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Lima statt New York

Währungsfonds und Weltbank tagen in der Hauptstadt von Peru

Erstmals seit Jahrzehnten findet die Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank außerhalb der USA statt . In Lima steht auch die Krise in den Schwellenländern im Mittelpunkt.

07.10.2015
  • ROLF OBERTREIS

Frankfurt 48 Jahre hat es gedauert bis sich Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank wieder mit einer Jahrestagung in Lateinamerika blicken lassen. Kein Wunder, dass die Peruaner stolz sind, dass sie nach Rio de Janeiro 1967 von Freitag bis Sonntag rund 13 000 Finanzexperten - Finanzminister, Notenbanker, Banker und andere Experten - aus 188 Ländern in Lima empfangen.

Schließlich ist es auch eine Anerkennung der wirtschaftlichen Erfolge des Landes. Peru steht aktuell erheblich besser da als der von Krisen gebeutelte Nachbar Brasilien. Dessen Probleme wie die anderer großen Schwellenländer stehen im Mittelpunkt der Debatten in Lima. In allererster Linie aber die Lage und die Entwicklung in China und der nachdrückliche Wunsch Pekings vor allem im IWF eine stärkere Rolle zu spielen als bislang.

Weltbank-Präsident Jim Yong Kim verkündete bereits eine in seinen Augen historische Erfolgsmeldung. Erstmals werde die Zahl der sehr armen Menschen weltweit, die von weniger als 1,90 Dollar (1,70 EUR) pro Tag leben müssen, in diesem Jahr auf unter 10 Prozent sinken. 2012 seien es mit 902 Millionen noch 12,6 Prozent gewesen, 2015 mit 702 Millionen noch 9,6 Prozent.

Wohl auch in den Augen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble und Bundesbankpräsident Jens Weidmann, die zum Weltfinanzgipfel und den parallel stattfindenden Treffen der G 7 und der G 20, das um die wichtigsten Schwellenländer erweiterte Gremium, gelassen anreisen.

In Deutschland ist die wirtschaftliche Entwicklung nach Ansicht von IWF-Chefin Christine Lagarde robust. Die Lage in der übrigen Eurozone wie der Weltwirtschaft insgesamt sieht der IWF kritischer und senkt seine Prognose für das weltweite Wirtschaftswachstum. Die Weltwirtschaft dürfte 2015 nur noch um 3,1 Prozent zulegen und im kommenden Jahr um 3,6 Prozent wachsen.

"Sechs Jahre nachdem die Weltwirtschaft aus der breitesten und tiefsten Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gekommen ist, ist sie von der Rückkehr zu robustem und abgestimmtem globalen Wachstum weit entfernt", erklärte der neue Chefvolkswirt des Währungsfonds, Maurice Obstfeld, vor der Jahrestagung von IWF und Weltbank Ende der Woche in Lima. Das chinesische Wirtschaftswachstum werde 2016 mit 6,3 Prozent auf den niedrigsten Stand seit 25 Jahren fallen.

IWF-Chefin Lagarde blickt überdies vor allem sehr skeptisch auf die USA. Die anstehende Zinswende durch die US-Notenbank könnte die Schwellenländer vor Probleme stellen, weil dann noch mehr Kapital abfließen dürfte als bislang schon. Trotzdem sehen viele Experten nicht mehr so große Risiken wie in früheren Zeiten. "Die Schwellenländer sind widerstandsfähiger geworden", heißt es in Frankfurt, auch wenn die schwierige Lage in Brasilien, Russland und Südafrika eingeräumt wird.

Möglicherweise treten die Bric-Staaten - Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika - in Lima selbstbewusster auf, weil sie endlich den eigenen Währungsfonds (Contingent Reserve Arrangement) CRA und die eigene Entwicklungsbank (New Development Bank NDB), beide mit jeweils 100 Mrd. Dollar (89,1 Mrd. EUR) ausgestattet, als Gegengewicht zu IWF und Weltbank gegründet haben.

Währungsfonds und Weltbank tagen in der Hauptstadt von Peru
Die Tagung von Internationalem Währungsfonds und Weltbank findet in diesem Jahr in der peruanischen Hauptstadt Lima statt. Foto: Imago

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07.10.2015, 12:00 Uhr
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