Benzinmotor in Reitwagen eingebaut

Vor 125 Jahren schrieb Gottlieb Daimler Industriegeschichte - Fahrt nach Untertürkheim

Heute vor 125 Jahren erreichte Paul Daimler, der Sohn von Gottlieb Daimler, mit seinem motorisierten Reitwagen von Cannstatt aus Untertürkheim. Eine Gedenktafel erinnert an die erste Fahrt eines Autos.

10.11.2010

Von MATHIAS KUHN

Stuttgart Am 10. November 1885 hat Gottlieb Daimler Industriegeschichte geschrieben. Sein Sohn Paul fuhr mit dem Reitwagen von Bad Cannstatt nach Untertürkheim. Die Fahrt markiert die Geburtsstunde des Automobils. Zum 125-Jahre-Jubiläum hat der Bürgerverein Untertürkheim im Beisein von Autor Gunter Haug eine Gedenktafel am Zielort der epochalen Fahrt, am Haus der Buchhandlung Roth, montiert.

"Wer jetzt am Untertürkheimer Bahnhof steht und die vielen Autos vorbeifahren sieht, ahnt nicht, welche Sensation vor 125 Jahren hier seine Endstation fand", meinte Eberhard Hahn, der Vorsitzende des Bürgervereins Untertürkheim. Am 10. November 1885 hatten sich viele Cannstatter und Untertürkheimer entlang der Verbindungsstraße zwischen den beiden Ortschaften gestellt. Sie wollten eine Weltpremiere erleben, deren Tragweite die meisten sicherlich nicht erahnten.

Der schwäbische Tüftler und Pionier Gottlieb Daimler hat gemeinsam mit seinem kongenialen Partner Wilhelm Maybach einen benzingetriebenen Motor entwickelt und in einen dreirädrigen Reitwagen eingebaut.

An jenem 10. November - Schillers Geburtstag - sollte das erste Automobil auf Erprobungsfahrt gehen und zwar von Daimlers Werkstatt in Bad Cannstatt ins zwei Kilometer entfernte Untertürkheim. Am Steuer des Motorwagens saß der 16-jährige Paul Daimler. Sein Vater hatte sich mit einer Pferdekutsche an den Endpunkt der Fahrt begeben - an den Untertürkheimer Bahnhof.

Der motorisierte Ritt auf dem Gefährt gelang, die epochale Leistung ging als die Geburtsstunde des Automobils in die Geschichte ein. "An dieses historische Ereignis wollen auch wir mit einer Gedenktafel erinnern", sagt Eberhard Hahn.

Der Bürgerverein hat bereits etliche historisch wichtige Gebäude oder Standorte mit den silbernen Tafeln ausgestattet. Aus Anlass der Erstlingsfahrt vor 125 Jahren kam nun die neue Tafel hinzu. Zumal, was den Untertürkheimer und ehemaligen Daimler-Mitarbeiter Hahn ärgert, die Verantwortlichen der Landeshauptstadt das Jubiläum der Pioniertat unbeachtet lassen.

Dafür bekam Hahn Beistand von einem anderen Ex-Untertürkheimer, der sich zu einem erfolgreichen Autor entwickelt hat. Rechtzeitig zum Jubiläum hat Gunter Haug seinen historischen Roman über Gottlieb Daimler veröffentlicht. Für den Autor war es deswegen eine Selbstverständlichkeit und Ehre, mit Hahn die neue Tafel an der Fassade der Buchhandlung Roth - also gegenüber dem Bahnhof - anzuschrauben. "Zur Erinnerung an eine Sternstunde der Automobilgeschichte", waren sich die beiden Untertürkheimer einig.

Eberhard Hahn (rechts) vom Bürgerverein Untertürkheim und Autor Gunter Haug haben die Gedenktafel montiert.

Zum Artikel

Erstellt:
10. November 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
10. November 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. November 2010, 12:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+