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Falsche Polizisten müssen sich vor Gericht verantworten

Vor Gericht stehen fünf Männer, die Senioren um Zehntausende Euro betrogen haben

Der Trick lief offenbar immer ähnlich ab: Bei älteren Frauen und Männern meldete sich ein Anrufer als „Herr Neumann“, „Fischer“ oder „Stein“ von der Polizei. Dann redete er seinen Opfern ein, ihnen drohe eine konkrete Gefahr.

28.11.2017

Von Jonas Bleeser

Symbolbild: liveostockimages - Fotolia

Eine rumänische Einbrecherbande habe sie im Visier, jetzt müsse schnell gehandelt werden. Der angeblich einzige Ausweg: Geld und Wertsachen der Polizei anvertrauen. Da komme später ein Kollege vorbei, der nehme die Sachen in Empfang. So abstrus sich die Geschichte anhört, der Betrug klappt nahezu täglich irgendwo in Deutschland. Denn die Anrufer machen sich zwei Dinge zunutze: Das Vertrauen in die Polizei ist beim Großteil der Bevölkerung hoch, die Angst vor Kriminalität ebenso.

Senioren um viel Geld betrogen

So gelang es einer Bande aus dem Raum München, zwischen Januar und April mehreren Senioren insgesamt mindestens fast 90000 Euro abzuschwatzen: in München, Schrobenhausen, Stockach beim Bodensee, Königsbrunn. In Mössingen erbeuteten sie laut Anklage 30000 Euro, in Tübingen konnte die Polizei die Übergabe von 21000 Euro gerade noch verhindern. Dabei kam die hiesige Kripo der Bande aus Bayern auf die Spur.

Die alleinstehenden, älteren Opfer hielt der offenbar rhetorisch geschickte Anrufer oft stundenlang am Telefon und verhinderte so, dass sie mit der echten Polizei Kontakt aufnahmen. Er überzeugte sie sogar, dass sie Geld von der Bank abhoben – es sei dort nicht sicher, weil Bank-Mitarbeiter mit der angeblichen rumänischen Bande im Bunde seien. Im Mössinger Fall gelang das sogar zweimal in einer Woche.

Der Mann führte die Telefonate offenbar von der Türkei aus. Durch einem technischen Trick erschien auf den Telefon-Displays der Opfer die Telefonnummer 110. Der Anrufer saß am Montag nicht auf der Anklagebank im Tübinger Landgerichtssaal 120: Er wurde erst vor wenigen Wochen in Casablanca verhaftet, derzeit läuft ein Auslieferungsgesuch in Marokko.

Drei Männer sitzen in U-Haft

Sein 29-jähriger Bruder dagegen, der das Abholen der Beute koordiniert haben soll, muss sich nun mit vier anderen Männern im Alter zwischen 22 und 33 Jahren wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs verantworten. Alle sind in Deutschland aufgewachsen, drei sind Türken, zwei Deutsche. In wechselnder Besetzung sollen die fünf aus Eching im Norden von München entweder die Wohnungen der Opfer während der stundenlangen Gespräche überwacht haben, um die Aktion sofort abzubrechen, sollten doch echte Polizisten auftauchen. Oder sie gaben sich als Polizisten aus und nahmen die Beute in Empfang. Drei der Männer, von denen einige bereits lange Haftstrafen wegen Gewalt- und Drogendelikten verbüßten, sitzen in Untersuchungshaft, zwei sind auf freiem Fuß. Einer, weil er bereits früh ein Geständnis ablegte, der andere, weil er nur einmal als Fahrer dabei war.

Einigung auf Höchststrafe

Um das Verfahren zu beschleunigen und den Opfern die Aussage im Prozess zu ersparen, einigten sich Anklage, Gericht und Verteidiger für jeden Angeklagten auf eine Höchststrafe. Voraussetzung ist, dass alle gestehen und den Schaden zum Teil schnell wieder gutmachen. Den Koordinator erwarten so über 5, aber höchstens 6 Jahre Gefängnis, wenn er 30000 Euro sofort an die Opfer zurückzahlt. Bei den anderen Männern liegen die zu möglichen Strafen zwischen 9 Monaten und über 4 Jahren – je nachdem, wie sie an der Abzocke beteiligt waren.

Vorsicht am Telefon: Das rät die echte Polizei

Die Polizei stellt klar, dass Polizeibeamte, Staatsanwälte oder andere Amtspersonen niemals anrufen und nach persönlichen Verhältnissen oder Vermögen fragen: „Geben Sie niemandem derartige Auskünfte.“ Man dürfe sich auch nicht davon täuschen lassen, wenn auf dem Telefondisplay eine Nummer zu sehen ist, die scheinbar mit der einer Polizeidienststelle übereinstimmt oder wie eine Notrufnummer aussieht. „Diese Anzeige kommt durch technische Manipulationen der Betrüger zustande“, erklärt die Polizei und rät: „Übergeben Sie niemandem Geld oder Wertgegenstände und überweisen Sie nichts. Notieren Sie die angezeigte Rufnummer und erstatten Sie Anzeige.“

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Erstellt:
28. November 2017, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
28. November 2017, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. November 2017, 01:00 Uhr

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