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Von der Terrormiliz gezielt geschickt?
Die Polizei hat ein Foto des hauptverdächtigen 34-jährigen Algeriers veröffentlicht, der am Vortag im Sauerland festgenommen wurde. Foto: afp/Polizei
Ermittler suchen nach der bundesweiten Razzia vom Donnerstag nach Beweisen

Von der Terrormiliz gezielt geschickt?

Nach der Anti-Terror-Razzia vom Donnerstag suchen Ermittler nach Belegen für einen in Berlin geplanten Anschlag. Der Verfassungsschutz hatte der Polizei konkrete Hinweise auf mögliche Terrorpläne gegeben.

06.02.2016
  • SWP

Berlin. Die deutschen Ermittlungsbehörden gehen jetzt Indizien nach, die darauf hindeuten, dass der im Sauerland festgenommene 34-jährige Algerier gezielt vom Terrornetzwerk "Islamischer Staat" (IS) nach Deutschland geschickt wurde. Einen Beleg dafür haben sie dafür zwar nicht. Der Mann und seine 27-jährige Ehefrau gelten aber als IS-Mitglieder, nach Polizeiangaben soll der Hauptverdächtige in Syrien eine militärische Ausbildung erhalten haben. Als Indizien, dass er möglicherweise gezielt geschickt wurde, gelten Fotos, die auf enge Kontakte zu wichtigen IS-Mitgliedern in Syrien schließen lassen.

Dass die mutmaßliche Terrorzelle in Deutschland Kontakt zu den Hintermännern der Anschläge von Paris im November 2015 hatte, gibt es ebenfalls keine Beweise. Die Polizei veröffentlichte ein Bild, das den Hauptverdächtigen mit zahlreichen Waffen und einer Pistole in der Hand zeigt und seinen Aufenthalt in Syrien belegen soll. "Der Spiegel" schrieb, ein weiteres Foto zeige den Mann beim Essen mit einer Person aus dem Umfeld der Attentäter von Paris, die im November ein Blutbad angerichtet hatten. Nach Angaben der Zeitung "Die Welt" stand der 34-Jährige in Kontakt zum IS-Planungschef für Attentate im Ausland und sei auch mit diesem fotografiert worden. Diese Angaben bestätigten Sicherheitskreisen im Wesentlichen. Einem in Niedersachsen überprüften Algerier konnten laut Polizei Kontakte nach Belgien nachgewiesen werden. Der Mann war nach Informationen aus Sicherheitskreisen vor wenigen Wochen mindestens einmal in die Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek gereist. Dort gelebt hatte auch der mutmaßliche Drahtzieher der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, der später getötet wurde.

Die vier aktuell Verdächtigen reisten nicht zusammen nach Deutschland. Der hauptverdächtige 34-Jährige kam laut Polizei Ende 2015 mit Frau und Kindern als Flüchtling. Der "Spiegel" nennt den 28. Dezember als Einreisedatum. Die Familie stellte mit falschen syrischen Pässen einen Asylantrag. Der Mann nutzte nach Polizeiinformationen mindestens drei falsche Familiennamen, seine Frau einen.

Die beiden Berliner Verdächtigen arbeiteten schon länger in der Hauptstadt. Einer kam laut Polizei im Frühjahr 2004 nach Deutschland und hat eine befristete Aufenthaltsgenehmigung. Der andere sei seit 2000 in Berlin bekannt, habe Deutschland 2013 aber für ein Jahr verlassen. Wann der Verdächtige aus Niedersachsen nach Deutschland kam, ist unbekannt.

Die Polizei will mit der Veröffentlichung eines Fotos des Hauptverdächtigen klarstellen, weshalb sie den Hinweis des Bundesamtes für Verfassungsschutz als besonders ernsthaft einstufte. Zugleich dürften die Behörden aber darauf spekulieren, dass sich die islamistische Terrorszene über das Foto austauscht. Geheimdienstler nennen so etwas ein "erhöhtes Grundrauschen". Aus dieser Kommunikation im Netz oder per Telefon können Fahnder möglicherweise neue Hinweise auf Verbindungen der Verdächtigen ziehen.

Wie die Polizei gestern weiter mitteilte, bleiben der Hauptverdächtige und seine Frau vorerst in Haft. Sie waren über Interpol mit Haftbefehlen aus Algerien gesucht worden. Dem Oberlandesgericht Hamm zufolge könnte nun ein Auslieferungsverfahren beginnen. Der in Berlin Festgenommene kommt in Untersuchungshaft. Gegen ihn gab es einen Haftbefehl wegen Urkundenfälschung. Unter anderem soll er falsche französische Personaldokumente verwendet haben.

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06.02.2016, 08:30 Uhr
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