GmbH vor einem starken Jahr (Ende 2009) in Betrieb genommen hat. Bild: Sommer

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Erstellt:
21. Januar 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Januar 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Januar 2011, 12:00 Uhr

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