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Knallhart bis watteweich

WM-Affäre: Schily keilt gegen Zwanziger, Blatter dementiert und Beckenbauer schweigt

Der Skandal um die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 hat sich auf zu einem offenen Verbalkrieg auf verschiedenen Ebenen entwickelt. Nur die Hauptbeteiligten verweigern konsequent die Information.

26.10.2015
  • ARMIN GRASMUCK

Ulm Der Eindruck, den Wolfgang Niersbach seit einigen Tagen vermittelt, beschreibt die Lage in der Chefetage des deutschen Fußballs sehr gut. Blass bis fahl, unbeholfen und undurchsichtig, zermürbt wie entzaubert. Dem Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes fällt die schwierige Rolle zu, den wohl größten Skandal in der Geschichte des deutschen Fußballs moderieren zu müssen. Die Vorwürfe - von der schwarzen Kasse, die im Zuge der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland angelegt worden sein soll, über Korruption im großen Stil, Bestechung und Bestechlichkeit - haben die Führungsspitze des Verbands und speziell Niersbach in das Kreuzfeuer der Kritik gebracht. Der DFB-Chef muss sich dem Druck der Öffentlichkeit stellen und vielleicht sogar beugen, weil er in dem besagten Zeitraum als Präsidiumsmitglied des Organisationskomitees für die WM 2006 als Mitverantwortlicher in der Schuld steht. Das große Spiel, so viel ist jedoch auch klar, machten damals andere. Schillernde Hauptakteure wie der reiche Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, Fifa-Boss Sepp Blatter und Franz Beckenbauer, der als Präsident des Bewerbungs- und des Organisationskomitees für die WM 2006 eine tragende Rolle spielte. Louis-Dreyfus ist tot, Blatter spielt den Ahnungslosen und Beckenbauer schweigt eisern.

In diesem Vakuum aus knallharter Anklage und noch watteweicher bis undurchschaubarer Faktenlage entbrennt eine Debatte, die den deutschen Fußball bis auf weiteres zu beschäftigen und beschädigen droht. Der frontale Angriff, den der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger offen und unverblümt gegen seinen Nachfolger inszeniert hat ("Niersbach lügt"), lieferte neue Erkenntnisse. Dem vermeintlichen Aufklärer schlägt dafür kurioserweise heftiger Gegenwind aus den Führungsriege der Bundesliga-Klubs und DFB-Auswahlen, aber auch aus der Spitzenpolitik entgegen. "Es ist äußerst fragwürdig, dass sich Herr Dr. Zwanziger in dieser Affäre als Ankläger gebärdet", sagte Otto Schily, der als Bundesinnenminister 2005 auch Mitglied im Aufsichtsrat des WM-Organisationskomitees war, der Bild am Sonntag. "Nach allem, was bisher bekannt geworden sei, sollte er sich eher in der Rolle des Beschuldigten sehen."

Zwanziger konterte direkt: "Der Vorwurf, ich hätte zu meiner Amtszeit diesen Vorgang überprüfen müssen, geht fehl, weil ich erst 2012 die Erkenntnisse gewonnen habe, die den bisherigen Erkenntnisstand veränderten", sagte der Jurist, der den DFB von 2004 bis 2012 führte. "Wir waren bis 2012, ich denke, übereinstimmend, der Meinung, dass es um eine Rücküberweisung einer notwendigen Provisionszahlung ging." Sinn und Zweck der zehn Millionen Schweizer Franken, rund 6,7 Millionen Euro, die das Organisationskomitee mit Blick auf die WM 2006 von Louis-Dreyfus gewährt bekam und Jahre später über ein Fifa-Konto an den Geschäftsmann zurück überwies, bleiben unklar. Niersbach deutete in der vergangenen Woche an, es handele sich hierbei um eine mündliche Vereinbarung, die Beckenbauer mit Blatter getroffen habe. Der derzeit suspendierte Fifa-Präsident dementierte prompt. "Ich habe niemals Geld von Beckenbauer verlangt", sagte Blatter der Zeitung Schweiz am Sonntag. "Nie im Leben. Auch nicht vom DFB. Das stimmt einfach nicht." Und Beckenbauer? Auf das klärende Wort des Kaisers wartet die Fußballgemeinde rund um den Globus weiterhin vergeblich.

WM-Affäre: Schily keilt gegen Zwanziger, Blatter dementiert und Beckenbauer schweigt
Zwei Vertreter Deutschlands: Franz Beckenbauer (links) und Theo Zwanziger bei einem Fifa-Kongress 2011. Foto: Ulmer

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26.10.2015, 12:00 Uhr
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