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Kaiserliches Zeitspiel

WM-Skandal: Beckenbauers zögerliche Einlässe werfen neue Fragen auf

Die Welt des Fußballs hatte auf erhellende Fakten gehofft. Doch der erste Auftritt des einstigen Chefs des Bewerbungs- und Organisationskomitees hat die Debatte um die Vergabe der WM 2006 weiter verschärft.

28.10.2015
  • SID

Köln Franz Beckenbauers Erklärung zur WM-Affäre erinnert an das Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Durch die aufsehenerregende Stellungnahme des WM-Chefs zu den ungeklärten Millionenzahlungen rund um die Organisation der Fußball-WM 2006 ist, auch wenn die Lichtgestalt für einen "Fehler" die Verantwortung übernahm, nur eines klar: nichts. Im Gegenteil - Beckenbauers Einlässe haben das Rätselraten noch weiter angeheizt, weil nunmehr sogar bisher als gesichert angesehene Vorgänge wieder infrage stehen.

Die Verwirrung vergrößerte am Dienstag zudem erneut Theo Zwanziger. Der frühere Präsident des Deutschen Fußball-Bundes legte in der Bild-Zeitung Spuren der angeblich "schwarzen Kassen" bei der WM-Bewerbung zum früheren Fifa-Vermarktungspartner ISL und dem verstorbenen Fifa-Exekutivmitglied Charles Dempsey aus Neuseeland - erneut allerdings ohne stichhaltige Beweise.

Zudem erneuerte Zwanziger seinen Vorwurf, sein Amtsvorgänger Wolfgang Niersbach lüge in Bezug auf den Zeitpunkt seiner Kenntnis von der Millionenzahlung an die FIFA-Finanzkommission 2002. "Es war 2002 kein Alleingang von Franz Beckenbauer, sondern die Führungsspitze des OK war eingeweiht, also Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt und Fedor Radmann", sagte Zwanziger.

Der DFB sandte eine sperrige Pressemitteilung zu den Untersuchungen der unabhängigen Wirtschaftskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer. Gründlich untersucht wird unter anderem die Zahlung von 10,3 Millionen Schweizer Franken von dem einstigen Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus oder einer eventuellen Zahlung von 6,7 Millionen Euro an die Fifa. Der DFB will durch die Wirtschaftskanzlei auch prüfen lassen, ob der DFB Ansprüche auf Rückzahlung der Summe von 6,7 Millionen Euro gegen die Fifa oder Dritte hat.

Beckenbauers insgesamt nur wenig erhellende Erklärung vom Montagabend nach seiner laut Bild vierstündigen Aussage bei den externen DFB-Ermittlern in München blieb weitgehend ohne großes Echo. Zwanziger bestätigte der Rheinischen Post, dass er heute oder morgen ebenfalls von der externen Kommission befragt werden soll.

Faktisch hat Beckenbauer allerdings auch keinerlei Licht ins Dunkel gebracht, sondern bestenfalls die Darstellungen von Niersbach aus der Vorwoche in weiten Teilen bestätigt. Kein Wort hingegen zu seinen persönlichen Beteiligungen an Absprachen mit Vertretern des Weltverbandes Fifa oder Louis-Dreyfus. Umso leichter konnte sich Zwanziger auf der freien Bühne wieder in seiner neuen Lieblingsrolle als Kronzeuge inszenieren.

Umso leichter konnte sich Zwanziger auf der freien Bühne wieder in seiner neuen Lieblingsrolle als Kronzeuge inszenieren. Seiner angeblichen Einschätzung gegenüber der Bild-Zeitung zufolge lässt sich aufgrund der Akten zum ISL-Skandal eine mutmaßliche Bestechung von Dempsey vor der Abstimmung der Fifa-Exekutive über den WM-Gastgeber 2006 ableiten. Die von Zwanziger vorgelegten Papiere umfassen eine mutmaßliche Auflistung einer Zahlung noch einen Tag vor der WM-Entscheidung über 250 000 Dollar.

Für den möglichen Empfänger soll das Kürzel E16 eingetragen sein, den Eintrag hat Zwanziger laut Bild handschriftlich mit der Notiz "Dempsey!" versehen. Dempsey hatte 2000 bei der Stichwahl zwischen Deutschland und Südafrika (12:11) ohne Angabe von Gründen den Raum verlassen. Mehr als seine Notiz lieferte Zwanziger als Beweis für seinen behaupteten "Schmiergeldteppich" jedoch nicht. Zur Auflösung der ungeklärten Zahlung von 6,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2005 an die Fifa würden zudem noch gut 6,5 Millionen Euro fehlen. Auch das angebliche ISL-Interesse an einer Manipulation und eine mutmaßliche Verbindung zu den deutschen WM-Machern wird von Zwanziger nicht nachvollziehbar dargestellt.

WM-Skandal: Beckenbauers zögerliche Einlässe werfen neue Fragen auf
Im Jahr 2000 bekam Deutschland den Zuschlag für die WM 2006: Franz Beckenbauer (r.) mit Fifa-Boss Sepp Blatter. Foto: dpa

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28.10.2015, 12:00 Uhr
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