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Der Strohbär nur einmal als Problembär

Vor dem Rosenmontagsumzug enthüllte die Narrenzunft Hirschau ihren neuen Narrenbrunnen

Die Narrenzunft Hirschau feiert 50-jähriges Bestehen. Zu diesem Anlass gönnte sie sich einen Narrenbrunnen. Den Rosenmontagsumzug mit gut 50 teilnehmenden Laufgruppen gab es obendrauf.

09.02.2016
  • Michael Sturm

Hirschau. Ein Narrenbrunnen sollte – der fünften Jahreszeit entsprechend – fünf Seiten haben, fand Werner Krauß. Seit letzter Woche steht sein Werk, wenn auch bislang verhüllt, an der Einmündung der Spitzbergstraße in die Kingersheimer Straße. Der Hirschauer Steinmetz verewigte darauf die vier Figuren der Hirschauer Fasnet (Hexe, Hund, Rotmäntele und Strohbär) sowie das Gemeindewappen.

Krauß sagte, der Narrenbrunnen habe schon seit sechs bis acht Jahren annähernd fertig in seiner Werkstatt gestanden. In der Gemeinde sei man sich lange nicht einig gewesen, an welchem Ort der Brunnen aufgestellt werden sollte. Und dann gab es da ja noch den Problembären. Nein, nicht den Bruno, der vor Jahren die bayerischen Wälder unsicher machte. Vielmehr den Hirschauer Strohbär: „Ich habe versucht, das Gesicht in den Sandstein zu bekommen. Das hat nicht funktioniert“, gestand Krauß. Stattdessen fertigte er ein Abbild der ganzen Figur – vor drei, vier Wochen.

Die Musikauswahl zur Enthüllung des Narrenbrunnens war wohl bedacht: Der Musikverein Hirschau spielte den von den Mitgliedern Andy Wörz (Text) und Jürgen Schnitzler (Melodie) geschriebenen „Hirschauer Narrenmarsch“. Ortsvorsteher Ulrich Latus wandte sich in seinem Grußwort Wolfgang Rieker, dem Vorsitzenden der Narrenzunft zu: Ohne diese gebe es wohl keine Fasnet mehr im Ort – gerade die Narrenzunft binde stets Jugendliche an sich. In Richtung Oberbürgermeister Boris Palmer sagte Latus, in Hirschau sei ein „rückwärtslaufender Tübinger Greakäfer“ gesichtet worden, der nur auf Asphalt existieren könne und schutzbedürftig sei. Es lachten nicht nur die Autofahrer.

Der Oberbürgermeister kam als „Darth Palmer“ und witzelte, das sei „ein passendes Häs, wenn Latus in grün kommt“, in Anspielung auf die Farbe von Latus‘ Umhang. Während man aus dessen Verkleidung nicht ganz schlüssig wurde, war es bei SPD-Landtagskandidatin Dorothea Kliche-Behnke eindeutig: Rotkäppchen. Was auch sonst? Zurück zu Palmer: Dessen Kostüm war unvollständig. Wo war das grün leuchtende Lichtschwert? „Das habe ich im Rathaus gelassen“, antwortete Palmer schlagfertig, „alles was mit Licht zu tun hat, wollen die Hirschauer sofort haben.“

Der Umzug begann mit dem Spielmannszug aus Altingen. Dessen Narrenruf „Wasser – marsch!“ wurde glücklicherweise nicht komplett zum Motto des Hirschauer Rosenmontags. Es tröpfelte hin und wieder. Ab und zu fegten Windböen durch die Kingersheimer Straße, in der eine Menge Stroh liegen blieb. Dadurch schneite es auch ordentlich Konfetti, bis in die hintersten Zuschauerreihen. Deutlich über 2000 Menschen werden dagewesen sein. Viele langjährig, wie Ralf Böll, der Abteilungsleiter der SV 03-Fußballer, der auch gestern einige Bekannte traf: „Früher hat man sich im Löwen getroffen. Inzwischen sucht man sich ein bisschen.“ Conny Stroh aus Tübingen war 1988 erstmals beim Hirschauer Rosenmontagsumzug. „Jetzt senn mr scho integriert“, sagte sie. Kaum hatte sie ausgesprochen, wurde sie von einem Hirschauer Strohbären attackiert und in einen Pavillon verschleppt.

Die einfachste, aber mit effektvollste Verkleidung unter den Zuschauern hatte Heinz Baitinger aus Poltringen zu bieten, der – auf den ersten Blick ersichtlich – als Heino kam: „Jankerle, Brill‘ und Perücke – fertig. Die Perücke isch allerdings nemme so. Die hen die Jonge scho a paar Mol drbei ghet.“

Der Hirschauer Rosenmontagsumzug bestand diesmal aus genau 50 Laufgruppen. Die waren nicht allen Umstehenden bekannt. So flitzte Dagmar Reusch ihren Gispelweibern aus Würtingen voraus, um den Umstehenden den korrekten Narrenruf zuzuflüstern. Die authentischste Verkleidung zeigten Melanie und Rene Conzelmann aus Hausen im Killertal. Sie stellten ein Händlerpaar dar – ganz so, wie es früher dort gewesen ist: Mit Krätza (Tragkörben) auf dem Rücken wanderten Hausener Handwerker bis Italien, um Holzlöffel oder Bürsten zu verkaufen, Dinge, die sie während karger Wintermonate geschnitzt hatten. Der Fellbacher Martin Reicher ließ die Peitsche knallen. Die Wäschweiber aus Bühl („Schee semm’r! Sauber semm’r!“) boten flotte Sprüche. Und die Kapelle des Musikvereins Hirschau beeindruckte mit einer Choreografie, die an die legendäre Komiker-Truppe Monty Python erinnerte: Tiefer Schritt, tiefer Schritt und Drehung – mit Instrumenten! Spitze Schreie kamen von den Dixieklos, wenn Hexen daran wackelten. „Eigentlich gehen wir Fasnetsweiber in die Natur, aber nicht, wenn es regnet“, stellte Verena Kittel aus Oberndorf klar.

Boris Palmer nahm auf dem Sprecherwagen Huldigungen der Untertanen entgegen. Als ihm jedoch ein Becherchen mit Hochprozentigem aufgenötigt wurde, schüttete der Schultes den Inhalt heimlich in den Becher von Zunftmeister Wolfgang Rieker. Aber nicht heimlich genug. Rieker zu Palmer: „I muss no regiera, im Gegasatz zu Ihne. Sie müsset bloß do sei.“

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09.02.2016, 01:00 Uhr
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