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Der Kaiser packt aus

WM-Skandal: Franz Beckenbauer kooperiert mit externen Ermittlern

Der einstige Präsident des Bewerbungs- und Organisationskomitees für die WM 2006 stellt sich den Aufklärern, die der Verband engagiert hat, um Licht in die düstere Affäre des deutschen Fußballs zu bringen.

27.10.2015
  • ARMIN GRASMUCK

Ulm Am Wochenende war der Fußballkaiser noch geflüchtet, als ihm Fernsehreporter beim Bummel mit der Familie durch die Salzburger Innenstadt aufgelauert hatten. Doch plötzlich ging alles ganz schnell. Franz Beckenbauer hat sich erstmals zu dem Skandal um die Vergabe der Weltmeisterschaft des Jahres 2006 geäußert. In München traf sich der ins Zwielicht geratene Spitzenfunktionär gestern mit Ermittlern der Wirtschaftskanzlei Freshfield Bruckhaus Deringer, die der Deutsche Fußball-Bund eingeschaltet hat, um Licht in die dubiose Angelegenheit zu bringen.

"Ich habe mich bereits vergangenen Donnerstag gegenüber der externen Untersuchungskommission des DFB bereit erklärt, Rede und Antwort zu stehen", so ließ Beckenbauer anschließend in einer schriftlichen Nachricht verbreiten. "Heute gab es diese Anhörung in München, bei der ich sämtliche Fragen der Kommission beantwortet habe."

Auf die massiven Vorwürfe, auch seine Person betreffend, ging er nur in zwei Punkten ein: "Es wurden keine Stimmen gekauft, um den Zuschlag für die Fußballweltmeisterschaft 2006 zu bekommen", ließ der Kaiser verlauten - und weiter: "Um einen Finanzierungszuschuss der Fifa zu erhalten, wurde auf einen Vorschlag seitens der Fifa-Finanzkommission eingegangen, den die Beteiligten aus heutiger Sicht hätten zurückweisen sollen. Für diesen Fehler trage ich als Präsident des damaligen Organisationskomitees die Verantwortung." Beckenbauer hat damit zumindest sinngemäß eingeräumt, dass es im Vorfeld der WM zu unlauteren Geldflüssen gekommen ist - und er bekennt sich dazu.

In den dubiosen bis undurchsichtigen Machenschaften um Männer, Macht und Moneten, die sich rund um die später als Sommermärchen titulierte WM in Deutschland zutrugen, spielte Beckenbauer, der damals als Präsident des Bewerbungs- und des Organisationskomitees fungierte, eine Schlüsselrolle. Die im Raum stehenden Vorwürfe - von der schwarzen Kasse über Korruption bis hin zu Bestechung und Bestechlichkeit - hatte er bislang nur halbherzig zu entkräften versucht. Über seine Berater hatte er konsequent jeden unlauteren Zusammenhang geleugnet, zudem offenbarte er unglaubliche Lücken der Erinnerung. Für die zehn Millionen Schweizer Franken, rund 6,7 Millionen Euro, die vor mehr als zehn Jahren aus dem Privatvermögen des Adidas-Chefs Robert Louis-Dreyfus an die WM-Macher und später über ein Konto des Fußball-Weltverbands Fifa zurück an Louis-Dreyfus flossen, hat Beckenbauer bis heute keine plausible Erklärung.

Obwohl er, wie Wolfgang Niersbach, der langjährige Mitstreiter und heutige DFB-Präsident, vergangene Woche bekannte, eben diesen Geldtransfer in einem Vier-Augen-Gespräch mit Fifa-Boss Joseph Blatter vereinbart hatte. Am Wochenende reifte auch bei vielen Spitzenvertretern aus Sport und Politik die Erkenntnis, nur der Beckenbauer persönlich könne weitere Rufschäden, aber auch juristische Strafen zulasten des deutschen Verbands abwenden, wenn er offen und aufrichtig mithilft, die Vorgänge aus der dunklen Vergangenheit aufzuarbeiten. Den ersten Schritt hat er gemacht, nun scheint er auf die Erkenntnisse der Ermittler zu warten.

"Um die weiteren Befragungen nicht zu beeinträchtigen, werde ich mich anders als andere Beteiligte, deren Verhalten ich teilweise als unsäglich empfinde, derzeit nicht weiter äußern", so steht es in der von Beckenbauer unterzeichneten Stellungnahme. "Damit entspreche ich auch einer Bitte der externen Untersuchungskommission."

WM-Skandal: Franz Beckenbauer kooperiert mit externen Ermittlern
Aufnahme aus dem Jahr 2006: Franz Beckenbauer (v.) mit Horst R. Schmidt (l.) und Wolfgang Niersbach (2. v. r.). Foto: dpa

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27.10.2015, 12:00 Uhr
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