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Widerlegte Klischees

Vorurteile über Ingenieure: Ein Personalchef sagt, was daran nicht stimmt

Ingenieure gelten als kommunikationsschwach und technikverliebt. Alfred Goll, Personalvorstand bei Festo, weiß es besser. Er sagt: Schluss mit Klischees.

22.08.2016
  • PETER ILG

Ulm. Jeder Stand hat seine Plage – und seine Klischees. Ob sie zutreffen oder nicht, ist eine andere Frage. Die SÜDWEST PRESSE wollte das im Falle der Ingenieure genauer wissen und befragte Alfred Goll, den Chef von 3800 Ingenieuren beim Esslinger Automatisierungskonzern Festo. Hier neun Mythen und Golls Antworten darauf.

Mythos 1: Ingenieure sind kommunikationsschwach Oft wird Ingenieuren vorgeworfen, im Rechnen deutlich besser zu sein als im Reden. Pauschal trifft dies nicht zu. Selbstverständlich sind Ingenieure durch ihre Ausbildung stark naturwissenschaftlich geprägt. Ich kenne aber auch durchaus Ingenieure, die gut kommunizieren und präsentieren können – was wichtig ist im Beruf.

Mythos 2: Ingenieure sind technikverliebt Dass Ingenieure technikverliebte Tüftler sind, bestätige ich ebenfalls nicht pauschal. Klar gibt es Kandidaten, deren größter Berufswunsch es ist, in der Entwicklung in ihrem Interessensgebiet aufzugehen. Andererseits gibt es Ingenieure, die gerne abteilungsübergreifend arbeiten wollen oder im Einkauf und Vertrieb, wo technisches und betriebswirtschaftliches Wissen notwendig sind. Wir brauchen beide: Spezialisten und Generalisten. So funktioniert die Industrie.

Mythos 3: Ingenieure haben Maschinenbau studiert und müssen gute Noten haben Wenn jemand Ingenieur werden will, sollte er Maschinenbau oder Elektrotechnik studieren; da findet man immer einen Job – dieser Tipp gilt heute nicht mehr uneingeschränkt. Maschinenbau war mal dominant, heute sind es Elektrotechnik und Software. Absolventen dieser Fachrichtungen und Mechatroniker haben zurzeit die besten Chancen am Arbeitsmarkt. Wer schlechte Noten hat, weder Praxiserfahrung noch Softskills, tut sich dennoch schwer, eine Stelle zu finden, unabhängig von der Fachrichtung. Bei uns beispielsweise sind ein makelloser Lebenslauf und gute Noten aber nicht alles, schlechte Zensuren können mit interessanten und für uns passenden Praktikumstellen oder mit ausgeprägten Softskills ausgeglichen werden. Bei der Auswahl entscheidet das Gesamtbild.

In Deutschland ausgebildete Ingenieure gehören zu den besten auf der ganzen Welt. Damit will ich aber nicht behaupten, dass andere Länder schlechter ausbilden. Uns gelingt es im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) eine breite technologische Basis zu schaffen. Das duale Studium in Deutschland bringt viele gute Ingenieure hervor. Diese Leute kennen die unternehmensinternen Themen und sind nach ihrem Studium rasch integrierbar und sofort produktiv. Eine wissenschaftliche Ausbildung gepaart mit praktischem Lernen ist ein weltweit bemerkenswertes Erfolgsmodell.

Mythos 4: Ingenieure werden gut bezahlt Bei uns arbeitet eine Vielzahl an Akademikern, wobei Ingenieure im Einkommens-Ranking mit vorne liegen. Festo ist ein tarifgebundenes Unternehmen, bei uns gilt der Metalltarifvertrag. Ingenieure werden entsprechend ihrer Tätigkeit eingestuft. Auch wenn sie nach einigen Jahren außertariflich bezahlt werden, bewerten wir die Position und beziehen die individuelle Leistung mit ein.

Mythos 5: Der Beruf ist kein Job für Frauen Zwar langsam, aber stetig nimmt der Frauenanteil zu. Forciert durch Initiativen, auch von uns. Wir haben ein Personal-Entwicklungsprogramm, mit dem wir Elektrotechnik- und Mechatronik-Bachelor-Absolventinnen auf ihrem Weg zum Master auch finanziell fördern. Im Vergleich zu Männern sind bei Frauen Softskills oft ausgeprägter. Ob sie deshalb die besseren Ingenieure sind, weiß ich nicht. Unsere Ingenieurinnen jedenfalls stehen Männern in keiner Weise nach.

Mythos 6: Ingenieure sind für Führungspositionen ungeeignet Der Vorwurf ist falsch. Ich selber bin als Diplom-Kaufmann von vier Ingenieuren im Vorstand umgeben. In technologieorientierten Unternehmen werden Führungspositionen bis ganz hinauf mit Ingenieuren besetzt. Das ist branchenspezifisch. In der Chemie haben Chemiker das Sagen. Ingenieure in Management-Positionen haben zunächst mit ihrer Fachkompetenz überzeugt, entwickelten sich dann durch Fortbildungen in Betriebswirtschaft, Management, Kommunikation weiter.

Mythos 7: Der Job hat ein gutes Ansehen Ich denke schon, dass Ingenieure ein hohes Ansehen in der Gesellschaft genießen, gerade in Deutschland.

Mythos 8: In Deutschland fehlen Ingenieure Wir haben zwar eine Lücke an MINT-Absolventen, die wir nicht schließen können. Aber einen Mangel an Ingenieuren kann ich nicht feststellen. Bislang konnten wir unseren Bedarf stets decken. Scherzhaft sage ich häufig: Wir kriegen jeden – es ist nur eine Frage der Zeit.

Mythos 9: Ingenieure sind nicht flexibel Das ist ein Pauschalurteil. Die meisten wissen, dass man Karriere mit Fleiß macht, dass es Chancen bedarf. Deshalb fragen sie gezielt danach, ob wir ein Talentmanagement haben, wie Kandidaten mit Potenzial identifiziert werden, ob und wie Karrieren gefördert werden. Sie planen nicht den nächsten Schritt, sie wollen die Prozesse kennen. Dann entscheiden sie, wo sie zu arbeiten anfangen. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu früher.

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22.08.2016, 06:00 Uhr
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