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Heile Welt im Glottertal

Vor 30 Jahren begann mit der "Schwarzwaldklinik" der Arztserien-Boom

Sie war die Mutter aller deutschen Krankenhausserien und einer der größten Hits der TV-Geschichte: Die "Schwarzwaldklinik", die bis zu 28 Millionen Zuschauer vor die Bildschirme lockte, startete vor 30 Jahren.

21.10.2015
  • CORNELIA WYSTRICHOWSKI

Glottertal Der gütige Professor Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow), sein fescher Sohn Udo (Sascha Hehn) und die von Gaby Dohm gespielte Schwester Christa: Am 22. Oktober 1985 zeigte das ZDF die erste Folge der "Schwarzwaldklinik", die mit ihrem Mix aus Weißkittel-Dramatik und Bollenhut-Romantik einen enormen Kult auslöste. ",Die Schwarzwaldklinik' war ein Phänomen, wie wir es in Deutschland zuvor nie hatten und auch nicht wieder haben werden", sagt der Produzent der Serie, Wolfgang Rademann.

Doch nicht nur hierzulande, sondern weltweit zog die "Schwarzwaldklinik" das Publikum in den Bann: 43 Länder strahlten den Megaerfolg aus, dessen Vorbild die tschechische Fernsehserie "Das Krankenhaus am Rande der Stadt" war. Es gab Romane zur "Schwarzwaldklinik", die Darsteller wurden zu Superstars, und die Punkband "Die Toten Hosen" arbeitete sich in einem kritischen Song an dem Straßenfeger ab. Sogar populäre Serien wie "Dallas" konnten nicht mit dem samstagabends gezeigten Mix aus Heimatfilm, Seifenoper und Arztroman konkurrieren.

Mit der "Schwarzwaldklinik" begann der bis heute anhaltende Boom der Arztserien im deutschen Fernsehen. Der ARD-Dauerbrenner "In aller Freundschaft" gehört zu den beliebtesten deutschen Serien, das ZDF hat mit "Der Bergdoktor" ein echtes Quoten-Zugpferd im Programm und wuchtete mit "Dr. Klein" und "Bettys Diagnose" unlängst zwei neue Arztserien ins Programm.

"Es sind wohl die emotionalen Achterbahnen in dramatischen Gefilden, die den Liebhaber solcher Serien auf der heimischen Couch abholen und nicht selten süchtig machen", mutmaßt der Ärzteblog "Ichbinarzt.de". Tatsache ist: In Krankenhausserien geht es so zentral um Leben und Tod, wie das sonst nur in Krimis oder Thrillern der Fall ist. Dieser existentiellen Dramatik kann sich kaum einer entziehen.

Auch nach Jahrzehnten und einer wahren Inflation einschlägiger Formate liebt das Publikum die Geschichten aus dem Krankenzimmer. Dabei ist es eine Spezialität der deutschen Weißkittelserien, dass sie - ganz in der Tradition der "Schwarzwaldklinik" - oft den Charakter einer Seifenoper haben.

Amerikanische Formate legen in vielen Fällen mehr Wert auf eine realistischere Schilderung des Kliniklebens, allen voran der Klassiker "Emergency Room" über den hektischen Alltag in einer Notaufnahme.

Auf eine Figur wie den hinkenden Zyniker Dr. House aus der gleichnamigen US-Serie oder einen respektlosen Stoff wie das amerikanische "Nip/Tuck" über die Arbeit zweier Schönheitschirurgen in Miami wartet man bei deutschen Produktionen leider vergebens. Die "Schwarzwaldklinik" wurde zwar 1989 nach 70 Folgen eingestellt, doch die Faszination ist nie abgerissen. Fast 15 Millionen Zuschauer waren dabei, als 2005 zum 20. Geburtstag ein "Schwarzwaldklinik"-Film über den Bildschirm flimmerte.

Bislang wurde die Serie etwa ein Dutzend Mal wiederholt, auf YouTube im Internet werden einzelne Folgen hunderttausendfach angeklickt. Viele wollten das Erfolgsgeheimnis der Serie ergründen, etwa in Studien wie "Fluchtmodell Schwarzwaldklinik. Eine Familienserie als Rückzugsmöglichkeit in eine vereinfachte, heimatliche Welt". Sascha Hehn, der Darsteller des Udo Brinkmann, analysierte Jahre später: "Die Zuschauer damals in den 80ern konnten sich mit den Figuren aus der ,Schwarzwaldklinik' identifizieren, während in ,Dallas' und ,Denver-Clan' eine Welt unerreichbaren Reichtums vorgespielt wurde."

Ins liebliche Glottertal bei Freiburg, wo die Stories spielen, pilgern neugierige Fans bis heute. Dabei wurden viele Szenen in einem Studio in Hamburg gedreht - das berühmte schmucke Klinikgebäude diente nur für die Außenaufnahmen. Produzent Rademann fand den etwa 100 Jahre alten Bau auf der Suche nach einem Drehort. Neuerdings beherbergt das Gebäude eine Klinik für psychosomatische Erkrankungen. Die Bewohner des alten Holzhauses, in dem in der Serie Chefarzt Brinkmann lebte, waren von dem dauernden Touristenansturm so genervt, dass sie vor zwei Jahren auszogen.

Vor 30 Jahren begann mit der "Schwarzwaldklinik" der Arztserien-Boom
Schwarzwaldklinik-Chef Dr. Brinkmann (Klausjürgen Wussow, Mitte) 1985 mit seinen Kollegen: (von links) Karin Eckhold, Sascha Hehn, Gaby Dohm, dazwischen Wussow, Ilona Grübel, Alf Marholm, Eva-Maria Bauer und Gaby Fischer. Foto: dpa

Vor 30 Jahren begann mit der "Schwarzwaldklinik" der Arztserien-Boom

"Die Schwarzwaldklinik" gilt als Mutter aller Arztserien. Sie lief von 1985 bis 1989 und wurde mit Schwarzwaldromantik und Krankenschicksalen zum Straßenfeger. Sascha Hehn als smarter Jungarzt, der cool in sein weißes Cabrio hüpft, ist bis heute unerreicht. "Der Bergdoktor" Die aus einer Reihe von Heftchenromanen hervorgegangene Serie startete 1992 und war eine der erfolgreichsten Serien des Privatsenders Sat 1. 1997 war zwar Schluss, doch 2008 startete das ZDF eine Neuauflage und erzielt seitdem mit Hauptdarsteller Hans Sigl traumhafte Einschaltquoten. "In aller Freundschaft" Die Leipziger Sachsenklinik ist die Antwort der ARD auf die Schwarzwaldklinik: Mehr Seifenoper als Klinikserie, holt der 1998 gestartete Dauerbrenner mit Thomas Rühmann als bravem Chefarzt regelmäßig mehr als fünf Millionen Zuschauer. Seit vorigem Jahr gibt es sogar einen Ableger im Vorabendprogramm, "In aller Freundschaft - die jungen Ärzte". "Emergency Room" Der Welterfolg aus den USA lief von 1994 bis 2009 und gilt unter echten Ärzten als die realistischste Fernsehserie über den Krankenhausalltag. Die Geschichten aus der Notaufnahme lockten sogar Zuschauer, die das Genre sonst ablehnen. Vielen weiblichen Fans ist die Serie auch deshalb in Erinnerung, weil George Clooney darin als Doc Leben rettete. "Dr. House" war das größte Scheusal unter den Fernsehärzten, kein Halbgott in Weiß, sondern ein Zyniker am Krückstock. Die US-Serie mit Hugh Laurie brachte frischen Wind ins Genre. 2012 war Schluss, einen würdigen Nachfolger für das herrliche Ekelpaket gibt es im Programm leider nicht. ski.

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21.10.2015, 12:00 Uhr
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