Opernhaus

Vorentscheidung für das Milliardenprojekt

Der Stuttgarter Gemeinderat macht den Weg frei für die Sanierung und Erweiterung des Littmann-Baus.

29.07.2021

Von LSW

Sanierungsreif: Das Stuttgarter Opernhaus. Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Stuttgart. . Zuletzt schien es fast so, als wolle selbst der Wettergott den Stuttgarter Gemeinderat überzeugen: Denn das Bild des vom Sturm völlig verformten Kupferdachs der Staatsoper ist nicht nur zum Symbol für den Klimawandel und seine extremen Folgen geworden. Es ist für viele auch ein Zeichen dafür, dass die Sanierung des denkmalgeschützten Operngebäudes keinen Aufschub mehr duldet.

Jetzt am Mittwochabend ist eine weitere Vorentscheidung gefallen – wenngleich noch kein Baubeschluss: Der Stuttgarter Gemeinderat hat den Weg frei gemacht für eine umfangreiche, kostspielige Sanierung. Bewilligt wurden zunächst die Planungskosten in Höhe von 13,5 Millionen Euro, zu denen das Land die gleiche Summe beisteuert. Außerdem entschied sich das Plenum dafür, den Bau der notwendigen Interimsspielstätte bei den Wagenhallen vorzubereiten und die Kulissenlager im Standort Bad Canstatt (Zuckerfabrik) zu erweitern.

Stadt und Land teilen sich als Träger des größten Dreispartenhauses der Welt die Kosten für das Gesamtpaket aus Sanierung, Erweiterung und Modernisierung. Nach einer ersten detaillierten und im November 2019 veröffentlichten Schätzung könnte das Vorhaben mehr als eine Milliarde Euro kosten – im ungünstigsten Fall. Dabei werden die reinen Baukosten auf 550 Millionen Euro geschätzt, es kommen zudem unter anderem ein Risikozuschlag und die zu erwartenden Baupreissteigerungen für zehn Jahre hinzu. Die Bauarbeiten sollen nach bisheriger Planung fünf bis sieben Jahre dauern. Erst 2027 soll die Interimsspielstätte fertig sein – frühestens 2037 dann die neue Oper im denkmalgeschützten Littmann-Bau.

Zentraler Streitpunkt des Projekts ist die sogenannte Kreuzbühne. Mit ihr sollen schnellere und einfachere Bühnenbildwechsel möglich werden. In dem rund 100 Jahre alten Opernhaus wird außerdem mehr Platz zum Beispiel für Proberäume benötigt.

Sinn und Nutzen

In den vergangenen Monaten war lange und lautstark über Sinn und Nutzen sowie über Größe und Aufwand des Projekts gestritten worden. Zuletzt hatte der Bund der Steuerzahler eine preiswertere Lösung für das Großprojekt gefordert und erneut einen Bürgerentscheid ins Spiel gebracht, bevor die Mittel freigegeben würden.

Nun hat der Stuttgarter Gemeinderat ein klares Zeichen gesetzt. Der Verwaltungsrat der Staatstheater hat bereits sein Plazet erteilt. Finanzminister Danyal Bayaz bekennt sich zum Projekt. „Die Sanierung ist unausweichlich.“ Das Land hat Planungsmittel in den Haushalt eingestellt, auch im Koalitionsvertrag bekennt sich Grün-Schwarz zu dem Projekt. Kunstministerin Theresia Bauer reagierte sofort und euphorisch auf das Stuttgart Votum: „Das ist ein guter Tag für den Theaterstandort Baden-Württemberg, für unsere ausgezeichnete Oper und das weltbekannte Stuttgarter Ballett“. dpa/jük

Zum Artikel

Erstellt:
29. Juli 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Juli 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App