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Stiftskirche wird zum Sperrgebiet

Vorbereitungen für Fernsehgottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit laufen auf Hochtouren

Am Tag der Deutschen Einheit wird aus der Stuttgarter Stiftskirche ein Fernsehgottesdienst übertragen. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren - vor allem die Sicherheitsvorkehrungen für die Politprominenz.

16.09.2013

Von UTE DILG

Stuttgart Am 3. Oktober, am Tag der Deutschen Einheit, trifft sich die Politprominenz in Stuttgart. Zum Auftakt der zentralen Feierlichkeiten findet in der evangelischen Stiftskirche ein ökumenischer Gottesdienst statt, der im Fernsehen übertragen wird. Die Vorbereitungen dafür sind aufwendig, haben aber durchaus Unterhaltungswert.

Wie kurz dürfen die Röcke der Sängerinnen des katholischen Mädchenchors sein? "Über diese Frage gab es tatsächlich eine Diskussion", sagt Wolf-Dieter Steinmann lachend. Der Theologe ist Beauftragter für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und Mitglied der Vorbereitungsgruppe für den Fernsehgottesdienst in der Stiftskirche am 3. Oktober. Es ist eine der vielen Diskussionen um Protokoll- und Platzfragen, um Liturgie, Chormusik und Orgelspiel, um Beleuchtung und Kamerawege.

Seit Herbst 2012 trifft sich die Arbeitsgruppe, bestehend aus Kirchenmusikern, Pfarrern sowie Mitarbeitern der Kirchen beider Konfessionen im Land. Da treffen badische und württembergische Interessen auf katholische und evangelische Standpunkte. "Wir ticken alle etwas unterschiedlich", sagt der 57-Jährige. Das gehe schon bei der Liedauswahl los. Es gebe zwar viele "ökumenische" Lieder, doch die Krux liege im Detail: Soll das "Wer nur den lieben Gott lässt walten" nun im Vierviertel- oder Sechsvierteltakt gesungen werden?

Keine Diskussionen gab es hingegen bei der Frage, wie sich die Bischöfe in den Gottesdienst einbringen werden. Der württembergische Landesbischof Frank Otfried July wird als Gastgeber die Liturgie leiten, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch hat als Vorsitzender der Katholischen Bischofskonferenz bei der Predigt den Vortritt. Die beiden Bischöfe der badischen Landeskirche und der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Ulrich Fischer und Gebhard Fürst, übernehmen Fürbitten und Gebete. "Solidarität" wird das Leitmotiv des Gottesdiensts sein. Gemeint ist mehr 20 Jahre nach der deutschen Einheit nicht die Solidarität zwischen Ost und West, sondern innerhalb der deutschen Gesellschaft. Wie ist es bestellt um die Solidarität mit Behinderten, mit Flüchtlingen oder Arbeitslosen? Betroffene werden über ihre Erfahrungen sprechen.

Markus Friedrich ist als Mesner der Stiftskirche ein wichtiger Ansprechpartner für die Planer. Der 44-Jährige ist dort seit vielen Jahren die "gute Seele" und hat schon mehrere Übertragungen erlebt. Er kennt sich aus mit der Beleuchtungsanlage, weiß, wo man Tonkabel verlegen kann und wie der Brandschutz in der Kirche organisiert ist. Was den Gottesdienst zur Einheitsfeier von anderen Fernsehgottesdiensten unterscheidet, sind vor allem Sicherheitsvorkehrungen und Protokollfragen. Der Grund: Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Ministerpräsident Winfried Kretschmann und andere hochrangige Persönlichkeiten geben sich die Ehre.

"Wir müssen zum Beispiel einen bestimmten Sicherheitsabstand einhalten", erklärt Friedrich. So dürfen Orchester und Chor den Spitzenpolitikern nicht zu nahe kommen. Das Areal rund um die Kirche wird zum Sperrgebiet. Alle, die sich ab einem bestimmten Zeitpunkt dort aufhalten, also jedes Chormitglied, die Fernsehleute und alle Gottesdienstbesucher, müssen eine Akkreditierung haben und durch eine Sicherheitsschleuse gegangen sein. Ein Hubschrauber wird über dem Veranstaltungsort kreisen. Am Vorabend des 3. Oktober sucht eine Hundestaffel die gesamte Kirche nochmals nach Sprengstoff ab. Darauf freut sich Friedrich sogar. 1997 hat er das schon einmal erlebt. Auch damals fanden die Einheitsfeierlichkeiten in Stuttgart statt - mit Ex-Kanzler Helmut Kohl und dem damaligen US-Präsidenten George Bush. Dennoch seien die Sicherheitsvorkehrungen nicht so aufwendig gewesen, erinnert sich Friedrich. Kopfschmerzen bereitet ihm vor allem die begrenzte Anzahl der Sitzplätze, denn etwa 1000 geladene Gäste werden erwartet.

Auch Kay Johannsen macht sich Gedanken um den mangelnden Platz. Wohin mit den Musikern? "Mir ist es wichtig, dass im Gottesdienst viel Musik vorkommt", sagt der Stiftskirchenkantor. Drei Chöre werden singen: die Stuttgarter Kantorei, die Freiburger Domsingknaben und die Mädchenkantorei der Domkirche St. Eberhard in Stuttgart. Bei den Proben stoppen die Chorleiter die Zeit, denn das Drehbuch für den Gottesdienst ist genau durchgeplant. Keiner darf überziehen, um im Sendeplan zu bleiben. Johannsen empfindet das nicht als Einschränkung. "Im Gegenteil", sagt er. "Mir gefällt es, so genau zu arbeiten. Unangenehm ist eher, dass man schon um 7.30 Uhr zur Maske da sein muss." Alle Mitwirkenden werden geschminkt, die Solisten bekommen zwei Lagen Make-up mehr aufs Gesicht. "Und dem Organisten werden die Hände gepudert."

Doch was ist nun mit den Röcken des Mädchenchors? Die Mädchen hätten auf der Sängerempore mit dem Glasgeländer stehen sollen, oberhalb des Altars, erklärt Wolf-Dieter Steinmann. Doch da könnten ihnen die Gottesdienstbesucher unter die Röcke schauen. Der Chor wird deshalb nun auf einer Seitenempore platziert, außerdem tragen die Sängerinnen lange Roben.

Noch kann man sich auf dem Schillerplatz frei bewegen. Am Tag der Deutschen Einheit wird der Bereich rund um die Stiftskirche zum Sperrgebiet. Foto: Sebastian Steegmüller

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Erstellt:
16. September 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
16. September 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. September 2013, 12:00 Uhr

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