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Vor 80 Jahren: Fritz von Opels Rekordfahrt im RAK2

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Vor 80 Jahren: Fritz von Opels Rekordfahrt im RAK2 --

02:12 min

Auf der Berliner Avus begann im Mai 1928 das Raketenzeitalter

Vor 80 Jahren: Fritz von Opels Rekordfahrt im RAK2

Vor 3.000 geladenen Zuschauern begann am 23. Mai 1928 auf der Berliner Avus das Raketenzeitalter. Fritz von Opel, Enkel des Firmengründers Adam Opel, startete mit seinem RAK 2 zu einer weltweit beachteten Rekordfahrt.

08.05.2008

Rüsselsheim. Der Raketenwagen ähnelte einer schwarz lackierten Zigarre, zwei gewaltige Flügel sollten den errechneten Auftrieb kompensieren und ein Abheben des Fahrzeugs verhindern.

24 Pulverraketen mit insgesamt 120 Kilogramm Sprengstoff katapultierten den RAK 2 mit einem langen Feuer- und Rauchschweif nach vorne. Mit jedem Tritt aufs Gaspedal zündete Fritz von Opel die nächste Stufe des Antriebs, das Fahrzeug beschleunigte auf die Rekordgeschwindigkeit von 238 km/h.

Gleich nach dem umjubelten Erfolg kündigte Fritz von Opel weitere Raketenversuche auf der Schiene und in der Luft an. 256 km/h erreichte am 23. Juni 1928 der unbemannte RAK 3 auf einem gesperrten Eisenbahngleisstück bei Burgwedel - neuer Weltrekord für Schienenfahrzeuge. Im September 1929 absolvierte "Raketen-Fritz" den ersten bemannten Raketenflug der Welt, mit dem Opel-Sander RAK 1-Flugzeug erhob sich Fritz von Opel auf dem Flughafen Frankfurt-Rebstock in die Luft.

"Der Vorstoß in den Weltenraum"

Im Jahr 1927 suchte der Südtiroler Astronom, Testpilot und Publizist Max Valier, Verfasser des Werks "Der Vorstoß in Weltenraum", bei Fritz von Opel Unterstützung für seine Forschung an einem "Raketen-Motor". Der Enkel des Firmengründers Adam Opel, selbst Rennfahrer und Flieger, erkannte die Möglichkeiten der Raketen-Technik und die Werbewirkung für die Marke Opel.

Fortan wurde in Rüsselsheim an der neuartigen Technologie geforscht, auf einem eigens konstruierten Prüfstand die Schubkraft unterschiedlicher Raketen-Typen gemessen. Der Ingenieur und Raketenbauer Friedrich Wilhelm Sander aus Wesermünde bei Bremerhaven lieferte hochmoderne Feststoff-Raketen. Er hat sich einen Namen mit der Herstellung von Raketen zur Seenotrettung erworben. Mit solchen Raketen wurden Rettungsleinen zu havarierten Schiffen hinüber geschossen.

Für den 11. April 1928 kündigte das Unternehmen die öffentliche Premiere des Raketenwagens RAK 1 auf der hauseigenen Opel-Rennbahn in Rüsselsheim an, der ersten permanenten Versuchs- und Rennstrecke Deutschland. Um 16.30 Uhr war es soweit: Werksrennfahrer Kurt C. Volkhart hob den Arm als Zeichen zum Start, die ersten von zwölf Raketen zündeten.

Nach nur acht Sekunden erreichte der RAK 1 Tempo 100, dann rollte das Fahrzeug aus. Die Fahrt wurde zum Triumph einer neuen Technologie, die Zeitungs-Berichte waren getragen von Zukunftseuphorie. Vom "betriebssicheren Amerikaflug" und "dessen Weiterentwicklung zum Weltenraumschiff" wurde phantasiert.

"120 Kilo Sprengstoff im Rücken, genug für ein ganzes Häuserviertel"

Weil die hauseigene Opel-Rennbahn nicht für Geschwindigkeiten über 140 km/h konzipiert war, verlegte Fritz von Opel die Rekordfahrt mit dem technisch und aerodynamisch neu konzipierten RAK 2 auf die Berliner Hochgeschwindigkeits-Strecke Avus, um das innovative Antriebssystem dort einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

Rund 3.000 geladene Gäste aus Film, Sport, Wissenschaft und Politik sowie Vertreter der Presse hatten sich auf der Nordtribüne versammelt und warteten auf den Start. Filmstar Lilian Harvey und Box-Idol Max Schmeling waren unter den prominenten Zuschauern. Noch stand das Raketenauto verhüllt unter Segeltuch. Geheimrat Schütte, Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Luftfahrt, würdigte das Wirken Max Valiers. Fritz von Opel schilderte das Ziel der Forschung: die bemannte Raumfahrt.

Der RAK 2 wurde enthüllt und zum Start geschoben, wo die Raketen eingesetzt und mit den Zündkabeln verbunden wurden. Staunend betrachteten die Zuschauer das Raketenauto. Ein schlanker, schwarz lackierter Karosseriekörper, das Fahrgestell stammte von einem Opel 10/40 PS. Zwei gewaltige Flügel sollten den errechneten Auftrieb kompensieren und ein Abheben des Raketenwagens verhindern.

Mit der Kraft von 24 Raketen, die einen Schub von 6.000 Kilo entwickelten und über ein eigens entwickeltes, elektrisches Zündsystem per Fußpedal gezündet wurden, sollte der RAK 2 eine Geschwindigkeit jenseits der 200 km/h-Marke erreichen. Der 29-jährige Fritz von Opel setzte sich in Fliegerjacke und mit Fliegerbrille ans Lenkrad, "merkwürdige Gedanken duchblitzten mich", erinnerte er sich später. "120 Kilo Sprengstoff im Rücken, genug für ein ganzes Häuserviertel... da steht ja auch die goldige Lilian Harvey, knapp 90 Pfund mag sie wiegen."

"Hinter mir das Rasen der unbändigen Kräfte"

Am Start standen nur noch Carl Jörns, der legendäre Opel-Rennfahrer, Max Valier und der Raketenbauer Friedrich Wilhelm Sander beim Piloten. Fritz von Opel notierte später: "Sander drückt mir die Hand. Warum so feierlich? Ich trete auf das Zündpedal. Hinter mir heult es auf und wirft mich vorwärts. Es ist wie eine Erlösung. Ich trete nochmal, nochmals und – es packt mich wie eine Wut – zum viertenmal. Seitwärts verschwindet alles. Ich sehe nur noch das große Band der Bahn vor mir. Ich trete schnell noch viermal, fahre nun mit acht Rohren. Die Beschleunigung ist ein Rausch. Ich überlege nicht mehr. Ich handle nur noch im Unterbewusstsein. Hinter mir das Rasen der unbändigen Kräfte..."

Kurz vor Schluss kam es fast zur Katastrophe: die Tragflächen waren nicht ausreichend auf Abtrieb gestellt, das enorme Tempo ließ den Vorderwagen des Raketenfahrzeugs abheben, Fritz von Opel konnte den RAK 2 nur durch schnelle Reaktionen auf der Bahn halten. Nach kaum drei Minuten war das Spektakel vorbei und die Sensation ist perfekt. Die Höchstgeschwindigkeit der Rekordfahrt lag bei 238 km/h, die Nachricht ging um die Welt. Einem Reporter verriet UFA-Star Lilian Harvey: "Mit Fritz von Opel möchte ich im Raketenauto fahren."

Die Zeitschrift "Das Motorrad" schrieb: "Es konnte sich niemand des Eindrucks erwehren, dass man am Beginn eines neuen Zeitalters steht. Vielleicht ist der Opelwagen mit Raketenantrieb der erste praktische Schritt zur Überwindung des Weltalls."

"Raketen-Fritz" wurde ein Held und wollte nun Schiene und Luftraum erobern. Eine Fortsetzung des Rüsselsheimer Raketenprogramms im Juni 1928 fand mit den unbemannten Schienenfahrzeugen RAK 3 und 4 auf der eigens gesperrten Reichsbahnstrecke Celle-Burgwedel statt. Dabei wurde mit dem RAK 3 ein neuer Weltrekord für Schienenfahrzeuge aufgestellt.

Ein paar Wochen später missglückte ein neuer Rekordversuch mit dem RAK 4, der bei der gewaltigen Explosion zerstört wurde. Weitere Versuche mit einem Raketen-getriebenen Opel Motoclub-Motorrad folgten, wurden aber von den Behörden untersagt. Im September 1929 absolvierte Fritz von Opel den ersten bemannten Raketenflug der Welt. Mit dem Opel-Sander RAK 1-Flugzeug erhob er sich auf dem Flugplatz Frankfurt-Rebstock in die Luft und wurde 150 km/h schnell. Das Raketenzeitalter hatte begonnen.

Vor 80 Jahren: Fritz von Opels Rekordfahrt im RAK2
Bei 238 km/h lag die Spitzengeschwindigkeit, die Fritz von Opel am 23. Mai 1928 auf der Berliner Avus erreichte. 24 Raketen mit 120 Kilogramm Sprengstoff befeuerten die Rekordfahrt.

Vor 80 Jahren: Fritz von Opels Rekordfahrt im RAK2
Die Fahrt des RAK 2 wurde zum gesellschaftlichen Ereignis. 3.000 Gäste erhielten eine Einladung für die dramatische Vorführung der neuartigen Raketen-Technologie.

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08.05.2008, 12:00 Uhr
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