Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Festivals

Von Rock, Raupen und Dixis

Rock im Park und Rock am Ring erfüllen viele Fan-Erwartungen. Neben Spaß geht es um Politik. Sogar das Wetter spielt mit. Nur ein Grundbedürfnis sorgt für Unmut.

11.06.2019

Von DPA

Kurzfristig gab es bei Rock im Park 250 zusätzliche Dixi-Klos. Foto: Daniel Karmann/dpa

Nürnberg/Nürburgring. Das Bier fließt, die Sonne scheint, die Musik dröhnt. Das Nürnberger Festival Rock im Park war in diesem Jahr über weite Strecken ein Rockspektakel wie aus dem Bilderbuch. Getrübt haben die Bilanz nur zwei Sicherheitsleute, die am Samstagabend zwei junge Besucher gewürgt haben sollen. Die Security-Männer wurden festgenommen. „Für ein Festival dieser Größe war es relativ ruhig“, resümierte ein Polizeisprecher am Sonntagnachmittag. Im Schnitt waren nach Veranstalterangaben pro Tag 77 000 Besucher da. Auf dem noch etwas größeren Schwesterfestival Rock am Ring in der Eifel sollen es rund 86 000 gewesen sein.

Musikalisch betrachtet wurde es oft politisch, vor allem, wenn deutsche Bands auf der Bühne standen. Bereits zum Auftakt am Freitag hatten die linken Punks von Feine Sahne Fischfilet unter Jubel die Migrationspolitik der EU, Waffenexporte ins Ausland und AfD-Wähler kritisiert – und die Zuschauer aufgefordert, „vor allem in diesen Zeiten nicht beim Partymachen hängen zu bleiben“.

Nahbar, emotional und extrem gut gelaunt zeigte sich die Band aus Mecklenburg-Vorpommern. „Alter, ist das krass“, freute sich Sänger Jan „Monchi“ Gorkow vor tausenden Fans, auf der Hauptbühne eines solch großen Festivals zu spielen: Zur Bandgründung auf dem Schulhof war das einst unvorstellbar. Beim letzten Lied mischte sich Gorkow zur Freude der Fans tanzend unter die Masse – und verlor seine Flipflops, wie er lachend verriet.

Beim gefeierten Auftritt von Adam Angst brüllte das Publikum im Chor „Nazis raus“. Die Ärzte sagten bei ihrem Headliner-Aufritt am Freitagabend, sie hätten sich gewünscht, ihre Anti-Nazi-Hymne „Schrei nach Liebe“ nie wieder spielen zu müssen – und spielten sie daraufhin prompt.

Finger hoch gegen Faschos

Ein Zeichen gegen Hass setzte am Samstag auf dem Zeppelinfeld auch das Deutschrap-Duo Marteria und Casper: Schön, dass so viele unterschiedliche Menschen zum Konzert kamen, um gemeinsam friedlich zu feiern, lobten der Rostocker und der Deutsch-Amerikaner . Und forderten: „Alle Mittelfinger hoch gegen Rassismus und Faschismus!“

Die britische Band Bastille verzauberte die Fans mit ihrem für viele buchstäblich zum Greifen nahen Sänger Dan Smith. Zum Song „Flaws“ bahnte sich der Indie-Rocker seinen Weg mitten durch die Fans. Viele fassten ihn an Armen und Schultern, manchem gab er gar „High five“. Außer mit Stimmvolumen und melancholischen Tönen begeisterte Smith mit Deutschkenntnissen. Auch wenn er zu Beginn des Auftritts „Entschuldigung, mein Deutsch ist scheiße“ gesagt hatte, bedankte er sich immer wieder beim Publikum in dessen Muttersprache und forderte: „Springt mit mir!“

Rund 75 Musik-Acts standen bei Rock im Park zwischen 7. und 9. Juni auf vier Bühnen. Am Nürburgring spielten die selben Bands zu anderen Zeiten. Trotz der mehr als 160 000 Besucher auf beiden Open-Air-Festivals, blieb die Zahl der Einsätze den Veranstaltern zufolge deutlich unter jener in den Vorjahren – was auch daran gelegen habe, dass weniger Besucher unmäßig Alkohol tranken. Vor allem die Zahl der Diebstähle ging nach Polizeiangaben zurück. 3520 Mal waren Sanitäter bis Sonntagnachmittag auf dem Zeppelinfeld ausgerückt. Einem Rollstuhlfahrer war laut Bayerischem Roten Kreuz (BRK) zum Festivalstart der Rollstuhl gestohlen worden. Das BRK stellte einen Leih-Rollstuhl zur Verfügung – „damit er weiterfeiern kann. Das ist erstmal das Wichtigste“, sagte ein Sprecher. Am Samstag tauchte sein eigener Rollstuhl wieder auf.

Zudem machte den Helfern eine kleine Raupe zu schaffen: Der giftige Eichenprozessionsspinner löste 200 Einsätze aus. Alle Betroffenen konnten vor Ort behandelt werden. Rockfans wurden aber aufgerufen, befallene Campingplätze zu meiden und auf andere auszuweichen.

In der Nacht auf Pfingstmontag gingen die beiden größten deutschen Rockspektakel zu Ende. In der Eifel mit Marteria, Casper, Tenacious D und Slipknot; in Nürnberg mit Slash, Tool und Slayer. Rachel Boßmeyer, Britta Schultejans, Jens Albes

Yannis Philippakis, Frontmann der britischen Indie-Rock-Band Foals, feiert mit Fans das Open-Air-Festival Rock im Park. Foto: Rachel Boßmeyer

Impressionen von Rock im Park 2019: die US-Sänger und -Schauspieler Kyle Gass (links) und Jack Black von Tenacious D (großes Bild); Tom Araya, Sänger und Bassist der US-Metal-Band Slayer; Yannis Philippakis von den britischen Indie-Rockern Foals und Dan Smith von Bastille (kleine Bilder, von oben nach unten). Foto: Rachel Boßmeyer, dpa

William DuVall, Sänger der US-amerikanischen Band Alice in Chains, beim Open-Air-Festival Rock im Park 2019. Foto: Daniel Karmann

Zum Artikel

Erstellt:
11. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
11. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+