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Kommentar

Von wegen Weicheier

23.02.2018
  • THOMAS BLOCK

Berlin. Es gibt wenige Diskussionen, die langweiliger, abgedroschener und nerviger sind als jene über die verweichlichte Jugend von heute. Das war vor 30 Jahren bereits so und wird in 30 Jahren wahrscheinlich immer noch so sein. Mit manchen Ärgernissen muss man sich halt abfinden. Doch wer diese Diskussion aufgrund der Ergebnisse der nun veröffentlichten Barmer-Studie anzettelt, verhält sich nicht nur anstrengend. Er verhält sich unverantwortlich.

Ja, der Gegensatz klingt verlockend: Ausgerechnet die Studenten einer Generation, die es so gut hat wie kaum eine andere in der Geschichte des Landes, rennen häufiger zum Therapeuten als die gebeutelte Nachkriegsgeneration. Weicheier. Doch diese Argumentation ist grundfalsch. Sie geht davon aus, dass die Jüngeren häufiger unter psychischen Erkrankungen leiden. Dabei geben sie es nur häufiger zu. So gesehen ist es eine gute Nachricht, dass so viele junge, gebildete Menschen nicht mehr zurückschrecken, zum Psychologen zu gehen.

Depression ist eine Volkskrankheit, die nicht selten tödlich verläuft. Doch der Gang zum „Seelenklempner“ war noch bis vor wenigen Jahren so stark stigmatisiert, dass viele versucht haben, ihre Probleme selbst zu lösen. Bei den ähnlich gefährlichen Herz-Krankheiten würde keiner auf so eine Idee kommen. Es gibt keinen Grund, die Zahl der Therapie-Patienten zu reduzieren. Dass die Barmer das anders sieht, ist haarsträubend. Barmer-Chef Straub schlägt seinen Kunden vor, lieber zur „Prävention“ auf billige Online-Trainings zurückzugreifen. Die Studenten sollen im Zweifel nicht zum Therapeuten gehen. Bei den „harten“ aber herzkranken Typen der Generation 60plus hätte er sich das nicht getraut.

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23.02.2018, 06:00 Uhr
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