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Zu viel Fleisch und zu wenig Obst

Vor allem ältere Kinder verschmähen das Schulessen - Experten sehen Nachholbedarf

Nudeln, Pizza, Pfannkuchen, Pommes: Das würde auf dem Speiseplan der Schulmensa stehen, dürften ihn die Schüler selbst bestimmen. Weil das nicht so ist, bleiben vor allem Jugendliche weg.

30.10.2015
  • SWP

Göttingen ...]Das Thema "Ernährung" muss nach Ansicht des Arztes und Gesundheitspolitikers Ellis Huber in der schulischen und vorschulischen Bildung viel mehr Platz bekommen. Kinder und Jugendliche sollten etwa lernen, "wie sie gesundes und lebensfrohes Essen machen und genießen können", sagte Huber gestern am Rande eines Kongresses zur Schulverpflegung in Göttingen. "Wenn gesundes Essen erlebt wird, sichert dies die Gesundheit bis ins hohe Alter." Werde ungesundes Essen zur Gewohnheit, koste dies Staat und Krankenkasse später viel Geld, und die jungen Leute würden ihres eigenen Lebens weniger froh.

"Gesund Essen, Freude an der Bewegung, mit sich selbst im Reinen sein und die eigene Gesundheitskompetenz erleben, das sind Bildungsziele und konkrete Herausforderungen in der Welt von Coca Cola, Red Bull, Computerspielen oder Internetkommunikation", betonte Huber. "Wenn Schulverpflegung lieblos, grau und funktional ohne Lust und Freude abfüttert, legen wir die Grundlagen für die künftigen Gesundheitsprobleme und Krankheiten."

Gesunde, vegetarische oder vegane Ernährung dürfe Kindern keinesfalls aufgezwungen werden, mahnte Huber. Mit dogmatischen oder ideologischen Zeigefingern gehe das nicht. Wer auf Salz, Fett, Zucker oder Fleisch durch die Nahrungsmittelindustrie und die alltägliche Werbung konditioniert sei, müsse "abgeholt" werden. "Vorgaben von oben nützen nichts, gutes Leben lässt sich nicht verordnen, es muss erlebt werden."

Eine Studie der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg hat ergeben, dass nur die Hälfte aller deutschen Grundschüler mittags in der Schule isst. Für die Studie wurden bundesweit rund 3500 Schulleitungen, 200 Schulträger und 12 000 Kinder und Jugendliche befragt.

Demnach sind die Kinder weniger bereit, in der Schulmensa zu essen, wenn sie älter werden. Als Grund nannten die meisten den Geschmack. Wenig überraschende Antworten bekamen die Forscher auf die Frage nach den Essenswünschen: Nudeln, Pizza, Pfannkuchen und Pommes sind bei Kindern der Renner.

Der Preis für die Mittagsverpflegung ist nicht festgeschrieben. Er schwankt an Grundschulen und weiterführenden Schulen demnach zwischen 1,50 und 3,68 Euro.

Die Autoren der Studie kritisieren, dass in deutschen Schulen noch zu wenig Obst und Gemüse auf den Tisch kommt. Fleisch werde hingegen zu oft serviert.

Beschweren sich Kinder über schlechtes Schulessen oder verweigern es sogar, fühlen sich Eltern oft hilflos. Sie müssen das aber nicht einfach hinnehmen - etwa wenn es ständig Fleisch gibt oder die Speisen verkocht sind. Am besten tauschen sich die Eltern erst einmal untereinander aus, rät Ilka Hoffmann, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. "Schließlich ist Essen ja auch Geschmackssache."

Stellt sich heraus, dass mehrere Kinder der gleichen Meinung sind, sollten Eltern sich an die Schule oder den Schulträger wenden. Dort melden sie am besten ganz konkret, was am Schulessen negativ aufgefallen ist. "Wenn sich die Beschwerden häufen, sollte der Schulträger den Anbieter wechseln", sagt Hoffmann. Besonders wenn die Kritik schriftlich und stichhaltig sei, entstehe bei den Verantwortlichen ein gewisser Handlungsdruck.

In wenigen Fällen wird das Essen in der Schule von eigens beschäftigten Köchen zubereitet. Dann rät Hoffmann, ruhig erst direkt mit den Köchen zu sprechen und die genauen Kritikpunkte anzubringen.

Vor allem ältere Kinder verschmähen das Schulessen - Experten sehen Nachholbedarf
Schulverpflegung darf nicht lieblos "abfüttern", kritisiert Ellis Huber. Foto: dpa

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30.10.2015, 12:00 Uhr
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