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50 Jahre Bundesliga (1)

Vor 44 Jahren debütierte der Tübinger Helmut Roth für 1860

Im Fußballfachmagazin „kicker“ hatte er die Note 4 bekommen – heute genau vor 44 Jahren kam der Tübinger Helmut Roth beim 2:1-Sieg seines TSV 1860 München gegen Borussia Dortmund zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz. Zwölf wurden es ingesamt für 1860 und den MSV Duisburg. Von Medizinball-Läufen unter Fritz Langner und Klavierabenden mit „Radi“ hat der 62-Jährige dem TAGBLATT erzählt.

04.09.2012
  • Tobias Zug

Mein erstes Bundesligaspiel habe ich gar nicht so im Gedächtnis. Die Spiele in den 70er Jahren in Lugano sind mir mehr in Erinnerung, denn da habe ich immer gespielt. Bei 1860 war es keine so gute Zeit für mich. Als Jugendspieler war das auch ziemlich schwierig, da hat sich keiner um dich gekümmert: Du hattest eine Bude bekommen, das war’s! Die Zwei-Zimmer-Wohnung habe ich übrigens mit Klaus Fischer geteilt, dem späteren Nationalstürmer von Schalke. Du musstest dich aber alleine durchbeißen – und da war ich nicht der Typ dazu.

Es gibt Spieler, die waren technisch und spielerisch talentiert, dazu gehörte ich. Aber ich war kein Beißer. Und die Trainer damals, die waren nicht von der feinen Art: Albert Sing, Fritz Langner, am Schluss hatte ich den „Bimbo“ Binder. Wir haben viel trainiert: Sonntags war frei, montags dann zwei Mal Training, dienstags zwei Mal, mittwochs ein Mal, donnerstags zwei Mal, wenn man nicht gespielt hat, sowieso noch mal – aber in einer Art… Ich weiß nicht, ob sie das heute so durchziehen würden. Das würden sich die Spieler wohl nicht bieten lassen, was wir da körperlich eineinhalb bis zwei Stunden geschafft haben. Wir sind beim Langner beispielsweise zehn 400 Meter-Runden mit den Medizinbällen gelaufen. Die Altstars, die waren da verletzt – da haben sich viele immer gedrückt.

Sportmedizinisch hat sich ja auch viel geändert seither: Wir durften damals nur Steak und Salat essen – ja keine Nudeln, ja kein Kuchen, nur keine Kohlenhydrate. Und nichts trinken im Training: Wir hingen am Wasserhahn danach. Ich war gottfroh, dass sie den nicht auch noch abgedreht haben… Es war schon brutal! 1860 wurde auf mich aufmerksam nach dem ersten Schülerländerspiel in Berlin, als wir gegen England gespielt hatten. Der Geschäftsführer kam, verhandelt haben wir in einer Wirtschaft in der Reutlinger Straße in Tübingen. Ohne Spielerberater. 1860 war da schon ein Name, war 1966 erst Deutscher Meister geworden. In der zweiten Saison bei 1860 habe ich das Schienbein gebrochen, nachdem ich mit Rudolf Zeiser im Training zusammengestoßen war. Viereinhalb Monate hatte ich einen Gips – da hat sich auch keiner vom Verein gekümmert. Heute kriegst einen Nagel oder eine Platte rein, dann musst schon zwei Tage später mit dem Muskeltraining anfangen. Zu den Spielern hatte ich auch wenig Kontakte, jeder ist seinen eigenen Weg gegangen. Klar, der „Radi“ (Torhüter Petar Radenkovic, d. Red.) war schon eine Nummer! Er war der Star der Mannschaft, hatte da auch noch seinen Hit „Bin i Radi, bin i König“ aufgenommen. Wenn wir irgendwo ein Spiel gehabt hatten, und es gab ein Klavier dort, dann hat jemand dieses Lied darauf geklimpert, und der Radi musste das singen. Da bist du immer niedergebrochen vor Lachen! Aber der Radi hat alles mitgemacht.

Heute muss ich sagen: Die Zweite Liga wäre recht gewesen für mich. Sicher: Ich war selbst schuld, dass ich mich nicht so durchgesetzt habe. Weil ich keinen Biss hatte, dann die schlechte Führung. Ich war ja einer, der mal gerne fortging – und das war halt nicht ideal. Heute haben die Spieler Manager, das hätte ich auch gebraucht. Damals hattest du den Vertrag hingelegt bekommen, hast unterschrieben – und das war’s dann! 800 bis 1000 Mark bekam ich Grundgehalt, dazu kamen noch Prämien, je nachdem ob du gespielt hast. Gerade muss ich Unterlagen für die Rentenversicherung einholen: In Duisburg fehlt dieses halbe Jahr, wo ich dort gespielt habe. Im Ausland, in der Schweiz, ist nichts geführt worden. Ich glaube, du bist gar nicht versichert gewesen in der Zeit! Als 20-Jähriger hat man aber gar nicht daran gedacht, eine Anfrage an die Rentenversicherungsanstalt in der Schweiz zu schreiben.

Vor 44 Jahren debütierte der Tübinger Helmut Roth für 1860
Vom SV 03 Tübingen zog Helmut Roth zu 1860 nach München in die Bundesliga – und kehrte später wieder zu seinem Heimatverein als Spieler und Trainer zurück. Archivbilder: Ulmer, Zeitler

Vor 44 Jahren debütierte der Tübinger Helmut Roth für 1860

50 Jahre alt ist die oft als des Deutschen liebstes Kind bezeichnete Fußball-Bundesliga dieses Jahr. In dieser Serie stellt das TAGBLATT in unregelmäßiger Reihenfolge Menschen aus der Region vor,die in Deutschlands höchster Liga mal gespielt haben – oder noch kicken. Egal, ob sie ein paar Sekunden nur eingewechselt wurden oder Stammspieler waren. Sie erzählen, wie sie die Bundesliga erlebt haben, das Umfeld, die Stadien, das Leben eines Darstellers auf der großen Fußballbühne.

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04.09.2012, 12:00 Uhr
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