Erster Schritt zum Kultursaal: 5 Mio Euro Spenden benötigt

Vor dem Sommer soll der Grundsatzbeschluss zum Bau eines Konzertsaals gefasst werden

Der Gemeinderat verpflichtet sich politisch darauf, den Kultursaal ab 2023 zu bauen und zu finanzieren, wenn dafür ein Spendenbeitrag von mindestens 5 Millionen Euro gesichert ist.“ Das ist der Kernsatz des Grundsatzbeschlusses, der am Donnerstag, 5. Juli, auf der Tagesordnung des Kulturausschusses steht und noch vor der Sommerpause vom Gemeinderat bestätigt werden soll.

29.06.2018

Von Sabine Lohr

Wenn der Busbahnhof vor den Hauptbahnhof (unten) verlegt ist, wird ein großes Baufeld frei. Was dort gebaut wird, ist noch offen – auch ein Konzertsaal könnte auf einem Teil der Fläche entstehen. Als Alternative wird das Gelände des ehemaligen Gesundheitsamts (gelbes Gebäude oben) in Betracht gezogen – allerdings nicht von der Universität. Die will es in den nächsten 20,30 Jahren weiterhin selber nutzen. Archivbild: Grohe

Ein Satz, der beim Verein „Ein Saal für Tübingen“ auf schiere Begeisterung stößt. „Das ist ein Abschiedsgeschenk der Ersten Bürgermeisterin an die Tübinger Kulturszene“, freut sich Vorstandsmitglied Albrecht Kühn. Schließlich wartet der Verein schon seit Jahren darauf, dass die Verwaltung endlich Nägel mit Köpfen macht. Denn schon seit 2012 ist der Konzertsaal in der Kulturkonzeption als Schwerpunkt genannt. Zwei Jahre später sah es dann ganz danach aus, als würde was draus werden: Der Stifter Karl Schlecht wollte der Stadt einen solchen Saal schenken, neben dem „Museum“ in der Wilhelmstraße. Doch als er seine Vorstellungen optisch präsentierte, fielen sie beim Publikum so gnadenlos durch, dass Schlecht sich zurückzog.

Dann tat sich erstmal gar nichts. Um die Sache zum Laufen zu bringen, gründete sich 2015 der Verein „Ein Saal für Tübingen“, der sich verpflichtete, Spendengelder einzusammeln, um der Stadt unter die Arme zu greifen.

Ohne großen Erfolg: Der Konzertsaal ist bis heute nicht in der mittelfristigen Finanzplanung berücksichtigt. Das soll sich jetzt mit dem Grundsatzbeschluss ändern. Mit ihm verpflichtet der Gemeinderat die Verwaltung, ab 2020 Planungsmittel einzustellen, damit der Saal gebaut werden kann – frühestens 2023.

Allerdings will die Stadt nicht alles alleine zahlen – auch die Bürger sollen in ihre Geldbeutel langen. 5 Millionen und damit ein Viertel der Kosten sollen über Spenden finanziert werden. Kühn sieht darin kein Problem: „Das sehen wir als unsere Aufgabe an – das schaffen wir“, sagte er nach einer Vorstandssitzung des Vereins.

Und auch die Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast ist zuversichtlich: „Es gibt durchaus Leute, die bereit sind, Geld für die Kultur zu geben“, das wolle man ausnutzen.

Einige Dinge sind aber noch zu klären. Da ist vor allem der Standort. In der Beschlussvorlage heißt es, der Europaplatz scheine möglich (siehe Infobox). Geprüft werden sollen aber auch der Platz neben dem „Museum“, das Uhlandbad und die „Schindelstube“ neben dem Technischen Rathaus in der Brunnenstraße.

Nicht geklärt ist bisher auch, für wen der Konzertsaal überhaupt gebaut werden soll. Soll es dort auch Konzerte hochrangiger Künstler geben? Sollen die Abiturienten dort feiern dürfen? Oder sollen nur die Tübinger Kulturschaffenden den Saal bespielen? Von der Antwort ist die Größe des Saals abhängig. Möglich wäre ein kleinerer Saal mit 650 Plätzen oder eine größere Variante mit 1000 Plätzen. Die Kosten wurden in der Machbarkeitsstudie mit 13 bis 18 Millionen Euro für die kleinere Variante, mit 21 bis 29 Millionen für die größere beziffert. Arbogast glaubt, es werde „auf die kleinere Variante hinauslaufen“.

Sie will auch klären, von wem der Saal betrieben wird. „Kann ein Verein das?“, fragt sie. In der Vorlage nennt sie den kleinen Ort Blaibach in Bayern, in dem ein Konzertsaal ohne kommunale Zuschüsse betrieben wird.

Der Verein weiß, dass noch einige Diskussionen auf ihn zukommen. Vorerst aber freut er sich nur: „Das ist ein Meilenstein“, sagt Kühn. Der Grundsatzbeschluss sei unbedingt notwendig, um Spenden einsammeln zu können. Wann der Verein damit beginne, sei allerdings noch offen: Nach dem Beschluss oder erst, wenn im Herbst der Standort feststeht.

Standorte und Schwierigkeiten am Europaplatz

Auf dem Europaplatz gibt es laut der Ersten Bürgermeisterin Christine Arbogast zwei mögliche Standorte: das Grundstück, auf dem das ehemalige Gesundheitsamt steht, oder das Baufeld, das aus einem Teil des bisherigen Busbahnhofs entsteht.

Das Gesundheitsamt gehört dem Land und wird von der Universität genutzt. Deren Kanzler Andreas Rothfuß sagte im März 2017, Land und Universität würden „nicht daran denken“, das Gebäude in den nächsten 20 bis 30 Jahren aufzugeben.

Einem Konzertsaal auf dem Baufeld stehen die verlorenen Einnahmen aus dem Grundstücksverkauf entgegen. Mit denen will die Stadt den Umbau des Europaplatzes und die Neuanlage des Busbahnhofs vor dem Hauptbahnhof refinanzieren.

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Erstellt:
29. Juni 2018, 11:38 Uhr
Aktualisiert:
29. Juni 2018, 11:38 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2018, 11:38 Uhr

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