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Berufswelt

Von wegen 35 Stunden pro Woche

Termindruck und hohes Arbeitstempo belasten viele Beschäftigte. Jeder Neunte arbeitet wöchentlich mehr als 48 Stunden.

07.09.2017
  • DIETER KELLER UND CAROLINE STRANG

Termindruck und hohes Arbeitstempo machen deutlich mehr Beschäftigten zu schaffen als die körperliche Belastung in ihrem Job. 40 Prozent klagen über die hohe Arbeitsintensität, knapp ein Viertel über körperliche Belastungen wie schwierige Körperhaltungen oder das Hantieren mit schweren Lasten. Das zeigen repräsentative Umfragen des Statistischen Bundesamts. Ob darunter die Arbeitszufriedenheit leidet, kann dessen Vizepräsident Georg Thiel allerdings nicht sagen – diese ganz generelle Frage haben seine Mitarbeiter nicht gestellt.

Zumindest Anhaltspunkte bieten die Daten zur „Qualität der Arbeit“ aus verschiedenen Umfragen, die Thiel in Berlin präsentierte. Dazu gehört die Arbeitszeit: Beschäftigte in Vollzeit arbeiten 41 Stunden pro Woche, und das hat sich seit 1991 kaum verändert, allen Tarifverträgen zur Arbeitszeitverkürzung zum Trotz. Dagegen gab es bei Teilzeitbeschäftigten einen Rückgang um eine auf durchschnittlich gut 19 Stunden. Jeder Neunte kommt regelmäßig auf mehr als 48 Stunden – insbesondere Ältere, Führungskräfte und Selbständige.

Stufen der Zufriedenheit

„Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Arbeitszufriedenheit, hoher Motivation und steigender Leistung“, sagt Guido Hertel, Leiter der Abteilung Organisations- und Wirtschaftspsychologie an der Universität Münster. Die zentralen Faktoren für die Arbeitszufriedenheit folgen einem Stufenmodell: Eine ausreichende Bezahlung als unterste Stufe, die Arbeitsbedingungen wie Arbeitszeit und Flexibilität als zweite. Zunehmend an Bedeutung gewinnen die Sinnhaftigkeit der Tätigkeit, aber auch die Fairness. Gut belegt sei durch Studien, dass mehr Leistung und mehr Arbeitszufriedenheit keine Gegensätze seien, so Hertel.

Zumindest bei den Vorgesetzten gibt es noch erhebliche Verbesserungsmöglichkeiten: Nur knapp die Hälfte der Arbeitnehmer fühlt sich von ihrem Chef unterstützt. Besser ist ihr Verhältnis zu den Kollegen: Zwei Drittel haben den Eindruck von diesen unterstützt zu werden.

Ist jemand unzufrieden, zeige sich das erst beim Arbeitsverhalten, sagt Hertel: „Die Bereitschaft lässt nach, sich zu engagieren.“ Außerdem sinke die Schwelle, gegen Regeln zu verstoßen, etwa Arbeitsmaterialien mitgehen zu lassen. Nach und nach sinke die Bindung an das Unternehmen, vor allem Leistungsträger wechselten den Job. Oder die Zahl der Krankheitstage steigt.

2016 waren Arbeitnehmer im Schnitt 10,8 Arbeitstage krank gemeldet. Das war etwa ein Tag mehr als im Jahr zuvor. Die niedrigsten Fehlzeiten gab es 2007 mit nur 8,1 Tagen. Als Grund für den Anstieg seither nennen die Statistiker unter anderem auch, dass die Beschäftigten weniger Angst um ihren Arbeitsplatz haben.

Problem befristete Verträge

Besonders schwer haben es Beschäftigte mit befristetem Arbeitsvertrag. Ihre Zahl ist in den letzten zehn Jahren um 400 000 auf 2,8 Mio. gestiegen. Da aber gleichzeitig die Gesamtzahl der Erwerbstätigen deutlich zunahm, blieb ihr Anteil an allen Beschäftigten ab 25 Jahren mit 9 Prozent recht konstant. Besonders hoch war er nicht nur unter den Hilfskräften, sondern auch bei Akademikern. Die Hochschulen geben wissenschaftlichen Mitarbeitern oft nur befristete Verträge.

Bewusst für eine befristete Beschäftigung entschieden sich nur 6 Prozent. Mehr als ein Drittel beklagte dagegen, keine Dauerstelle gefunden zu haben. Ähnlich viele hatten nur einen Probevertrag. Innerhalb der EU liegt Deutschland bei den befristeten Jobs etwas unter dem Durchschnitt. In Polen und Spanien hat fast jeder Vierte einen zeitlich begrenzten Vertrag. In Rumänien und Großbritannien sind es dagegen unter 5 Prozent.

Die Statistiken zeigen auch interessante Unterschiede bei Frauen und Männern: Frauen arbeiten häufiger in Berufen, die eine hohe Qualifikation voraussetzen, etwa als Lehrerin oder als medizinische und technische Assistentinnen. Dafür verdienen sie häufig weniger trotz gleicher Qualifikation und Tätigkeit: Fachangestellte 11 Prozent weniger, Führungskräfte 24 Prozent.

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07.09.2017, 06:00 Uhr
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